
Moskau (kath.net/KAP) Im Prozess um den Skandalauftritt von "Pussy Riot" in der wichtigsten orthodoxen Kirche Russlands haben die drei Angeklagten den Vorwurf des "Rowdytums" zurückgewiesen. Die Punkmusikerinnen erklärten sich zum Auftakt der Hauptverhandlung am Montag in Moskau für nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft sprach dagegen von einer gezielten Kampagne zur Demütigung von Christen und zur "Schmälerung der geistlichen Grundlagen des Staates".
Die Bandmitglieder und ihre Anwälte betonten, der Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale stelle allenfalls eine Ordnungswidrigkeit dar,aber keine Straftat. Zugleich zeigten sie Reue. Die jüngste Angeklagte,Nadeschda Tolokonnikowa (22), nannte eine solche Aktion an einem Ort wiediesem einen "ethischen Fehler".
Winterliches "Punk-Gebet" gegen Putin
Die Frauen hatten im Februar vor dem Altar der Kathedrale mit einem "Punk-Gebet" gegen den damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und die Unterstützung der Kirche für dessen Präsidentschaftskandidatur protestiert. Seit März sind sie in Untersuchungshaft; ihnen drohen bis zu sieben Jahre Gefängnis.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, den Musikerinnen sei bewusst gewesen, dass ihr Verhalten die orthodoxen Christen beleidige. In der Anklage wird ihnen vorgeworfen, "auf blasphemische Weise die jahrhundertealten Grundfesten der russisch-orthodoxen Kirche erniedrigt" zu haben. Den "beträchtlichen Schaden" sollen in dem Prozess offenbar Augenzeugen des Auftritts belegen.
Das Gericht lehnte am Montag erneut einen Antrag der Verteidigung ab, den orthodoxen Moskauer Patriarch Kyrill I. als Zeugen zu vernehmen. Die Kirche hatte den Auftritt als Schändung der Kathedrale verurteilt. Aus dem Prozess will sich die Leitung des Patriarchats jedoch heraushalten. Die Frage der Bestrafung sei allein Sache des Gerichts, hieß es.
Der Skandal löste in Russland eine Debatte über das Vorgehen der Justiz aus. Amnesty International stuft die drei Frauen als politische Gefangene ein.
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