31 Juli 2012, 09:00
Punkgruppe 'Pussy Riot' vor Gericht: Sind keine Rowdys
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Russland'
Musikerinnen bekennen sich zum Auftakt der Hauptverhandlung in Moskau nicht schuldig - Moskauer Patriachat will sich aus Prozess heraushalten. Amnesty International stuft die drei Frauen als politische Gefangene ein.

Moskau (kath.net/KAP) Im Prozess um den Skandalauftritt von "Pussy Riot" in der wichtigsten orthodoxen Kirche Russlands haben die drei Angeklagten den Vorwurf des "Rowdytums" zurückgewiesen. Die Punkmusikerinnen erklärten sich zum Auftakt der Hauptverhandlung am Montag in Moskau für nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft sprach dagegen von einer gezielten Kampagne zur Demütigung von Christen und zur "Schmälerung der geistlichen Grundlagen des Staates".

Werbung
romwallf


Die Bandmitglieder und ihre Anwälte betonten, der Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale stelle allenfalls eine Ordnungswidrigkeit dar,aber keine Straftat. Zugleich zeigten sie Reue. Die jüngste Angeklagte,Nadeschda Tolokonnikowa (22), nannte eine solche Aktion an einem Ort wiediesem einen "ethischen Fehler".

Winterliches "Punk-Gebet" gegen Putin

Die Frauen hatten im Februar vor dem Altar der Kathedrale mit einem "Punk-Gebet" gegen den damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und die Unterstützung der Kirche für dessen Präsidentschaftskandidatur protestiert. Seit März sind sie in Untersuchungshaft; ihnen drohen bis zu sieben Jahre Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, den Musikerinnen sei bewusst gewesen, dass ihr Verhalten die orthodoxen Christen beleidige. In der Anklage wird ihnen vorgeworfen, "auf blasphemische Weise die jahrhundertealten Grundfesten der russisch-orthodoxen Kirche erniedrigt" zu haben. Den "beträchtlichen Schaden" sollen in dem Prozess offenbar Augenzeugen des Auftritts belegen.

Das Gericht lehnte am Montag erneut einen Antrag der Verteidigung ab, den orthodoxen Moskauer Patriarch Kyrill I. als Zeugen zu vernehmen. Die Kirche hatte den Auftritt als Schändung der Kathedrale verurteilt. Aus dem Prozess will sich die Leitung des Patriarchats jedoch heraushalten. Die Frage der Bestrafung sei allein Sache des Gerichts, hieß es.

Der Skandal löste in Russland eine Debatte über das Vorgehen der Justiz aus. Amnesty International stuft die drei Frauen als politische Gefangene ein.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Der Exorzismus des Papstes (49)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Sexueller Missbrauch: Wie pädophilenfreundlich waren die Grünen? (39)

Oberster römischer Exorzist: Papst hat einen Exorzismus vollzogen (39)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (30)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (28)

Streit über Meisners Kritik an deutscher Familienpolitik (28)

Kardinal Meisner: Der neue Papst ist kein Reformer (26)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (26)

Direktor der Vatikanischen Museen kritisiert modernen Kirchenbau (20)