
Frankfurt am Main (kath.net/idea) In das „Lutherjahr“ 2017 investieren der Staat und die evangelische Landeskirchen Millionenbeträge. Der Bund stellt aus dem Kulturetat 35 Millionen Euro für das 500-jährige Reformationsjubiläum zur Verfügung und das Land Sachsen-Anhalt, wo sich die meisten Lutherstätten befinden, 35 Millionen. Die evangelischen Landeskirchen haben 17 Millionen Euro bewilligt, heißt es in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 29. Juli. Die Geldspritzen dienen unter anderem der Tourismusförderung und der Renovierung kulturhistorischer Stätten. Doch die Landeskirchen wollten kein Geld verdienen mit dem Gedenken an den Reformator Martin Luther (1483-1546) und seinen Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg im Jahr 1517, der den Beginn der Reformation markiert, betont Margot Käßmann (Berlin). Die frühere Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende ist seit drei Monaten „Botschafterin“ für das Reformationsjubiläum. Vielmehr wollten die Landeskirchen mit der 2008 begonnenen Luther-Dekade und den Feierlichkeiten Inhalte vermitteln. Käßmann: „Wenn uns das so überzeugend gelingt, dass Menschen deshalb in die Kirche eintreten, dann hat das auch höhere Einnahmen durch die Kirchensteuer zur Folge. Aber das ist nicht das primäre Ziel.“
Luther und die Kapitalismuskritik
Die FAS verweist darauf, dass sich Luther auch zu wirtschaftlichen Fragen geäußert habe. So habe er sich gegen die „Ökonomisierung des Weltkonzerns Kirche“ wie dem damaligen Ablasshandel des Vatikans gewandt habe. Luther kritisierte auch „Wucherzinsen“ scharf. Daran lässt sich laut Käßmann heute anknüpfen, etwa im Blick auf den Kapitalismus.
Hoffnung auf Entgegenkommen „Roms“
Im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum hegt Käßmann auch Erwartungen an die Ökumene. Sie hofft auf eine „Geste der Versöhnung“ zwischen Protestanten und Katholiken und auf mehr Entgegenkommen „Roms“. Papst Benedikt XVI. hatte im vorigen Jahr bei seinem Deutschlandbesuch manche Beobachter enttäuscht, weil ein deutliches Signal für die Überwindung der konfessionellen Trennung ausblieb.
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