26 Juli 2012, 13:30
Erzbischof Müller: Befreiungstheologie nicht pauschal verurteilen
 
Hildegard13
 
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Neuer Präfekt der Glaubenskongregation im "Osservatore"-Interview - Piusbrüder müssen vor Einigung mit Rom Beschlüsse des II. Vaticanums anerkennen - Nein zur Zulassung von Frauen zu Weiheämtern bekräftigt

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der neue Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat sich gegen eine pauschale Verurteilung der südamerikanischen Befreiungstheologie gewandt. Man müsse zwischen einer "falschen" und einer "richtigen" Theologe der Befreiung unterscheiden, sagte Müller in einem Interview mit dem "Osservatore Romano" (Donnerstag-Ausgabe). Eine "Vermischung von marxistischen selbsterlösungslehren und dem von Gott geschenkten Heil" sei zwar "grundsätzlich abzulehnen". Andererseits stelle sich jedoch die Frage, wie man angesichts des Leidens vieler Menschen, die nichts zu essen und zu trinken haben und deren Rechte von den Mächtigen missachtet würden, von Gottes Liebe und Barmherzigkeit sprechen könne, so Müller.

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Eine Glaubensverkündigung sei in überzeugender Weise nur möglich, wenn man die Armen "ohne Paternalismus von oben herab" als Geschwister in einer großen Familie Gottes betrachte, sagte Müller. Diese müsse dazu beitragen, solche menschenunwürdigen Verhältnisse zu ändern. Jede gute Theologie habe mit der "Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes" zu tun.

Zugleich bekräftigte Müller die Nichtzulassung von Frauen zum Diakonen- und Priesteramt. Es sei letztlich nicht die Kirche, die die Bedingungen für eine solche Zulassung vorgebe, sondern "der Wille und die Berufung Christi", so der Präfekt der Glaubenskongregation. Müller appellierte zudem, in der Debatte über diese Frage auf "Polemik und Ideologie" zu verzichten. Viele Äußerungen über die Zulassung von Frauen zum Weiheamt trügen nicht dem Umstand Rechnung, dass ein solches keine "weltliche Machtposition" darstelle, bemängelte der Erzbischof.

Mit Blick auf die lefebvrianische "Priesterbruderschaft Pius X." forderte Müller eine Anerkennung des gesamten kirchlichen Lehramts einschließlich des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Man könne sich nicht auf die Tradition der Kirche berufen, "und sie dann nur auszugsweise akzeptieren", so der frühere Regensburger Bischof. Der Weg der Kirche führe stets nach vorn, und jeder sei aufgerufen, "sich nicht in seinem eigenen selbstbezogenen Denken zu versteifen, sondern das volle Leben und den vollen Glauben der Kirche anzunehmen".

Müller bezeichnete Papst Benedikt XVI. als "väterlichen Freund". Der Papst sei ihm während seiner Tätigkeit als Professor und Bischof stets "Stütze und klare Orientierung" gewesen. "Ich würde ihn als einen väterlichen Freund bezeichnen, ist er doch eine Generation älter als ich", sagte der Präfekt der Glaubenskongregation.








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