
Moskau (kath.net/KNA) Der Fund von Plastikfässern mit rund 250 ungeborenen Kindern in einem Wald hat in Russland Empörung ausgelöst. Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., rief am Dienstag alle Gläubigen auf, für ein Ende von Abtreibungen zu beten. Der Umgang mit den Leichnamen ungeborener Menschen sei «barbarisch». Sie seien wie Müll behandelt worden.
Spaziergänger hatten die vier Fässer mit 248 toten Embryos am Sonntag in einem Graben im Ural entdeckt; die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Die Behörden schließen aus der Beschriftung, dass die in Formaldehyd konservierten Föten aus mindestens drei Kliniken im rund 100 Kilometer entfernten Jekaterinburg stammen. Diese beauftragen in der Regel Spezialfirmen, die Embryos zu beerdigen. Die Deckel der Fässer hatten sich vermutlich beim Abladen geöffnet. Ein Teil des Inhalts lag auf der Erde, wie russische Medien berichteten.
Russland hat eine der höchsten Abtreibungsraten weltweit. Die offiziell registrierte Zahl der Schwangerschaftsabbrüche liegt bei rund 1,2 Millionen pro Jahr. Nach Schätzungen russischer Wissenschaftler sind es mindestens doppelt so viele.
Abtreibungen sind in Russland bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt, bei Armut und anderen Gründen sogar bis zur 22. Woche. Zuletzt gab es politische Initiativen für eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes; bislang wurde jedoch nur die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche eingeschränkt. Seit 2011 müssen Kliniken und Arztpraxen auf mindestens zehn Prozent ihrer Werbefläche vor den Risiken von Abtreibungen warnen.
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