
München (kath.net/KNA) Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat die anhaltende Diskussion um die Beschneidung von Jungen als «unerträglich» bezeichnet. Der offene Brief von Beschneidungsgegnern an Bundesregierung und Bundestag diene nicht der postulierten Sachlichkeit, sondern werfe ein schlechtes Licht auf die Autoren, erklärte Knobloch am Dienstag in München.
37 namhafte Mediziner und Juristen hatten in dem Schreiben die Politik vor «vorschnellen Beschlüssen» gewarnt. Es herrsche «eine bemerkenswerte Verleugnungshaltung und Empathieverweigerung gegenüber den kleinen Jungen, denen durch die genitale Beschneidung erhebliches Leid zugefügt wird», hieß es. Knobloch bezeichnete den Vorwurf der «bemerkenswerten Verleugnungshaltung» als «objektiv falsch». Auch die Aussage, die Lösung des Konflikts könne nicht auf Grundlage von Angst und Zwang erfolgen, wies sie zurück. Dies suggeriere, die jüdische Gemeinschaft erzeuge in den Politikern «Angst und Zwang».
In Wahrheit seien es die Juden in Deutschland, die Angst haben müssten, in ihrer ohnedies nicht unbelasteten Heimat ihre Religion nicht mehr frei ausüben zu können, betonte Knobloch. «Wir könnten bald gezwungen sein, das Land zu verlassen, wenn wir unseren Glauben uneingeschränkt leben wollen.» An Ärzte und Juristen gewandt sagte die Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses: «Wir tun unseren Kindern nicht weh!»
Die in der Bibel festgeschriebene Beschneidung jüdischer Jungen am achten Tag ihres Lebens gehöre zum Wesen des Judentums, betonte Knobloch. Als elementarer Bestandteil der Religion sei sie weltweit anerkannt. Sie markiere den Eintritt in die jüdische Gemeinschaft und symbolisiere den Bund mit Gott. Das Gebot sei für die Juden bindend: «Alle Juden auf der Welt wissen das. Alle Länder auf der Welt respektieren das. Deutschland muss sich entscheiden, ob es jüdisches Leben in diesem Land noch haben will!"
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