
Eichstätt/Würzburg (kath.net/KNA) Der Missbrauchsprozess gegen einen Studenten der Religionspädagogik bringt die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) weiter unter Druck. In der Kritik stehen vor allem eine Dozentin und die Leitung der Fakultät für Religionspädagogik. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sprach am Freitag von einem «ungeheuerlichen Vorfall» und einem «massiven Verstoß» gegen die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz.
Der 30-jährige Student war vor einer Woche vom Landgericht Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Messdieners zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Mesner aus dem Landkreis Kitzingen hatte die Taten zwischen 2004 und 2005 gestanden. Sein Verteidiger hat inzwischen Revision angekündigt, damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
KU-Sprecher Constantin Schulte Strathaus sagte auf Anfrage, so lange bleibe der Student weiter beurlaubt. Erst dann sei eine Exmatrikulation möglich. Gegen die Dozentin würden weitere dienstrechtliche Schritte geprüft. Diese Woche war die Frau bereits von ihrer Aufgabe als Praxisbetreuerin für die Studenten der Religionspädagogik und der Kirchlichen Bildungsarbeit entbunden worden.
Die Wissenschaftlerin hatte an der Gerichtsverhandlung teilgenommen. Dabei wurde unter anderem ein Schreiben von ihr mit dem Briefkopf der Hochschule verlesen. Darin bescheinigte sie dem Angeklagten, auch im Falle einer Verurteilung mit einer Fortsetzung seines Studiums der Religionspädagogik rechnen zu können. Außerdem stellte sie dem Studenten ein weiteres Praktikum an einer Privatschule in Aussicht.
Schulte Strathaus betonte erneut, dass dies ohne Wissen der Universität und des Dekanats geschehen sei. Vielmehr habe der Dekan sowohl die Hochschulleitung als auch das Schulreferat des Bistums Eichstätt Mitte Dezember 2011 über die Ermittlungen gegen den Studenten informiert. Dies sei erfolgt, nachdem der Student den Dekan über die Ermittlungen in Kenntnis gesetzt habe. Außerdem prüft die Hochschule laut ihrem Sprecher nun generell die Zulassungsvoraussetzungen für Studenten sowie weitere Präventionsmaßnahmen im Rahmen der Studiengänge.
Der Eichstätter Bistumssprecher Martin Swientek sagte, seit vergangenem Dezember sei für seine Diözese klar gewesen, dass ein Einsatz als Schulpraktikant oder in der Jugendarbeit für den 30-Jährigen nicht in Frage komme. Dies sei auch der Uni klargemacht worden.
Am Montag hatte bereits der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand Unipräsident Richard Schenk in einem Brief zu einer Klärung aufgefordert. Die Dozentin habe sich «in einem Ausmaß für den Täter eingesetzt, das jede vernünftige Balance von Nähe und Distanz vermissen lässt», schrieb er. Ihr Verhalten sei geeignet, «das Bemühen der katholischen Kirche insgesamt um eine konsequente Aufarbeitung der Missbrauchsthematik in Misskredit zu bringen».
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