18 Juli 2012, 12:30
Der 'mediale Supergau': Konservative Bischöfe
 
Hildegard13
 
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Die Spannung steigt: im Vorarlberg, in Salzburg, später in Graz stehen Bischofsernennungen an. Seit Monaten spekulieren Medien über die kommenden Kandidaten, keiner weiß wirklich etwas - Ein Gastkommentar von Eduard Habsburg

St. Pölten (kath.net/habichtsburg)
Die Spannung steigt: im Vorarlberg, in Salzburg, später in Graz stehen Bischofsernennungen an. Seit Monaten spekulieren Medien über die kommenden Kandidaten, keiner weiß wirklich etwas, weil die Ernennungsvorgänge schwerer zu durchschauen sind als das Muster in einem Teller Spaghetti, und die Theorien blühen. Namen werden gehandelt, und nur eines ist als Dogma gewiß: das Schlimmste, die absolute Apokalypse wäre ein konservativer Bischof, oder gar zwei oder drei. Ängstlich berichtet man über Kandidaten, und man beobachtet genau, ob sie in Interviews "der Papst" oder "der Heilige Vater" sagen.

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Was meines Erachtens hinter diesen furchtbaren Ängsten steht, ist - neben unguten Erfahrungen der Vergangenheit - ein veraltetes Bischofsbild: das eines absolutistischen Herrschers, der, kaum an die Macht gekommen, mit einem irren Kichern alle Hebel umlegt und aus einer weltoffenen, modernen Diözese einen finsteren, reaktionären Ort macht, in dem geknechtete Rosenkranzschwingende Kreaturen ängstlich durch die Gassen schleichen. Abgesehen davon, dass die Etiketten "konservativ" oder "liberal" genau das sind: nämlich Abziehbilder, die einem Menschen nie angemessen sein können - san ma si mal ehrlich: ein Bischof ist ein armes Schwein. Er muss versuchen, in einer mächtigen Umbruchszeit, in der die bisherige "Volkskirche" immer mehr bedroht scheint, einen riesigen Apparat, ein großes Territorium zusammenzuhalten. Jede seiner Handlungen lässt ihre Erschütterungen bis in die hintersten Enden der Diözese spüren und löst sofort Reaktionen aus, Anrufe, SMSe, Emails, Gespräche. Machen wir uns nichts vor: Ein Bischof, selbst einer der gefürchteten „konservativen“, kann seine Diözese, zumal in der Umbruchzeit, in der wir leben, nur mit den Menschen, mit den Angestellten führen, die er hat - und nicht an ihnen vorbei. Schreckensvisionen sind also zumeist übertrieben.

Im Übrigen taugen die Namen, die bisher als "konservative" Kandidaten gehandelt wurden, nicht zum reaktionären Kinderschreck im Sinne eines rotbehandschuhten Piusbischofs. Die meisten leben in der Welt von heute, haben Pfarren geführt oder in Dekanatskonferenzen gesessen, sind auf Facebook und vielleicht sogar auf Twitter und wissen um die Zerbrechlichkeit der Kirche.

Keiner von ihnen wird mit eisernen Hand Ministrantinnen verbannen, Wortgottesdienste ersatzlos streichen und ein Regiment des Schreckens einführen. Nein, es ist so, dass alle diese armen Bischofs-Schweine, ob "konservativ" oder "liberal", nur ein Ziel haben: möglichst unter Gottes Führung, soweit man das als Mensch sagen kann, zu erraten, was die Kirche von morgen braucht, und in all dem Chaos des Bischofsalltags zu versuchen, behutsam die Weichen in diese Richtung zu stellen. Das ist schwer genug und elendes Stückwerk. Daher mein Appell: wenn sie denn ernannt sind, lassen wir die Etiketten in der Küchenschublade, versuchen wir, den Menschen in den Blick zu nehmen... Und geben wir ihnen eine Chance.

Denn, wie Reinhard Mey zu singen pflegte, sind wir alle lauter arme kleine Würstchen.

Eduard Habsburg ist Medienreferent von Bischof Klaus Küng.

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kathTube: Sex, Kirche, Gott und so ... Mit Eduard Habsburg, Raphael Bonelli ua.











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