
München (www.kath.net/ ps)
Reinhard Kardinal Marx hat beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising vor rund 500 Vertretern aus Kirche, Gesellschaft und Politik eine Initiative zum Jahr des Glaubens angekündigt, das der Heilige Vater am 11. Oktober in Rom eröffnen wird. „Das Jahr des Glaubens ist eine Einladung, den Glauben unter veränderten Bedingungen neu zu entdecken“, sagte Marx am Donnerstag, 12. Juli, im Kardinal-Wendel-Haus in München.
Der Erzbischof lud die Menschen zu sechs Glaubensgesprächen an verschiedenen Orten in der gesamten Erzdiözese ein. Er wolle mit ihnen etwa auf einem Berg, auf einem Schiff und in der Münchner Muffathalle gemeinsam der Frage nachgehen, wie man „auf dem Boden einer vielfältigen Gesellschaft den Glauben finden und leben kann“. Impuls für die Gespräche soll jeweils ein Abschnitt des Glaubensbekenntnisses sein. „Ich will nicht nur der Lehrer sein, der sagt, wo es langgeht, sondern auch den Austausch suchen und zuhören“, sagte der Kardinal.
Ausgangspunkt der diözesanen Initiative werde der Freisinger Domberg sein: „Am selben Tag, an dem der Heilige Vater in Rom das Jahr des Glaubens eröffnen wird, werden wir uns am Grab des Heiligen Korbinian zum Gottesdienst versammeln und von dort aus aufbrechen zum Glaubensweg.“ Die Initiative werde nach mehr als einem Jahr in ein Glaubensfest am Gedenktag des Diözesanpatrons Korbinian am 24. November 2013 einmünden.
Marx betonte, dass das Jahr des Glaubens auch im Zeichen des Konzilsjubiläums stehen werde. Ganz besonders erinnerte er in diesem Zusammenhang an den früheren Erzbischof von München und Freising, Kardinal Julius Döpfner, der einer „der wichtigen Vordenker und Begleiter des Zweiten Vatikanischen Konzils“ gewesen sei und dessen 100. Geburtstag am 26. August 2013 begangen werde.
Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken, Hans Tremmel, erklärte mit Blick auf die grundsätzlichen Aussagen des Konzils zum Verhältnis von Klerikern und Laien, dass in deren Gemeinsamkeit eine der Hauptstärken der Erzdiözese München und Freising liege. Allerdings rief er vor dem Hintergrund der Diskussionen über den künftigen Glaubensweg der Kirche in Deutschland und weltweit zu mehr Einheit auf: „Kirche ist bunt und vielfältig und hat doch in Christus eine einigende Mitte. Wenn wir das glaubwürdiger vermitteln könnten, statt als zerstrittener Haufen in Erscheinung zu treten, wären wir attraktiver.“ Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Pius-Bruderschaft warnte er aber vor einer „Einheit um jeden Preis“: „Leute, die zentrale Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen, sind nicht unsere Brüder im Geiste.“
Tremmel rief überdies dazu auf, „Europa wieder mehr vom Gedanken der Freiheit, der Vernunft, der Menschenwürde her zu denken und mit der positiven Kraft der christlichen Prinzipien zu inspirieren.“ Es sei falsch, Energie im Gegeneinander zu verschwenden: „Reduzieren wir Griechenland und seine Bevölkerung nicht auf die Finanzkrise. Seien wir vorsichtig mit Schuldzuweisungen.“ Es gelte, die Probleme gemeinsam anzugehen, damit nicht vor allem die Schwächsten unverhältnismäßig unter der Eurorettung zu leiden hätten. „Es geht letztlich nicht um den Euro, sondern um den konkreten Menschen. In seiner Würde ist die Idee Europas begründet“, so Tremmel.
Foto: © Erzbistum München
Tweet
Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben



Tippfehler melden
Druckversion


Anderswo...
Top Artikel der letzten 7 Tage

