
Berlin/Karlsruhe (kath.net/idea) Haben Homosexuelle künftig bessere Karrierechancen auf dem Arbeitsmarkt als Heterosexuelle mit Familie? Diese Frage hat ein Bericht der Berliner linksalternativen „tageszeitung“ (taz) aufgeworfen. Wie es in dem Beitrag mit dem Titel „Karriere mit Homo-Faktor“ heißt, entdecken immer mehr Unternehmen schwule und lesbische Mitarbeiter für sich. Das Thema Homosexualität sei in deutschen Vorstandsetagen angekommen. Viele Unternehmen beschäftigten sich mit der sexuellen Orientierung ihrer Mitarbeiter: „Die Commerzbank etwa unterstützt das schwul-lesbische Mitarbeiternetzwerk und organisiert für noch nicht geoutete Angestellte Workshops. Ähnliche Programme gibt es bei der Post, der Deutschen Bank, der Telekom und SAP.“
Schwul-lesbische Karrieremesse mit 70 Ausstellern
Dass dem Thema sexuelle Orientierung in der Arbeitswelt immer größere Bedeutung beigemessen werde, habe sich auch bei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk im Juni in Berlin gezeigt, bei der 70 Unternehmen vertreten waren; bei der ersten Messe vor drei Jahren zählte man nur acht. Ein Aussteller wird mit den Worten zitiert, schwule Mitarbeiter hätten viele Vorteile: „Sie nehmen natürlich schnell Trends auf, sind kreativ und können ihre Erfahrungen bei uns einbringen.“ Außerdem seien sie agil und kontaktfreudig und lockten auf diese Weise natürlich auch homosexuelle Kunden an. Und weiter heißt es: „Dass Schwule und Lesben außerdem noch häufiger als Heteros keine Kinder bekommen, ihre Energie also eher auf den Job als auf die Familie richten können, ist ein naheliegender Vorteil. Offen sagen will das kein Unternehmen.“
AEU: Nicht Homosexuelle werden gefördert, sondern die Besten
Die Evangelische Nachrichtenagentur idea befragte dazu den Geschäftsführer des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU), Stephan Klinghardt (Karlsruhe). Nach seiner Beobachtung gibt es in der Wirtschaft keine Bevorzugung Homosexueller bzw. Diskriminierung Heterosexueller: „Es geht nicht um Quoten oder eine besondere Förderung bestimmter Gruppen, sondern darum, dass Unternehmen versuchen, die besten Leute zu bekommen – und zwar ohne Rücksicht auf deren sexuelle oder religiöse Orientierung.“ Das Argument – Homosexuelle hätten den Vorteil, meist keine Kinder zu haben – möchte Klinghardt nicht gelten lassen. Gerade die Erfahrungen von Müttern seien in vielen Berufen unbezahlbar: „Mütter haben es gelernt, verschiedene Dinge gleichzeitig zu managen. Davon profitiert natürlich auch ein Unternehmen.“ Während Mitarbeiter früher in den meisten Unternehmen nach der Anzahl der Dienstjahre befördert wurden, zählten heute Leistung und Kompetenz. Das sei zu begrüßen, so Klinghardt. Der seit 1966 bestehende AEU versteht sich als Bindeglied zwischen Kirche und Wirtschaft. Vorsitzender ist Michael Freiherr Truchseß (Niederflorstadt bei Frankfurt am Main).
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