
Berlin (kath.net/idea) In Deutschland leben immer mehr Menschen allein – meist unfreiwillig. Im vergangenen Jahr waren es rund 15,9 Millionen und damit 4,5 Millionen mehr als 1991. Damit ist jeder fünfte Bürger ein Single. Diese Zahlen nannte das Statistische Bundesamt (Wiesbaden) am 11. Juli in Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse des Mikrozensus 2011 zur Situation Alleinlebender in Deutschland.
Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Die Evangelische Nachrichtenagentur idea fragte einen Experten: Siegbert Lehmpfuhl (Rangsdorf bei Berlin) vom Leitungsteam der christlichen Familieninitiative Team.F. Seine Antwort: „Dass es immer mehr Singles gibt, liegt unter anderem an der zunehmenden Bindungsangst, die Männer und Frauen gleichermaßen betrifft, sowie an der voranschreitenden Individualisierung der Gesellschaft.“ Der Mensch lege sich heute ungern für einen längeren Zeitraum auf einen Partner fest. Lehmpfuhl: „Sich auf Beziehungen einzulassen, macht auch Mühe.“ Team.F bietet angesichts des Trends zur Vereinzelung vermehrt Seminare an zur Vorbereitung auf die Ehe. „Die sind im Moment der Renner“, so Lehmpfuhl. Christlichen Gemeinden empfiehlt der Eheberater, verstärkt Gesprächsrunden anzubieten, in denen Menschen ermutigt werden, Beziehungen einzugehen.
Nur jeder zehnte Single lebt allein aus Überzeugung
Vom Alleinsein halten die Deutschen grundsätzlich wenig. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach lebt nur jeder zehnte Single aus Überzeugung ohne Partner. Besonders stark ist der Anteil alleinlebender Männer gestiegen: Zwischen 1991 und 2011 erhöhte sich diese Quote von 11 auf 19 Prozent. Vergleichsweise moderat wuchs dagegen der Anteil der Single-Frauen von 18 auf 21 Prozent. Sie sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes häufiger in Führungspositionen anzutreffen als Frauen mit Partner. Ältere Alleinlebende seien meist verwitwet – Frauen öfter als Männer.Im Vergleich der Bundesländer hat Berlin die höchste Quote an Singles (31 Prozent), Rheinland-Pfalz die niedrigste (16 Prozent).
Leichte Zunahme der Scheidungen – Fast 150.000 Kinder betroffen
Wie das Statistische Bundesamt am 11. Juli ferner mitteilte, hat die Zahl der Scheidungen im vergangenen Jahr leicht zugenommen. 187.600 Ehen gingen in die Brüche. Das waren 0,3 Prozent mehr als 2010. Von den geschiedenen Ehepaaren hatte fast die Hälfte Kinder unter 18 Jahren. Damit waren 148.200 Minderjährige betroffen. Die durchschnittliche Dauer einer Ehe bis zum Gang vor den Scheidungsrichter liegt bei 14,5 Jahren. Damit setzte sich der Trend der letzten Jahre fort, dass sich Paare erst nach einer längeren Ehedauer scheiden lassen. Während 1991 sieben von 1.000 Ehen mit Scheidung endeten, waren es im vergangenen Jahr elf.
Was Ehepaare beachten sollten
Damit es nicht zum Scheitern kommt, macht Eheberater Lehmpfuhl Paaren Mut, Verantwortung füreinander zu übernehmen und zu sagen: „Wir stehen zusammen.“ Gerade junge Paare sollten sich gemeinsame Ziele setzen sowie den Umgang mit Geld oder Zeit genau absprechen. Entscheidend sei eine gute Kommunikation, damit man nach einigen Jahren Ehe sagen könne: „Wir haben uns zusammen, anstatt auseinander gelebt.“ Paare sollten sich jeweils nach ein paar Jahren ehrlich fragen, wo sie in ihrer Beziehung stehen und wo sie nachbessern müssen, so Lehmpfuhl.
Zwei Drittel der Deutschen glauben an die Liebe fürs Leben
Trotz der Vielzahl der Scheidungen glauben zwei Drittel der Deutschen nach einer Umfrage des Institus für Demoskopie Allensbach an die Liebe fürs Leben. Jeder Dritte fühlt sich diesem Ideal sogar sehr nah und schätzt die eigene Partnerschaft als sehr glücklich ein. Jeder zweite der insgesamt rund 1.800 Befragten fühlt sich in der eigenen Beziehung wohl. Dennoch lastet auf vielen glücklichen Paaren laut dem Institut ein größerer Druck als früher. Jeder Vierte fragt sich, ob sich nicht noch ein besserer Partner finden ließe.
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