11 Juli 2012, 15:00
‚Satire’, Karikatur und Zynismus: der Anfang des Christentums
 
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Ein weiterer Untergang von ‚Titanic’ und die berechtigte Entrüstung über eine Geschmacklosigkeit und Beleidigung von rund 1,2 Milliarden Menschen: eigentlich nichts Neues. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Zuerst die berechtigte Aufregung über ein geschmackloses Titelblatt einer sogenannten Satirezeitschrift, dann die Reaktion des Vatikans, der sich endlich entschlossen hat, den Rechtsweg einzuschlagen, wenn es um Beleidigungen und Verletzungen der Persönlichkeitsrechte des Papstes geht, der auch ein Staatsoberhaupt ist: ein kleiner Schritt für Normalmenschen, ein großer Schritt für die Kurie und das Staatssekretariat, denkt man an noch wüstere und schlimmere Unterstellungen und Angriffe gegen den Papst, zu denen es im Jahr 2010 gekommen war. Damals wunderten sich viele über das beharrliche Schweigen kurialer Instanzen, wenn es um die Ehre und das Wirken Benedikts XVI. ging. Schwamm drüber: eine andere, eine bessere Zeit scheint angebrochen zu sein.

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Vieles könnte zum Satireverständnis einer Zeitschrift gesagt werden, die auf unterstem Niveau mit Photoshop spielt, um ein Coverblatt zustande zu bringen. Die Zeiten einer Satire wie der des „Simplizissimus“, der Berliner jüdischen Cabaret-Szene, der berühmten „Insulaner“ (wer könnte sie vergessen?) und eines Dieter Hildebrandt mit der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ scheinen endgültig vorbei zu sein. Schade, aber das ist ein Problem der deutschen Kulturszene mit ihrer klaffenden Leere, die sich allenortens breit macht.

Bei der einstweiligen Verfügung eines Hamburger Gerichts geht es um anderes: nicht um die Bewertung der Qualität einer Arbeit und deren soziokulturellen Hintergrund, sondern um die Verletzung elementarer Rechte einer Person. Die auch Papst ist. Der das wichtigste und angesehenste religiöse Oberhaupt der Welt ist. Der der oberste Hirte von 1,2 Milliarden Gläubigen ist. Die seine Autorität anerkennen. Die seinen „Vorsitz in der Liebe“ respektieren. Die ihn lieben. Zwischenfrage: wie reagiert ein Mann (eine Frau – welchen Alters auch immer), wenn seine Frau (oder ihr Mann), die er (den sie) liebt, öffentlich mit zusammengebauten Fotos verhöhnt, ins Lächerliche gezogen, verletzt wird....? In diesem Zusammenhang einfach nur von religiösen Gefühlen zu sprechen, ist gerade im Vergleich mit dem zitierten Paar vielleicht noch etwas zu wenig.

„Mein Königtum, mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagte da mal einer, als er vor dem Vertreter der höchsten Macht der Welt stand, der eigentlich keinen Grund fand, diesen übereifrigen Menschen zu verurteilen, der als „Prophet“ im alten Israel durchs Land zog. So ganz hatte der Statthalter des irdischen Reichs nämlich nicht verstanden, was der da eigentlich wollte. Vor allem aber hatte er nicht begriffen, was es mit diesem absoluten Wahrheitsanspruch auf sich haben sollte. War es denn nicht so, dass man gerade in und durch einen verbreiteten Relativismus am besten herrschen konnte? Und dann so was. Und noch nicht einmal eine Antwort geben auf die Frage: „Was ist Wahrheit?“ Irgendwie musste dies dem Statthalter der weltlichen Macht merkwürdig, vielleicht sogar lächerlich erscheinen. Ein komisches Gefühl hinterließ es allemal.

Und so kam es, dass das Christentum sichtbar mit einem ans Kreuz genagelten Holzschild begann: INRI stand da drauf, der „König der Juden“. Mit diesen Worten wurde das Folterwerkzeug für jenen "König" gezeichnet. Kaum eine größere „Satire“, kaum eine größere „Karikatur“ ist denkbar: geschundenes, blutendes Fleisch, gemartert und getötet in der größten Schande – ein „König“ soll das sein?? Aber nicht nur das Fleisch ist Opfer der „Satire“, auch der Geist des tatsächlichen Anspruchs jenes Menschen, der Gottes Sohn und Gott ist: er, der wahrhaft Niedrige und Demütige, der Gottesknecht, der allein seinem Vater ergeben ist, der die Tore des Reiches des Vaters aufstößt – Jesus von Nazareth – der Zimmermann – der Sohn des Josef – er, der die Menschen lehren will zu beten: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der deine“ – dieser am Kreuz bis zum Tode geschundene Mensch soll „König der Juden“ sein? Verdrehter geht es nicht mehr, das muss „Satire“ sein. Grausame, zynische Satire.

Doch die Geschichte hat den Christen gezeigt, wie sie mit dieser Karikatur umgehen sollen. Sie sollen das Wort des Christkönigs, der nichts mit einem König der Welt zu tun hat, kompromisslos verkündigen. Der wohl ironisch-traurige Blick des Statthalters der weltlichen Macht muss sie dazu führen, ihren Wahrheitsanspruch, dem ein Wahrhaftigkeitsanspruch im Handeln folgt, überzeugt zu vertreten: philosophisch, in der Katechese, in der Seelsorge der Hirten. Sucht der Statthalter (oder seine Nachfahren von heute) einen „Dialog“, der strukturell und akademisch Leben ersticken will und zu einem immer gleichen Monolog wird, so ist dem das Zeugnis für die Wahrheit entgegenzusetzen.

Das Christentum ist an sich ein „Skandal“. Es erschüttert jede konstruierte und vermeintliche Sicherheit. Der Skandal provoziert „Satire“ und kalten Zynismus, die letztlich nur ein Schutzwall sind, um sich nicht mit der eigenen Kleinheit und Beschränktheit konfrontieren zu müssen.

Einer hat sich hingegeben, um auch diesen Schutzwall zu brechen und alle retten zu können.

Beschwerdemöglichkeit beim PRESSERAT: http://www.presserat.info







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