09 Juli 2012, 12:00
Schönborn: Das Wort 'Ungehorsam' wurde für die Medien benutzt
 
Hildegard13
 
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Die Pfarrer-Initiative mit ihrem Ungehorsamsaufruf sei nicht zuletzt ein Medienproblem: Das Wort „Ungehorsam“ sei benutzt worden, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Medien wiederum hätten eine lange Geschichte auf Überschriften reduziert.

Wien (kath.net/pl) Die Pfarrer-Initiative habe das Wort „Ungehorsam“ wegen der Medien benutzt, um Aufmerksamkeit zu erzielen. „Dies wurde von vielen von uns als ein unfairer Vorgang schwer kritisiert.“ Dies sagte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn dem US-amerikanischen „Our Sunday Visitor“, einem katholischen Wochenmagazin, am Rand einer Tagung in Gaming im Interview. Die Pfarrer-Initiative sei „eine lange Geschichte“, doch „wie immer reduzieren die Medien die lange Geschichte auf Überschriften“.

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Es sei deshalb wichtig, „über die Fragen diskutieren, welche hinter der Kontroverse stehen“, erläuterte der Kardinal über die Themen der Pfarrer-Initiative. „Manche sollten leicht zu beantworten sein“, beispielsweise gebe es „eine klare Lehre der Kirche über Frauenordination“, andere müsse man „in einem weiteren Kontext sehen“, dies gelte etwa für die Laienpredigt. „Es ist für Laien gut, zu predigen, aber eher durch das, was sie leben, arbeiten und tun. Jeder Getaufte sollte ein Bote sein.“

Die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen nannte der Kardinal „eine brennende Frage“, weil sie so viele betreffe. Allerdings verstehe er nicht, warum sich dabei alles um den Punkt drehe, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen können oder nicht. „Da gibt es so viele andere wichtige Fragen“, zum Beispiel, „was geschieht mit den Kindern derer, die wiederverheiratete Geschiedene sind? Was geschieht mit jenen Ehepartnern, welche verlassen worden sind? Was sind die psychologischen Folgen, wenn man ein Versprechen gegeben hat und es nicht einhält?“ Doch in diesem großen Fragebereich fokussiere sich diese Priestergruppe ausschließlich auf die Fragen des Kommunionempfangs. Eigentlich sollte sich aber „jeder von uns“ fragen, ob er die richtige Disposition für den Kommunionempfang habe oder ob er sich des Kommunionempfangs bis zur nächsten Beichte enthalten sollte. „Viele Fragen“ dieser Initiative verdienten ehrliche Diskussion, „aber nicht unter der Überschrift ‚Ungehorsam‘“, sondern unter der Überschrift „Pastorale Sorge“.

Die Erlaubnis, dass in der Pfarre Stützenhofen ein junger Mann, der in eingetragener homosexueller Partnerschaft lebe, Pfarrgemeinderatsmitglied werden dürfe, sei nur ein lokal begrenzter Fall, es wäre nicht nötig gewesen, dies öffentlich zu diskutieren, obendrein könne man „die konkreten Details“ nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten. „Wenn ich eine pastorale Entscheidung in einem ganz konkreten Fall treffe, dann sollten die Menschen vertrauen, dass diese Entscheidung nicht einen Wandel in meiner Verpflichtung der katholischen Lehre gegenüber beinhaltet“, formuliere Kardinal Schönborn. Es sei eben eine Tatsache, dass „wir manchmal mit objektiv ungeordneten Situationen leben müssen, doch tun wir dies in der Hoffnung, dass die Menschen auf dem Glaubensweg sind“. In diesem konkreten Fall „habe ich Sicherheit, dass der junge Mann auf dem Weg des christlichen Lebens ist und dass er sein Leben immer mehr Gottes Plan entsprechend“ forme. „Ich war ihm gegenüber über die kirchliche Lehre klar gewesen“, doch man müsse Geduld haben.

Das größte Hindernis für die Neuevangelisierung Europas seien möglicherweise „wir selbst“, so der Wiener Erzbischof, deshalb „müssen wir unser unbekehrtes Herz überwinden und unsere Angst, für das Evangelium zu leiden“.

Hinweis der Redaktion: Alle Schönborn-Zitate sind Rückübersetzungen aus dem amerikanischen Englisch






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