
Illschwang (kath.net) B - 14. Sonntag im Jahreskreis, 1.Ls.: Ez 1,28b - 2,5; Zweite Lesung: 2 Kor 12, 7-10. Ev. Mk 6,1b-6
Man muß sich einmal emotional in die Lage Jesu hineindenken: er kommt mit seinen Jüngern in seine Heimatstadt und lehrt am Sabbat in der Synagoge; viele Menschen staunten und sagten: "Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria... und sie nahmen Anstoß und lehnten ihn ab" (Mk 6,1-3).
Man spürt die Verärgerung Jesu; in seinem Unmut sagt Jesus: "Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie" (Mk 6, 4). Ergeht es nicht vielen Menschen so, dass sie in der eigenen "Heimat" verkannt werden? Das Urteil der "Heimat" wird dem einzelnen Menschen oft nicht gerecht. Oft kommt Neid und Eifersucht auf und "sie nehmen Anstoß und lehnen ihn ab" (Mk 6,3). Neid steigt auf, sie können es nicht fassen, wie dieser unscheinbare Jesus nun solche Weisheit hat. Der Neid verhärtet die Herzen und macht die Menschen blind; leider ist der Neid aber auch die aufrichtigste Form der Anerkennung.
Wie die Mitbürger Jesu in ihrem Urteil über Jesus blind wurden und sogar Jesus in blinder Wut vom Abhang des Berges hinabstürzten wollten, erzählt uns der Evangelist Lukas: "Und er (Jesus) setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg" (Lk 4, 24-30). Nicht wenige Zeitgenossen würden die harten Worte Jesu heute auch ablehnen und sind der Meinung, man hätte diese Lage auch "diplomatischer" aussagen können. Wenn heute ein Politiker oder Mann der Kirche eine Lage klar ausdrückt, wird er auch "hinabgestürzt" und verschwindet im Untergrund oft mit Hilfe der Presse.
Schauen wir nun auf welchem Hintergrund die heutige erste Lesung aus der hl. Schrift das Tun Jesu sieht: "Menschensohn, ich sende dich zu den abtrünnigen Söhnen Israels, die sich gegen mich aufgelehnt haben. Sie und ihre Väter sind immer wieder von mir abgefallen bis zum heutigen Tag. Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen. Zu ihnen sende ich dich. Du sollst zu ihnen sagen: So spricht der Gott der Herr. Ob sie dann hören oder nicht - denn sie sind ein widerspenstiges Volk -, sie werden erkennen müssen, daß mitten unter ihnen ein Prophet war" (Ez 1, 28 b - 2,5).
Jeder Christ muß sich immer wieder fragen: Habe ich Gott gegenüber "ein trotziges Gesicht, ein hartes Herz" (Ez 2, 4)? Wenn wir zu Gott hintreten, aber auch einem Menschen gegenüberstehen, muß sich unser "trotziges Gesicht" und unser "hartes Herz" (Ez 2, 4) wandeln, unsere Grundeinstellung muß sich ändern. So beten wir im Gabengebet: "Herr, zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer. Es befreie uns vom Bösen und helfe uns, Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen, das wir von dir empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn". Unsere Aufgabe ist es, dass wir mit dem Bösen brechen, das Böse aus unserem Inneren herausbrechen: dem "trotzigen Gesicht" durch Milde und Bereitschaft zur Versöhnung wieder Strahlkraft geben, das "harte Herz" (Ez 2, 4) aufweichen durch Barmherzigkeit: ein Herz haben für Andere. Durch das Opfer Christi werden wir fähig: "Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen", wie es uns Christus vorgelebt hat: "Tag für Tag". Der ständige Blick auf Gott in unserem Alltag ist unerläßlich. So sollen wir das Gebet des heutigen Antwortpsalmes (Ps 123 (122), 1-2.3-4) in unserem Alltag beten: "Unsre Augen schauen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig ist. Ich erhebe meine Augen zu dir, der du hoch im Himmel thronst. Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig ist".
Jesus hat bis zu seinem öffentlichen Auftreten das Leben eines ganz normalen Menschen gelebt: ohne großes Aufsehen. So sagen die Leute: "Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria " (Mk 6, 3).
Diese Aussage im heutigen Evangelium ist abwertend gemeint. Für Christus und für uns alle, ist diese Aussage eine Würdigung des einfachen Lebens im Alltag.
Möchte Jesus uns nicht sagen: Lebe so, wie ich in meinen jungen Jahren? Tu' still und leise das, was der gewöhnliche Alltag fordert, ohne großes Aufheben! Jesus verbrachte die längste Zeit seines Lebens unscheinbar in dem kleinen Ort Nazareth. Damit hat Jesus, der Sohn Gottes, das einfache Leben vieler Menschen geadelt: der vielen Berufstätigen, die täglich die Arbeit verrichten, der Mütter, die täglich für die Familie sorgen, der Jugendlichen, die in der Ausbildung stehen, ja aller Menschen, sie still und leise ihren Alltag meistern. Wenn Gott einmal dieses einfache Leben krönt, werden die Menschen auch sagen: "Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria " (Mk 6, 3).
Entscheidend ist nicht, was die Menschen denken oder wie sie urteilen. Entscheidend ist, was Gott über einen Menschen denkt, wie er einen Menschen beurteilt. Durch diese Sicht erfährt das Leben eines Menschen eine grundlegende Wandlung. Er lebt vor dem Angesicht Gottes, wie sein Sohn 30 Jahre so gelebt hat, wie jeder von uns lebt. 90 % seines Lebens hat Jesus ein ganz einfaches Leben gelebt. Er hat uns durch sein Beispiel eindringlich vorgelebt, wie wir unser Leben im Alltag leben sollen.
Wer sein Augenmerk auf seinen Alltag lenken will, was wohl auch 90 % unseres Lebens ausmacht, für den gibt es eine Hilfe: die "gute Meinung". Immer wieder sollen wir die "gute Meinung" erneuern bis unser ganzes Sinnen und Handeln auf Gott ausgerichtet ist und wir unser Leben vor dem Angesicht Gottes leben, wie es Jesus getan hat. Unser Leben erhält plötzlich eine Glanz durch das Bewußtsein: ich lebe vor Gottes Angesicht, vor Gott meinem Vater. Lassen sie Gott, lassen sie Ihren göttlichen Vater in Ihr menschliches Leben. Er wirkt in Ihnen und gibt Ihnen im rechten Augenblick seinen heiligen Geist und stärkt sie.
Nur wenn wir im Alltag allein die Ehre Gottes im Sinn haben, kommen wir zum Glauben, unser Leben ist offen vor Gott: "Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?" (Joh 5,44). Mir war dieser Satz so wichtig, dass ich mir diesen Satz in meiner Gymnasialzeit sogar in der griechischen Ursprache immer vor mir hatte.
Wenn wir unser innerstes Streben auf Gott ausrichten, dann bekommen ein vor den Menschen erscheinender Ruin, aber auch die sogenannte Ehre, die Hochschätzung vor den Menschen, einen Stellenwert, der nach dem Komma kommt, sodass "nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20), er lebt mit mir den Alltag, wie er 30 Jahre den Alltag gelebt hat.
Die Beurteilung des Alltages liegt in den Händen Gottes. Die Taten des Menschen können in gute Handlungen, zum Beispiel den Mitmenschen helfen; in schlechte Handlungen, zum Beispiel stehlen, betrügen und in sogenannte indifferente Handlungen, die weder gut noch schlecht sind, zum Beispiel essen, schlafen, Spazierengehen, eingeteilt werden. Diese Einteilung ist aber nur äußerlich und gleichzeitig problematisch. Es kann ein Werk äußerlich gut erscheinen, in Wirklichkeit aber doch schlecht sein, zum Beispiel wenn einer Almosen gibt allein mit der Absicht, von den Menschen als großer Wohltäter geehrt und gefeiert zu werden. Jesus sagt: "Sie haben ihren Lohn bereits erhalten" (Mt 6,2; 5,6). Das nach außen scheinbar gute Werk wird durch die schlechte Absicht schlecht. Oder ein anderes Beispiel: Ich gehe mit einem Freunde spazieren in der Absicht, ihm dadurch eine Freude zu bereiten. Das nach außen scheinbar indifferente Werk des Spazierganges wird durch die gute Absicht tatsächlich ein gutes Werk. Ein an sich schlechtes Werk wird allerdings auch durch die beste Absicht nicht gut. Ich darf nicht stehlen, um Armen damit zu helfen.
Wir sehen, daß die Absicht den Wert der menschlichen Handlungen bestimmt. Und hier ist auch der Ansatzpunkt, um die im christlichen Leben so viel genannte und wichtige gute Meinung zu umschreiben.
Die gute Meinung ist die Eins vor den Nullen. Durch die gute Meinung wird unseren Handlungen das Ewigkeitssiegel aufgedrückt.
Sie besteht darin, daß wir unseren Handlungen eine gute Absicht zugrunde legen, daß wir handeln im Blick auf Gott, nach dem Willen Gottes oder nach dem Wohlgefallen Gottes und damit auch der Menschen. Wenn man also von der guten Meinung spricht, so meint man damit ein Handeln, ein Tun des Menschen aus Liebe und zur Ehre Gottes, wie es in einem Wort des hl. Paulus zum Ausdruck kommt: "Was immer ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus Christus und dankt durch ihn Gott dem Vater" (Kol 3, 17).
Die gute Meinung ist das beste Mittel, um unseren höchsten Lebenszweck zu erfüllen. Ohne gute Meinung gleichen die Menschen den sogenannten Danaiden, die Wasser in durchlöcherte Fässer schöpften. Es war viel Arbeit, und es war sinnlose Arbeit. Viele Menschen arbeiten ihr ganzes Leben lang, mühen und quälen sich. Kommen sie dann vor den Richterstuhl, stehen sie mit leeren Händen da. Die gute Meinung ist ein Schlüssel für unser Tun.
Die heutige Werbebranche impft den Menschen ein, dass sie durch Events, durch einen Urlaub am Meer oder Skifahren in den Bergen, usw., ihr Leben verschönern und lebbar machen. Vielleicht wäre es besser, den Augenmerk auf den Alltag zu legen, der den Großteil unseres Lebens ausmacht. Dabei dürfen wir uns nicht auf unsere "Fähigkeiten" verlassen, sondern wie wir in der zweiten Lesung hören von Paulus: "Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt" (2 Kor 12, 7-10). Nur in dieser demütigen, vertrauensvollen Gesinnung können wir zu Jesus Christus kommen. Wenn "nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir lebt " (Gal 2,20), dann machen wir "Tag für Tag das neue Leben sichtbar, das wir empfangen" haben.
www.pater-bernhard.de
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