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10.000 Euro - Als Dank gab es die übliche Kirchenkritik

3. Juli 2012 in Deutschland, 49 Lesermeinungen
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Eklat bei Übergabe des Fritz-Gerlich-Preises im Erzbistum München. Preisträger bedankte sich für 10.000 Euro mit massiver Kirchenkritik. Erzbistum München nimmt Stellung.


München (kath.net)
"Um Ausgrenzung entgegenzutreten, muss sie benannt werden, auch wenn es gegebenenfalls den feierlichen Ablauf einer Preisverleihung stören mag. Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender stellt meiner Ansicht nach eine massive Ausgrenzung der Menschen dar, die nicht nur innerhalb der Kirche wirkt, sondern auch außerhalb der Kirche bestehende Vorurteile unterstützt und Ausgrenzung bewirkt und legitimiert.“ Mit diesem Eklat-Satz bedankte sich vor einigen Tagen der erste Preisträger des katholischen Fritz-Gerlich-Preises, der Berliner Filmemacher Philip Scheffner. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis nahm der Preisträger zwar entgegen, doch äußerte er sich gleichzeitig darüber, dass die Vorstellung, einen katholischen Filmpreis entgegenzunehmen, bei ihm „zwiespältige Gefühle“ ausgelöst habe. Die Veranstaltung fand im Kardinal-Wendel-Haus im Rahmen des Münchner Filmfestes statt.


KATH.NET hat aufgrund des Vorfalls das Erzbistum München um eine Stellungnahme gebeten. Bernhard Kellner, der Pressesprecher, erklärte gegenüber KATH.NET, dass der Berliner Filmemacher Philip Scheffner mit einem von der Tellux-Beteiligungsgesellschaft gestifteten Preis im Rahmen des Münchner Filmfestes für seinen Dokumentarstreifen „Revision“ ausgezeichnet wurde und dass sich Scheffner in dem Film mit dem Schicksal zweier Sinti und Roma aus Rumänien auseinandersetzt, die vor 20 Jahren im deutsch-polnischen Grenzgebiet erschossen wurden. Scheffner rollt dabei den angeblichen Jagdunfall anhand von Zeugenaussagen und Interviews mit Hinterbliebenen der Opfer neu auf.

Der Preis erinnert laut Kellner an den Münchener Publizisten Fritz Gerlich, der am 9. März 1933 verhaftet und in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1934 im KZ Dachau ermordet wurde. Gerlich habe als katholischer Christ aus Gewissensgründen schon früh mit beispielhaftem Mut die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten angeprangert und wurde nach deren Machtergreifung als einer der ersten Angehörigen des intellektuell und religiös geprägten Widerstands im KZ Dachau ermordet. Er war Chefredakteur der „Münchner Neueste Nachrichten“ (MNN) und später Herausgeber der Zeitschrift „Der gerade Weg“, erklärt Kellner weiter.

"Mit dem Preis soll laut Statut ein Filmschaffender ausgezeichnet werden, der sich wie Gerlich entschlossen und unbeirrbar für die Menschenwürde einsetzt und damit konsequent gegen Verfolgung, Ausgrenzung und Erniedrigung eintritt. Mit dem Preis ist kein Schweigegeld ausbezahlt worden; überdies ist nicht die Meinungsäußerung Scheffners bei der Feier prämiert worden, sondern dessen Film. Und was Ihre Sorge um die kirchliche Lehre angeht, so sollten wir in einer pluralistischen, demokratischen Öffentlichkeit doch vor Diskussion und Reflexion keine Angst haben, oder? Wie Scheffner tritt im Übrigen auch die katholische Kirche gegen die Ausgrenzung von Menschen ein", so Bernhard Kellner abschließend.

Foto Kardinal Marx, Preisträger Philip Scheffner (Mitte) und Tellux-Geschäftsführer Martin Choroba: © Sankt Michaelsbund


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