
München (kath.net/pl) „Kaum eine Rede des heiligen Vaters hat soviel Aufregung verursacht wie die Rede zum Abschluss seines Besuches in Deutschland im letzten Jahr im Konzerthaus in Freiburg.“ Darauf wies Reinhard Kardinal Marx (Foto), Erzbischof von München, in seiner Predigt anlässlich des Gedenktages des heiligen Josefmaria in der vollbesetzen Münchner Theatinerkirche hin. Manche hätten dabei den Eindruck gewonnen, der Papst würde „die Christen einladen, aus der Welt zu fliehen, sich zu entfernen, eine eigene Welt aufzubauen, herausgelöst aus dem, was die Menschen in unserer Zeit betrifft und bewegt. Davon kann natürlich überhaupt keine Rede sein“, betonte der Kardinal in freier Predigt vor Mitgliedern und Freunden des Opus Dei. „Wenn man dem Duktus der Konzerthausrede folge, spüre man vielmehr, „dass der Heilige Vater im Gegenteil die Beziehung zur Welt radikalisiert, wie sie schon im Evangelium radikalisiert wurde“.
„Der eigentliche Auftrag der Kirche ist, mitzuhelfen, damit die Welt verwandelt wird“, sagte der Münchner Erzbischof, dies sei eine viel grundsätzlichere „Beeinflussung der Welt“ als nur „durch diese oder jene politische oder pastorale Aktion“. Die „consecratio mundi“, die „Verwandlung der Welt“, geschehe, wenn die Welt „von der neuen Welt, die in Christus angebrochen ist, umgedreht wird“. Damit werde „die eigentliche Zielrichtung der Welt entdeckt“, dass indem die Welt „von außen her, von Jesus her, auf ihren Weg gebracht wird, verwandelt wird, geweiht wird, kann sie das sein, was von Gott her die Schöpfung, die Welt, eigentlich bedeuten soll“.
Die Spiritualität des Opus Dei habe, führte der Kardinal aus, „die Wege schon bereitet für das, was dann im II. Vatikanischen Konzil noch einmal unterstrichen wurde: Dass ALLE Christen berufen sind, am Priesteramt, am Königsamt, am Prophetenamt Christi teilzuhaben“. Doch in dieser Teilhabe seien die Laien nicht „Minipriester“, sie seien nicht einfach „verlängerter Arm im Sinne einer vordergründigen Ehrenamtlichkeit“, die man als Ehrenamtliche einsetze, „wo keine Priester mehr da sind“. Sondern „als Getaufte, als Gefirmte“ sollen die Laien Zeugnis ablegen „in ihrer Arbeitswelt, in ihrer Familie“. Das Zweite Vatikanische Konzil habe deutlich gemacht, dass „das besondere Priestertum, das von Christus her eingesetzt“ ist, „dazu da ist, dass ALLE ihre Berufung finden“. Das besondere Priestertum nannte Marx „das Priestertum des Dienstes, der representatio Christi“ und helfe, dass alle Brüdern und Schwestern „ihre Berufung zur Heiligkeit leben können“. Im „Miteinander von besonderem und allgemeinem Priestertum“ gehe es „nicht um ein Gegeneinander“ oder um „ein hierarchisches Übereinander, um eine Klassengesellschaft“. Sondern es gehe darum, „wirklich den Dienst aufzunehmen, zu dem wir gerufen sind, dem wir gar nicht ausweichen können. Wenn ich ein gläubiger Christ bin, dann kann ich ja meinem Ruf nicht ausweichen, ich würde ja mein Glück verfehlen, meinen Weg verfehlen, ich würde ja zunichte werden am Ziel meines Lebens.“
Foto Reinhard Kardinal Marx: (c) Erzbistum München
Kardinal Reinhard Marx im Gespräch mit kath.net-Redakteurin Petra Lorleberg
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