27 Juni 2012, 07:40
Schönborn: Österreich soll Vorbild im Dialog mit Muslimen sein
 
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Wiener Erzbischof gratuliert "muslimischen Schwestern und Brüdern" zum Jubiläum 100 Jahre Islamgesetz in Österreich - Gesetz und auch Konzilstexte bilden gute Grundlage für konstruktives Miteinander

Wien (kath.net/KAP) Österreich soll Vorbild in Europa in Bezug auf christlich-muslimische Verständigung sein. Diesen Wunsch hat Kardinal Christoph Schönborn mit dem Verweis auf das Leitwort von Europa "In Vielfalt geeint!" geäußert. Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür seien mit dem vor 100 Jahren verabschiedeten Islamgesetz gegeben, so der Wiener Erzbischof in Gratulationsworten anlässlich dieses Jubiläums an die Muslime in Österreich. Er verwies auf viele Organisationen und Einzelpersonen, die um ein konstruktives Miteinander bemüht seien. "Christen und Muslime inspirieren sich gegenseitig und geben einander Hoffnung."

Als Positivbeispiele nannte Schönborn eine Reise junger Muslime und Christen anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums nach Bosnien, miteinander Fußball spielende Imame und Priester sowie muslimische Familien, die Christen zum Essen im Fastenmonat Ramadan einladen. Kardinal Schönborn wörtlich an seine muslimischen Adressaten: "Diese Initiativen geben Hoffnung, Gott sei Dank! Oder wie Sie sagen würden: El ham du li llah!"

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Schönborn hatte seine Glück- und Segenswünsche mit der klassischen Formel "Bismillah er-Rahman er-Rahim" (Im Namen Gottes, des Allerbarmenden, des Allbarmherzigen) begonnen. Er erinnerte an die Überzeugung Papst Benedikts XVI., das Miteinander von Christen und Muslimen sei "eine Überlebensfrage der Menschheit". Von Muhammed sei das Wort überliefert: "Der beste Mensch ist derjenige, der dem Anderen hilft!" Und Jesus Christus habe aufgetragen: "Liebt einander und verzeiht!" Der Kardinal dazu: "Es gibt genug gute Worte, lasst sie uns gemeinsam in die Tat umsetzen!"

Zum Islamgesetz in Österreich sagte Schönborn, dass durch die Soldaten aus Bosnien der islamische Glaube im Kaiserreich Österreich-Ungarn zu einer anerkannten Tatsache wurde, sei keine Selbstverständlichkeit gewesen. In den aufkommenden Nationalismen zu Anfang des 20. Jahrhunderts und im Vorfeld des Ersten Weltkrieges habe es sich geradezu um einen erstaunlichen Gesetzesakt der Doppelmonarchie gehandelt. "Durch diese Fügung der Geschichte" habe 1978 die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) Gestalt gewinnen können. Sie sei mittlerweile "zu einer festen österreichischen Institution geworden", und auch für die katholische Kirche sei sie eine "verlässliche Ansprechpartnerin".

Konzil betonte "Hochachtung" für Muslime

50 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils erinnerte Kardinal Schönborn auch an die dort verabschiedeten Dokumente, die auch das Verhältnis der Religionen betrafen. Er erwähnte als wesentliche Aussagen des Konzilsdokuments über die Religionsfreiheit das Recht jedes Menschen auf religiöse Freiheit - "niemand darf in religiösen Dingen gezwungen werden gegen sein Gewissen zu handeln" - sowie das Recht, seinen Glauben öffentlich und in Gemeinschaft zu leben. Darum habe jede religiöse Gemeinschaft auch das Recht auf entsprechende "ordentliche Gebäude", so Schönborn.

Der Weg zur Anerkennung der Religionsfreiheit "war in der Kirche ein langer Weg", erklärte der Wiener Erzbischof. "Obwohl wir doch das Wort Gottes vorliegen haben, bleibt uns die tägliche Aufgabe nicht erspart, dieses Wort zu interpretieren." Auch der Islam stehe vor dieser Aufgabe "und ist schon mitten drin".

Schönborn wies auf das Dokument über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen als zweiten in diesem Kontext maßgeblichen Konzilstext. "Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten", heiße es dort wörtlich. Festgehalten wird weiters, dass im Islam Jesus zwar nicht als Gott, jedoch als Prophet verehrt werde, sowie die "sittliche Lebenshaltung" im Islam, die sich in Gebet, Almosen und Fasten äußere. Die Konzilsväter hätten freilich auch nüchtern festgestellt, dass es im Lauf der Jahrhunderte "zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam".

Dies solle Mahnung sein, "das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen".

Gemeinsames Bemühen um friedliches Europa

Kardinal Schönborn verband seine Bezugname auf das Konzil mit dem Appell, Europa als "Friedensprojekt" zu sehen. "Nach einem Jahrhundert des Wahnsinns" möge Europa den "Weg der Zivilisation, des Fortschritts und des Wohlstandes aller seiner Bewohner" beschreiten, zitierte der Erzbischof aus der Präambel der Verfassung für Europa. Christen und Muslime sollten gemeinsam dazu beitragen, dass Europa ein Kontinent sei, "der offen ist für Kultur, Wissen und sozialen Fortschritt".

"Als Erzbischof von Wien wünsche ich Ihnen von Herzen Gottes reichen Segen. Möge sein Segen alle erfüllen, die Frieden bringen und Gerechtigkeit und Heilung", schloss Schönborn seine Worte an die Muslime in Österreich.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich

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