
Vatikanstadt (kath.net/KNA) Der Vatikan hat eine deutlichere Trennung der Zuständigkeiten von Priestern und Laien in der katholischen Kirche angemahnt. Häufig würden die Grenzen zwischen beiden Bereichen verwischt, weil Laien nach priesterlichen Aufgaben strebten oder Priester in wachsendem Umfang weltliche Verpflichtungen wahrnähmen, sagte der Präfekt der vatikanischen Bildungskongregation, Kardinal Zenon Grocholewski, am Montag im Vatikan. Eine solche Vermengung der Aufgaben sei eine maßgebliche Ursache für die rückläufige Zahl von Priesteramtskandidaten in Europa. Sie habe eine «Krise der priesterlichen Identität» ausgelöst, so der aus Polen stammende Kardinal.
Grocholewski äußerte sich bei der Vorstellung neuer Leitlinien zur Förderung von Berufungen zum Priesteramt im Vatikan. Darin werden angesichts des Priestermangels in Teilen der Weltkirche verstärkte Anstrengungen zur Gewinnung neuer Geistlicher gefordert. Das 30 Seiten starke Dokument spricht von einem «besorgniserregenden Rückgang» der Berufungen zum Priesteramt in Europa und den USA.
Grocholewski betonte einen «wesensmäßigen» Unterschied zwischen Priestern und Laien. Die Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), dass alle Gläubigen eine Berufung hätten, bedeute keineswegs, dass das Amtspriestertum nur eine Berufung unter anderen sei. Allerdings folge daraus auch nicht, dass Priester höhergestellt oder heiliger seien als Laien, so der für die Priesterausbildung der Weltkirche zuständige Kardinal. Priester und Laien hätten jedoch eine jeweils eigene Mission innerhalb der Kirche.
Nach den von der Bildungskongregation am Montag vorgelegten statistischen Angaben nahm die Zahl der Priesteramtskandidaten in in den vergangenen zehn Jahren in Europa um mehr als 20 Prozent ab, wohingegen Afrika und Asien einen deutlichen Zuwachs angehender Geistlicher verzeichneten. Im Jahr 2000 gab es in Europa insgesamt 26.879 Priesteramtskandidaten, 2010 waren es 20.564. In Afrika stieg ihre Zahl im gleichen Zeitraum von 20.383 auf 26.924, in Asien von 25.174 auf 33.282. In Amerika blieb die Zahl der Priesteramtskandidaten in diesem Zeitraum in etwa konstant und lag zuletzt bei rund 36.500. In Ozeanien wuchs sie leicht an, von 923 im Jahr 2000 auf 1.060. Im Nahen Osten gab es 2010 mit 689 Priesteramtskandidaten 143 weniger als zehn Jahre zuvor. Die Daten der Bildungskongregation stammen aus dem statistischen Jahrbuch der katholischen Kirche.
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