
Bad Ischl (kath.net/jg)
Seit 2010 werden in der römisch-katholischen Pfarre Bad Ischl zweimal jährlich sogenannte „Thomasmessen“ gehalten. Der liturgische Status der Veranstaltungen ist unklar, einzelne Elemente legen den Verdacht auf liturgische Missbräuche nahe.
Die Thomasmessen sind als „Gottesdienst für Suchende, Zweifler und alle anderen Christen“ konzipiert, wie auf der Internetseite der Pfarre Bad Ischl zu lesen ist. Namensgeber für die Veranstaltung ist der Apostel Thomas, der die leibliche Auferstehung Christi zunächst bezweifelt hat. „Grundanliegen einer Thomasmesse ist es, dass Menschen angesprochen werden, die das Vertrauen in die Kirche verloren haben und sich ärgern über manches, das verbissen, sperrig und trennend ist“, war auf einem mittlerweile gelöschten Eintrag auf der Homepage der Pfarre Bad Ischl zu den Thomasmessen zu lesen.
Verdacht auf liturgische Missbräuche
Im Zusammenhang mit den Thomasmessen gibt es liturgische Unklarheiten. Handelt es sich um eine ökumenische Veranstaltung mit der evangelischen Pfarre von Bad Ischl, auf deren Homepage ebenfalls zur „Thomasmesse“ eingeladen wird? Im Pfarrblatt vom November 2010 schreibt Pfarrer Christian Öhler: „Mit Prof. Raberger und dem evangelischen Kollegen Kirsch haben wir eine Form überlegt, Eucharistie so zu feiern, dass wir das Gemeinsame fördern, ohne leichtfertig mit Vorschriften umzugehen.“ Ökumenische Eucharistiefeiern sind in der katholischen Kirche jedenfalls nicht vorgesehen.
Der angesprochene Professor Walter Raberger war bis zu seiner Emeritierung 2004 Professor an der Katholisch-Theologischen Universität (KTU) Linz und ist jetzt Kurat der Pfarre Bad Ischl. In einem Artikel für die „Theologisch-praktische Quartalschrift“ der KTU Linz hatte er 1996 behauptet, die Praxis der katholischen Kirche, Frauen nicht zu Priestern zu weihen, sei auf die „Männerherrschaft“ des damaligen Judentums zurückzuführen. Trotz des Schreibens „Ordinatio sacerdotalis“ von Papst Johannes Paul II. könne und solle daher die Diskussion um die Priesterweihe von Frauen weiter gehen.
Weiters fällt auf, dass die Thomasmessen meistens nicht in der Kirche, sondern im Pfarrheim Bad Ischl stattfinden, obwohl die Kirche zur selben Zeit frei wäre.
Zur Veranstaltung wird jeweils ein Gast eingeladen, der während der Thomasmesse zu einem bestimmten Thema eine „Ansprache“ oder Predigt hält. Bei der Thomasmesse am 21. November 2010 war dies der Laie Christian Felber, Lektor an der WU, Tänzer und Mitbegründer der globalisierungskritischen Organisation ATTAC. Er sprach zum Thema „Von der Sehnsucht nach gutem Leben für alle.“ Auf einem Foto, das bei dieser Veranstaltung gemacht wurde, ist der römisch-katholische Pfarrer Christian Öhler gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer von Bad Ischl zu sehen. Öhler hat die Hände über Hostienschalen und einen Kelch ausgebreitet und liest einen Text, den der neben ihm stehende evangelische Pfarrer hält.
An 13. November 2011 trat Margit Hauft, damals Präsidentin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, bei der Thomasmesse auf. KATH.NET liegen über diese Veranstaltung zwei kurze Videomitschnitte vor. Auf dem ersten ist zu sehen, wie Hauft das Evangelium vorträgt, während alle Teilnehmer stehen. In der Eucharistiefeier ist vorgesehen, dass ein Priester oder ein Diakon das Evangelium vortragen. Laien ist dies untersagt. Das zweite Video zeigt einen kurzen Ausschnitt ihrer Ansprache, die auf die Verlesung des Evangeliums folgte. Nach Can. 767 § 1 des Codex Iuris Canonici ist die Predigt dem Priester oder dem Diakon vorbehalten.
Auf das Gastreferat folgt eine „offene Phase“, in der es verschiedene „Angebote gibt“. Laut einem Bericht auf der Homepage der Diözese Linz zählen dazu „Fürbitten schreiben, Kerzen anzünden, Nachgespräch zur Predigt“ führen. Derlei Tätigkeiten sind während einer heiligen Messe weder im außerordentlichen noch im ordentlichen Ritus vorgesehen.
KATH.NET hat den zuständigen Ortsbischof Ludwig Schwarz um eine Stellungnahme ersucht, bis jetzt aber keine Antwort erhalten.
Kontakt Bischof Ludwig Schwarz
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