21 Juni 2012, 11:00
Das Memorandum der Ungeborenen
 
Hildegard13
 
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In den Messtexten zum Hochfest der Geburt von Johannes dem Täufer ist vom ungeboren Leben die Rede, ein Anlass, über die christliche Sicht auf den Schwangerschaftsabbruch nachzudenken. Ein Kommentar zum Sonntagsevangelium von P. Bernhard Sirch

Illschwang (kath.net) Hochfest 24. Juni: Geburt des hl. Johannes des Täufers -
Am Vorabend: Erste Lesung: Jer 1, 4-10. Zweite Lesung: 1 Petr 1, 8-12. Evangelium: Lk 1, 5-17.
AM TAG: Erste Lesung: Jes 49, 1-6. Zweite Lesung: Apg 13, 16.22-26. Evangelium: Lk 1, 57-66. 80.

Am Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers, vom 23. auf den 24. Juni, lodert vielfach das Johannisfeuer auf und leitet somit das Fest ein, das ein sehr altes Fest ist und auf das vierte Jahrhundert zurückgeht. Genau ein halbes Jahr sind die Feste "Geburt Christi" und "Geburt des hl. Johannes des Täufers" auseinander und stehen somit in engem Zusammenhang mit der Sommersonnenwende (24. Juni) und der Wintersonnenwende (25. Dezember). Es ist damit auch ein Bezug des längsten auf den kürzesten Tag des Jahres gegeben, nämlich auf den Täuferspruch in Hinblick auf den kommenden Christus: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30).

Das Datum des Festes der Geburt des hl. Johannes des Täufers wurde entsprechend einer Angabe des Lukasevangeliums (Lk 1,26–38) vom liturgischen Datum der Geburt Jesu her errechnet, nämlich drei Monate nach Mariae Verkündigung (25. März) und sechs Monate vor Weihnachten.

Schon als ungeborenes Kind wurde Johannes vom Heiligen Geist erfüllt (Lk 1,41). Jesus sagt von ihm: "Unter allen von einer Frau Geborenen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer" (Mt. 11, 11). In der Liturgie wird gewöhnlich nur der Todestag eines Heiligen gefeiert. Ausnahmen bilden die Geburt Christi und Mariens und das heutige Fest, die Geburt Johannes des Täufers. In früheren Zeiten war die die Hochschätzung des Vorläufers Jesu so groß, daß man viele Kirchen dem hl. Johannes dem Täufer geweiht hat. Kirchen mit dem Patron des hl. Johannes des Täufers sind meist sehr alte Kirchen. Die Unerschütterlichkeit dieser Prophetengestalt muß in der Kirche, in der Welt immer lebendig bleiben. Johannes der Täufer bereitete dem Herrn den Weg, er rief zur Buße auf und prangerte Unrecht öffentlich an.

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Was zur Zeit des Herodes viele Menschen für Unrecht hielten, sagte Johannes der Täufer ganz klar und öffentlich zu Herodes: "Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruder zur Frau zu nehmen" (Mk 6,18). Wenn wir immer wieder das Fest der Geburt Johannes des Täufers (24. Juni) feiern und auch das Fest der Enthauptung (29. August) so sollen wir uns nicht nur von der Unerschütterlichkeit seiner Gestalt ergreifen lassen, sondern auch in unseren Lebensbereich, ja in unsere Zeit schauen. Gibt es nicht auch in unserer Gesellschaft öffentliche Ärgernisse, die tag-täglich geschehen und bei denen im Grunde des Herzens mit ein wenig Nachdenken jeder Mensch vom Unrecht überzeugt ist?

Ich möchte ein Thema aufgreifen, das man zwar lieber tot schweigen möchte, von dem aber viele Gläubige überzeugt bin, daß man bei allem für und wieder zu einer klaren Urteilsfindung kommen kann und dann auch dazu stehen muß: es ist das Thema: Abbruch der Schwangerschaft.

Es geht nicht um eine Anklage. Wir müssen uns auch selber überprüfen in unserem Verhalten zu anderen Menschen. Wir wollen unsere Hartherzigkeit, die junge Mütter dazu treibt, abzutreiben, bereuen und das Erbarmen des Herrn auf uns herab rufen.

Gerade bei den Meßtexten zum Fest "Geburt Johannes des Täufers" ist oft vom ungeborenen Leben die Rede. In der ersten Lesung aus dem Buch Jesajas heißt es: „Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt. Er machte meinen Mund zu einem scharfen Schwert, er verbarg mich im Schatten seiner Hand. Er machte mich zum spitzen Pfeil und steckte mich in seinen Köcher. Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will" (Jes 49, 1-3).

Auch in der 1. Lesung der Vorabendmesse hören wir von der Berufung durch Gott schon im Mutterleib: "Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt" (Jer 1, 5).

Gottes Sorge um den Menschen beginnt bereits im Schoß der Mutter. So beten wir im Antwortpsalm: "Du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen" (Ps 139 (138), 13-15). Der Antwortpsalm in der Vorabendmesse ist ein Dank: "Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer; dir gilt mein Lobpreis allezeit" (Ps 71 (70), 6).

Das Festevangelium gipfelt nun mit der Aussage, dass Gott den hl. Johannes schon im Mutterleib mit dem heiligen Geist erfüllt hat: "Der Engel aber sagte zu ihm (Zacharias): Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein" (Lk 1, 13-15).

Schon aus diesen wenigen Stellen aus der heiligen Schrift, die wir am heutigen Fest "Geburt des hl. Johannes" in den Meßtexten hören, ist ersichtlich, dass die heutige Diskussion über Abtreibung auf dem Hintergrund der Heiligen Schrift unvereinbar sind.
Der hl. Johannes der Täufer gehört zu den markantesten Prophetengestalten in der Kirche und hat seine klare Linie mit dem Leben bezahlt. Nicht der hl. Johannes soll zu Wort kommen, sondern die Ungeborenen selber, die unschuldig ihr Leben blutig verlieren, mit ihrem Memorandum der Ungeborenen

Das Memorandum der Ungeborenen
Sehr geehrte Leser und Leserinnen,
wir freuen uns, daß Sie dieses Memorandum in die Hand bekommen haben, in dem wir unsere Situation darlegen können. Wir Ungeborene fordern Chancengleichheit. Hört uns niemand? - Es ist ein Hilfeschrei von Menschen, die keine Lobby haben. Helft uns, wir sind hier; dieses Memorandum ist die einzige Möglichkeit uns zu äußern. Hunderttausende Ungeborener werden jährlich legal abgetrieben. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können diesen Brief lesen, weil Sie in diesem für jeden Menschen unerläßlichen Stadium weiter leben durften. Wir möchten auch weiterleben. Mit freundlichen Grüßen übergeben wir euch dieses Memorandum der Ungeborenen.

"1. Wir nehmen nicht nur körperliche, sondern auch seelische Signale auf. Eine liebevolle Annahme ist für unser gesamtes späteres Leben prägend. Die Diskussion „Sollen wir abgetrieben werden oder nicht?" ist für uns psychisch schädlich.

2. Wie könnt Ihr uns töten, wenn wir nach dem Zivilrecht bereits erbberechtigt sind? So gilt es für einen Menschen, der zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber gezeugt war, als wäre er vor dem Erbfalle geboren.

3. Der Ausdruck „Schwangerschaftsabbruch" ist irreführend. Wir werden getötet, wir haben bereits alle Anlagen und sind Menschen wie Ihr auch. Bereits in der elften Woche sind wir fünf Zentimeter groß und haben ein Köpfchen, Ärmchen und Beinchen. Wir können uns drehen, wenden und überschlagen, wie es uns gefällt. Ihr dürft unser Leben nicht auslöschen. Die Regelung mit dem dritten Monat ist eine reine Willkür.

4. Liebe Mütter, mit der Empfängnis stellt sich Euer Körper um; dies geht soweit, daß Ihr uns bei der Geburt Muttermilch geben könnt. Bei einem Abbruch dieser Entwicklung müssen 20 Prozent von Euch mit einem gesundheitlichen Schaden rechnen, 50 Prozent mit einem psychischen Trauma.

5. Wenn Ihr sagt: „Mein Bauch gehört mir", so überseht Ihr, daß zur Zeugung menschlichen Lebens zwei Menschen gehören; folglich dürft Ihr nicht allein über unser Leben bestimmen.

6. Bei der Aussage „Mein Bauch gehört mir" müßte man weiterfragen: Warum gilt diese „Leibeigenschaft" nur bis zum 3. Monat?
Im Mittelalter gab es auch schon eine „Leibeigenschaft". Die brutale Form der „Leibeigenschaft" sollte auch beim Thema „Abtreibung" überwunden werden.
Wenn die Aussage „Mein Bauch gehört mir" ein Grund für die Fristenlösung wäre, dann könnte eine Frau im 7. Monat genauso abtreiben.

7. Haeckels „bio-genetisches Grundgesetz" ist überholt. Wir sind zur Zeit der Abtreibung nicht nur ein Vielzeller oder ein undefinierbarer Zellklumpen, sondern wir sind Menschen.

8. Von den Indikationen möchten wir nur eine Indikation, die bei weitem am häufigsten (70 Prozent) angegeben wird, herausgreifen: Die soziale Indikation. Obwohl Deutschland zu den reichsten Staaten der Welt gehört, ist es der geburtenschwächste Staat der Welt. In diesem Staat wird das Töten von Menschen im Mutterleib aus sozialen „Gründen" legalisiert.

9. Um das Leben zu schützen, gibt es für trächtige Tiere eine Schonzeit. Steht uns diese „Schonzeit" nicht zu?

10. Falls Ihr tatsächlich nicht wißt, wann der Mensch Mensch wird, so müßte auch hier der Rechtsgrundsatz gelten: „Im Zweifelsfall für den Angeklagten." Wir sind völlig wehrlos und allein auf Eure Hilfe angewiesen. Ihr dürft doch nicht einen Menschen töten, auf den später ein anderer Mensch vergeblich wartet.

11. Obwohl in Eurem Staat Gewissensfreiheit besteht, muß jeder deutsche Staatsbürger diesen Mord noch finanziell unterstützen, da er durch die Beitragsleistungen an die Krankenkassen die Tötung ungeborenen Lebens zwangsweise mitfinanziert. Wir Ungeborenen sind doch kein Krankheitsherd. Bei der Schwangerschaft handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern erst durch den Abbruch der Schwangerschaft ist auf Grund des Eingriffes des Arztes die Möglichkeit für einen Krankheitsherd gegeben. Die psychischen Schäden entstehen, weil unsere Mütter wissen, daß sie einen Menschen getötet haben und diesem Menschen nachtrauern.

12. Alle Erörterungen über das wachsende Leben im Mutterleib sind in den Wind gesprochen, wenn eine werdende Mutter nicht genügend finanzielle Zuwendungen (keine Almosen) bekommt. Auf die werdende Mutter muß man mit beiden Ohren hören und ihr helfen.

13. Helft bitte mutigen Frauen, die ihr Kind trotz Schwierigkeiten austragen. Ihnen muß die Geburt des Kindes ermöglicht werden, nicht daß diese Frauen auf Grund von fast unüberwindlichen Schwierigkeiten unter Umständen ebenso ein psychisches Trauma erleben wie abtreibende Frauen.

14. Der Paragraph 218 ist für Frauen nicht nur eine Last, sondern auch ein Schutz. Bisweilen werden Frauen vom Mann so unter psychischen Druck gestellt, daß ihnen gar nichts anderes übrig bleibt als abtreiben zu lassen.

15. Tausende Eltern warten auf unsere Adoption. Dr. Wilfried Feichtinger (Wien) berichtete, daß heute weltweit in den Industrienationen 15 bis 20 Prozent aller neu geschlossenen Ehen ungewollt kinderlos bleiben, zu Beginn der sechziger Jahre sind es noch sieben bis acht Prozent.

16. Kehrt zurück zur grundsätzlichen Diskussion. Gebt Gründe an für Eure Lösungen und begnügt Euch nicht mit Diskussionen um Lösungen ohne Gründe! Sollte Deutschland, das zwei Weltkriege entfacht hat, nicht, mit gutem Beispiel vorangehen und Leben retten?

17. Wenn wir das Licht der Welt erblicken, ächtet unsere Mütter nicht. Während sich die Väter bisweilen davonstehlen, müssen Mütter die ganze Last tragen. Ständiges Sich-Beschweren über den Lärm der Kinder sollte durch Babysitterdienste ersetzt werden". (abgedruckt in: Münchner Merkur: 22. November 1991, Nr. 269, Seite 3, Gast Kommentar des Direktors des EOS-Verlages in der Erzabtei St. Ottilien: Dr. P. Bernhard Sirch.).

Ich darf zum Abschluß noch ein Beispiel erzählen:
Der Apple-Chef, Steve Jobs, lernte erst als Erwachsener seine leibliche Mutter kennen, denn diese hatte ihn zur Adoption frei gegeben. „Ich wollte sie hauptsächlich treffen, um ihr zu danken, denn ich bin froh, dass ich nicht als eine Abtreibung endete“, erzählte er einmal darüber. Dann hätte ausgerechnet der Gründer und Vordenker der Computerfirma "Apple" in der Reihe der modernen Genies gefehlt. Jobs selbst war dankbar für seine Kindheit bei Adoptiveltern, die er auch als Erwachsener noch sehr schätzte, „sie waren zu 1.000% meine Eltern“, sagte er später in einem Interview, kath.net hat berichtet.

Alle, die die Heilige Schrift als Grundlage ihres Lebens nehmen, bitte ich, sich für das Leben einzusetzen. Der Apple-Chef, Steve Jobs, ein Genie unserer Zeit durfte leben. Jedes Kind ist von Gott als ein einzigartiger Mensch erschaffen worden mit einer ganz bestimmten Aufgabe. Wir haben kein Recht, ein Kind zu töten, das Gott schon im Mutterleib für eine ganz besondere Aufgabe ausersehen hat.

Ich möchte alle Väter und Mütter beglückwünschen, die wie Elisabet und Zacharias in der Zeit der Erwartung eines Kindes leben: Möget auch Ihr Freude und Jubel verspüren über euer Kind, das Gott Euch anvertraut hat, und möget Ihr Euch über die Geburt eures Kindes wirklich freuen wie sich Elisabet und Zacharias über die Geburt des heiligen Johannes freuten, der durch sein Eintreten für Recht und Gerechtigkeit zu den markantesten Prophetengestalten in der Kirche zählt.

www.pater-bernhard.de






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