19 Juni 2012, 10:30
Rom: Sarg von Gangsterboss De Pedis aus Kirche überführt
 
Hildegard13
 
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Grab war Mitte Mai auf Anordnung der römischen Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Ermittlungen im "Fall Orlandi" geöffnet worden

Rom (kath.net/KAP) Der Leichnam des italienischen Gangster-Bosses Enrico De Pedis ist am Montag aus der römischen Basilika Sant'Apollinare abtransportiert worden. Wie italienische Online-Medien berichten, wurde der Sarg des 1990 erschossenen Chefs der berüchtigten Magliana-Bande in der Früh im Wagen eines Bestattungsinstituts weggefahren. Der Leichnam solle eingeäschert werden, teilten die Anwälte der Familie mit. Das Grab des Gangsterbosses war Mitte Mai auf Anordnung der römischen Staatsanwaltschaft geöffnet und der Leichnam als der von De Pedis identifiziert worden. Anonyme Zeugen hatten behauptet, in seinem Grab fänden sich Hinweise zur Entführung der Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi im Jahr 1983.

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Nicht ganz geklärt ist, wie De Pedis in einer Kirche beigesetzt werden konnte. Dieses Privileg erhalten in der Regel nur Bischöfe und höhere Geistliche. Die Genehmigung soll der damalige Kardinalvikar der Diözese Rom, Ugo Poletti, erteilt haben.

Der "Fall Orlandi" gehört zu den spektakulärsten italienischen Kriminalfällen. Nach dem Verschwinden der damals 15-jährigen Tochter (Foto) eines Vatikan-Angestellten meldeten sich angebliche Entführer, die eine Freilassung des Papstattentäters Ali Agca forderten. Alle Nachforschungen blieben ohne Ergebnis. Später hieß es, das Mädchen sei von De Pedis' Bande im Auftrag entführt und bald darauf getötet worden. Nach einer anderen These soll Orlandi in die Türkei verschleppt worden sein und dort zumindest noch vor wenigen Jahren gelebt haben.

Insbesondere der Bruder des Mädchens, Pietro Orlandi, hatte dem Vatikan vorgeworfen, wichtige Hinweise zur Aufklärung übergangen zu haben. Im Jahr 2005 habe man nicht angemessen auf die Aussage einer früheren Geliebten De Pedis' reagiert, der Magliana-Chef habe Emanuela Orlandi entführt, gefangengehalten, schließlich getötet und in einer Neubausiedlung im Südosten Roms einbetoniert.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte die Öffnung des Sarges von De Pedis im Mai als "positives Faktum" begrüßt. Sie sei notwendig gewesen, "damit alle möglichen Schritte für die Durchführung und den Abschluss der Ermittlungen unternommen werden".

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