19 Juni 2012, 12:00
Christentum ohne Europa ist denkbar, doch kein Europa ohne Christentum
 
Hildegard13
 
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EU-Parlamentarier Bernd Posselt: „Europa soll kein christliches Museum sein, sondern ein Erdteil, an dessen Gestaltung sich gläubige Christen aktiv beteiligen.“ Ein kath.net-Interview von Petra Lorleberg

Straßburg (kath.net/pl) „Europa soll kein christliches Museum sein, sondern ein Erdteil, an dessen Gestaltung sich gläubige Christen aktiv beteiligen.“ Dies sagt Bernd Posselt, Mitglied des Europaparlaments und Mitglied des Landesvorstandes der CSU, im kath.net-Interview. Die Aufgabe der Europäischen Union sieht er „in besonderer Weise“ auch darin, Schutzmacht der Christen in aller Welt zu sein“, denn „das Christentum ist die weltweit größte Religionsgemeinschaft“, doch es werde „in vielen Ländern vor allem Afrikas und Asiens brutal verfolgt.“

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kath.net: Herr Posselt, Christen sind nach statistischen Angaben die weltweit am meisten verfolgte Gruppe. Finden diese Menschenrechtsverletzungen im christlichen Europa genügend Beachtung?

Bernd Posselt:
Das Christentum ist die weltweit größte Religionsgemeinschaft und in vielen Ländern vor allem Afrikas und Asiens brutal verfolgt. In Europa bekennen sich 80 Prozent der Menschen als Christen, und die übrigen 20 Prozent sind zumindest kulturell christlich geprägt.

Christen haben maßgeblich daran mitgewirkt, den Eisernen Vorhang und die kommunistische Diktatur zu überwinden, ebenso wie seinerzeit den Nationalsozialismus. Christentum, Freiheit und Europa sind als Begriffe kaum zu trennen.

Deshalb ist die EU in besonderer Weise berufen, Schutzmacht der Christen in aller Welt zu sein. Wer soll diese Aufgabe erfüllen, wenn nicht wir?

Diese Erkenntnis hat sich in den letzten Jahren auf Druck der christdemokratischen EVP-Fraktion in den europäischen Institutionen zunehmend durchgesetzt, stößt aber bei einem Teil der Sozialisten, Grünen und Liberalen auf Widerstand.

kath.net: Sie erwähnten neulich eine „Phobie linker Kräfte, Menschenrechtsverletzungen an Christen als solche anzusprechen“, kath.net hat berichtet. Wie erklären Sie sich eine solche Haltung? Ist da ein Dialog möglich?

Posselt:
Der Dialog ist möglich und nötig.

Uns ist es in den letzten Monaten gelungen, auch Kräfte in den anderen Fraktionen stärker als bisher für dieses Thema zu sensibilisieren. Am heftigsten ist die Ablehnung aber bei französischen Sozialisten sowie Liberalen aus den Benelux-Staaten. Sie sehen in einer Verteidigung der elementaren Menschenrechte von Christen, wenn man sie ausdrücklich nennt, eine Bevorzugung einer Religion gegenüber anderen. Das ist aber völlig absurd.

Wir sind selbstverständlich für die Religionsfreiheit an sich und für die Menschenrechte alle Verfolgten. Wenn es sich aber um Christen handelt, muß dies auch deutlich gesagt werden.

kath.net: Der Islam gehört zu Deutschland, so sagte der ehemalige Bundespräsident Wulf. Gehört das Christentum noch zu Deutschland? Zu Europa?

Posselt:
Ich würde es umgekehrt sagen: Deutschland und Europa gehören zum Christentum.

Ein Christentum ohne Europa ist denkbar, aber wenn man aus Europa das Christentum herausnimmt, bricht es zusammen wie ein Kartenhaus.

Wie ich schon sagte, eine große Mehrheit der EU-Bürger bekennt sich als Christen. Wenn diese sich entsprechend einsetzen, kann keine politische Kraft an uns Christen vorbei.

Wichtig ist, daß wir das Christentum auch leben und nicht nur von "christlicher Tradition" reden. Europa soll kein christliches Museum sein, sondern ein Erdteil, an dessen Gestaltung sich gläubige Christen aktiv beteiligen.

Foto Bernd Posselt: © www.bernd-posselt.de






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