18 Juni 2012, 12:00
Nigeria: Dutzende Tote bei Anschlägen auf Kirchen und Unruhen
 
Hildegard13
 
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Erneut Bombenanschläge auf drei Kirchen, darunter die katholische Kathedrale in Zaria - Christliche Jugendliche reagierten mit Gewalt gegen Muslime - Vatikan: Anschläge auf Kirchen "unannehmbar"

Abuja (kath.net/KAP) Drei Bombenanschläge auf christliche Kirchen und anschließende Unruhen haben am Sonntag im Norden Nigerias dutzenden Menschen das Leben gekostet. Nach unterschiedlichen Medienberichten sind zwischen 36 und 72 Menschen getötet worden. Ein Sprecher der nationalen Notfallbehörde erklärte, dass rund 150 weitere Menschen verletzt worden seien. Am Montag bekannte sich die Gruppe "Boko Haram" zu den Anschlägen. Die Regierung verhängte über den nigerianischen Bundesstaat Kaduna eine 24-stündige Ausgangssperre, um die Gewaltspirale zwischen Muslimen und Christen zu stoppen.

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Zunächst waren Sonntagfrüh in der Stadt Zaria Anschläge auf die katholische Kathedrale und ein Gotteshaus der "Evangelical Church of West Africa" verübt worden. Die Attentäter rasten dabei offenbar mit Autos in die Eingangsbereiche der Kirchen, wo die Bomben detonierten. Kurz darauf attackierten Selbstmordattentäter in der Stadt Kaduna auf gleiche Weise eine Kirche, in der sich Gläubige der "Shalom International Church" zum Gottesdienst versammelt hatten.

Bei den drei Anschlägen wurden nach ersten Behördenangaben mindestens 16 Menschen - unter ihnen laut Augenzeugenberichten sowohl christliche Gläubige als auch Muslime, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Gotteshäusern aufgehalten hatten - getötet. Die nigerianische Tageszeitung "Leadership" berichtete am Montag von 16 Getöteten allein beim Anschlag auf die katholische Kathedrale. Der katholische Bischof von Zaria, George Dodo, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters" zehn Todesopfer, unter ihnen mehrere Kinder.

Nach den Explosionen kam es in Kaduna zu Unruhen. Zeugen erklärten, aufgebrachte junge Christen hätten sich zunächst nahe der zerstörten Kirche versammelt und Straßensperren errichtet. Später griffen die Jugendlichen demnach Muslime mit Stöcken und Messern an. Ein Vertreter des Roten Kreuzes berichtete zunächst von rund 20 Toten bei diesen Angriffen, nach anderen Angaben sollen bei den Unruhen bis zu 50 Menschen getötet worden sein.

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan verurteilte die Gewalt und rief dazu auf, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Der Präsident des Senats im Parlament, David Mark, betonte, dass die Anschläge die Einheit Nigerias gefährdeten. Mark rief die Bevölkerung dazu auf, sich nicht an Vergeltungsschlägen zu beteiligen.

"Schrecklich und unannehmbar"

Als "schrecklich und unannehmbar" hat indes Vatikansprecher Federico Lombardi die Bombenanschläge bezeichnet. Die Systematik der Anschläge auf christliche Sakralorte zeuge von einem "absurden Modell des Hasses", sagte Lombardi der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Montag-Ausgabe). Gleichzeitig sprach sich der Vatikansprecher für "effektive Interventionen" aus, die es schafften, den Terrorismus zum Wohl dieses großen Landes zu beseitigen.

Der Sprecher der Erzdiözese Abuja, Patrick Alumuku, wertete die erneuten Anschläge in seinem Land als ein "weiteres sinnloses Blutbad". Dahinter steckten jedoch keine religiösen Motive, sagte Alumuku der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Das Land sei "voll von Jugendlichen ohne Zukunftsaussichten". Zuerst hätten Politiker sich die Stimmen vieler mittelloser junger Menschen erkauft und dann ihre Wahlversprechen nicht eingelöst. Wieder auf der Straße ohne Geld und Chancen, "sahen sie im Terrorismus die einzige Möglichkeit zur Erlösung".

In Nigeria sind Christen in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Angriffen geworden. Erst am vergangenen Sonntag waren bei Anschlägen mehrere Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden. Zu einer Mehrzahl der Anschläge bekannte sich die Gruppe "Boko Haram", die in dem Land einen islamischen Gottesstaat errichten will. Die Terroristen werden nach Ansicht von Beobachtern immer unberechenbarer.

Nigeria ist mit rund 155 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Mehr als die Hälfte der Einwohner bekennt sich zum Islam; der Anteil der Christen in Nigeria wird mit 40, teils mit rund 48 Prozent angegeben. Vor allem der Norden ist fast ausschließlich islamisch, der Süden vorwiegend christlich geprägt.

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