
Graz (kath.net/KAP) Christen haben keinen Grund, sich "zu verstecken". Auch dann nicht, wenn in der Kirche Fehler gemacht wurden und weiter gemacht werden. Das sagte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari in seiner Predigt beim Gottesdienst zum Abschluss des Akademischen Jahres am Sonntagabend im Grazer Dom. Die Kirche beseele die Zivilgesellschaft "in einem großen, freilich oft nicht bekanntem und nicht bedanktem Ausmaß" und trage sie mit. Auch heute "kann und soll es daher ein gutes, nicht arrogantes christliches und auch ein spezifisch katholisches Selbstbewusstsein geben", so der Bischof.
Studierende und Akademiker könnten dazu beitragen, indem sie sich bemühen, "ihr Glaubenswissen auf das Niveau ihres Fachwissens zu heben". Im öffentlichen Diskurs sachkompetent mitzureden, wenn es um Christentum und Kirche geht, bleibe freilich fruchtlos, wenn dahinter nicht ein glaubwürdiges christliches Leben stünde, stellte der Bischof fest.
Kapellari erinnerte an ein mehr als ein Jahrhundert zurückliegendes Glaubenszeugnis des bedeutenden französischen Philosophen Maurice Blondel. In einem Seminar der Pariser Universität hatte der damals noch studierende Blondel in der Atmosphäre eines "militanten Laizismus" erkennen lassen, dass er ein überzeugter Katholik war. Der kirchenferne Professor bezeichnete es als erstaunlich, dass ein sehr intelligent erscheinender junger Mann heutzutage noch katholisch sei. Der junge Blondel habe darauf selbstbewusst erwidert, er lege Wert darauf, nicht nur intelligent zu erscheinen, sondern tatsächlich intelligent zu sein.
"Hohelied der Unzufriedenheit" hinterfragen
Bischof Kapellari dazu: "Diese zeitlich weit zurückliegende Pariser Episode kann ein Anstoß sein, sich davon inspirieren zu lassen und sich im akademischen Milieu als Christ nicht zu verstecken. Man braucht dazu weder ein Held noch ein Heiliger zu sein."
Heute dominiere im Blick auf die Kirche oft das Nichtgelingende; das "ungemein viele Positive" des Ganzen der kirchlichen Gemeinschaft bleibe ausgeblendet. Kapellari plädierte trotz nicht "wegzuredender" Probleme für eine "Blickumkehr", die davor bewahre, "unkritisch in den großen Chor derer einzustimmen, die das Hohelied der Unzufriedenheit singen".
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