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| ![]() Reformationsjubiläum 2017: Alles Luther oder was?12. Juni 2012 in Aktuelles, 64 Lesermeinungen EKD-Botschafterin Margot Käßmann: Der Reformator wäre heute beliebter Talkshow-Gast Wetzlar (kath.net/idea) Alles Luther oder was? So könnte man einen Werbespruch abwandeln angesichts des großen Aufwands, mit dem die evangelische Kirche das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet. Seit 2008 läuft eine Luther-Dekade mit wechselnden Jahresthemen, die auf das Ereignis hinführt. Der Rat der EKD hat eine Botschafterin ernannt: Die für ihre Mediengewandtheit bekannte ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann (Berlin) soll für das Jubiläum werben. Wie steht sie zu Martin Luther (1483-1546), der mit seinem Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg die Reformation auslöste? Dazu äußert sich die frühere hannoversche Landesbischöfin in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Nach ihren Worten wäre Luther heute bei Talkshows ein beliebter Gast auch als Provokateur. Er sei eine markante Figur, an der sich die Menschen reiben und stoßen. Käßmann zufolge hat Luther dazu aufgefordert, das eigene Gewissen zu schärfen und die Aussagen von Autoritäten zu prüfen. Mit seiner Haltung Ich stehe hier und kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen. könnten auch nicht-religiöse Menschen etwas anfangen. Der heutige Rechtsstaat und das Prinzip der Gewissensfreiheit hätten sich glasklar von Luther her entwickelt. Leider habe er die Gewissensfreiheit nicht allen anderen so zugestanden, wie er sie selbst eingefordert habe. Luther sei aber nicht nur ein deftiger Redner gewesen, sondern habe auch sehr liebevolle Seiten gehabt. So habe er Lebensmut gemacht und dazu aufgefordert, das Leben fröhlich zu leben. Luther nicht zum Heiligen erklären Allerdings dürfe man den Reformator nicht zum Helden stilisieren: Luther war sicher kein Diplomat. Auch im Umgang mit seiner eigenen Kirche konnte er ziemlich derb werden. Vieles, was Luther damals gesagt habe, sei in heutiger Perspektive nicht akzeptabel. Als Beispiel nannte Käßmann seine Äußerungen gegen die Juden. Seine anti-judaistischen Ausfälle hätten die reformatorischen Kirchen auf schreckliche Weise in die Irre geführt. In der Folge habe die evangelische Kirche schwere Schuld auf sich geladen. Käßmann: Ich würde Luther deshalb nie zum Heiligen erklären. Trotzdem sei er eine faszinierende Figur: Er hat aus Glauben den Schritt vom Mittelalter in die Neuzeit gewagt und den Weg zu Freiheit, Demokratie und Menschenrechten geebnet. Allerdings hing er mit einem Fuß immer noch im Mittelalter. Sie halte an Luther fest, so die 54-Jährige, weil seine Kritik am Zustand seiner Kirche, am Ablasshandel und seine Öffnung für Laien für eine enorme Befreiung stünden. Luther habe dadurch die Kirche menschlich gemacht. Käßmann: Wir müssen Luthers großartige historische Leistung, seine theologische Genialität und seinen gesellschaftlichen Mut abwägen gegen seine problematischen Äußerungen und Irrtümer. Für mich überwiegen insgesamt ganz klar die positiven Leistungen. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuLuther
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