
Warschau/Kiew (kath.net/idea) Glaube und Aberglaube sind bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine mit im Spiel. Zahlreiche Akteure setzen auf Glücksbringer, andere bekreuzigen sich oder sprechen ein Gebet. Manche tun dies sogar im Spiel wie der polnische Torhüter Przemyslaw Tyton. Nachdem die Nummer 1 im polnischen Tor, Wojciech Szczesny, wegen eines Fouls im Eröffnungsspiel gegen Griechenland die rote Karte erhalten hatte, musste Tyton zwischen die Pfosten. Bevor er dem Elfmeterschützen gegenübertrat, kniete er nieder und betete. Anschließend hielt er in der 71. Minute den Strafstoß des Griechen Georgios Karagounis und verhinderte eine polnische Niederlage (Ergebnis 1:1). Gebetsunterstützung erhielt Tyton vom katholischen Krakauer Erzbischof, Stanislaw Kardinal Dziwisz. Der frühere Sekretär von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) bekannte nach dem Spiel: „Mit meinem ganzen Herzen waren meine Gebete bei ihm. Als er den Schuss gehalten hatte, empfand ich große Erleichterung.“ Auch in der deutschen Mannschaft hoffen Spieler auf den Beistand Gottes. Ersatztorhüter Tim Wiese (künftig TSG 1899 Hoffenheim) – ein Katholik – betet vor jedem Spiel um den Sieg. Stürmer Lukas Podolski lässt sich von dem Grundsatz leiten: „Gott glaubt stets an dich, also verliere du auch nie den Glauben an dich.“
Boateng: Mit Kreuz und Jungfrau Maria tätowiert
Von Außenverteidiger Jerome Boateng (Bayern München) ist bekannt, dass er zwei Tätowierungen mit christlichen Motiven trägt: ein Kreuz auf dem rechten Oberarm und die Jungfrau Maria auf dem linken Unterarm. Der Muslim Mesut Özil (Real Madrid) spricht vor Spielbeginn leise einige Verse aus dem Koran. Auch andere deutsche Spieler haben feste Gewohnheiten, die ihnen Ruhe und Sicherheit geben sollen. So bekannte der Stürmer Miroslav Klose (Lazio Rom) vor der EM: „Ich bin abergläubisch, ziehe beispielsweise immer den rechten Schuh zuerst an und betrete auch den Rasen jedes Mal zuerst mit rechts.“ Sein Stürmerkollege Mario Gomez (Bayern München) schwört auf seine alten Schienbeinschoner als Glücksbringer: „Das sind dieselben, die ich schon mit 15 getragen habe. Sind ein bisschen klein, aber ohne die laufe ich nicht auf.“
„Gottesdienst auf heiligem Rasen“
In einem Interview anlässlich der Fußball-EM hat der deutsche Architekt Volkwin Marg (Hamburg) Stadien als „Kathedralen des säkularisierten Konsumzeitalters“ bezeichnet. Der 75-Jährige hat die Arenen in Warschau und Kiew geplant. Im Blick auf die Spielstätten sagte er gegenüber der Berliner „tageszeitung“ (taz): „Hier kommt eine Masse mit Begehr nach religiösen Ritualen zusammen. Es findet ein Gottesdienst auf heiligem Rasen statt.“
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