08 Juni 2012, 07:40
Zsifkovics: Ungehorsams-Aufruf widerspricht kirchlichem Dienst
 
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Eisenstädter Bischof äußert in APA-Interview Kritik an Bestreben, Kirche "wie eine Firma" zu führen - Trotz Priestermangels "kein Grund zu Torschusspanik"

Wien (kath.net/KAP) Ein "Aufruf zum Ungehorsam", wie ihn die Pfarrerinitiative zur Durchsetzung von Kirchenreformen publiziert hat, "widerspricht dem kirchlichen Dienst und dem kirchlichen Tun": Das sagte der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics (Foto) in einem am Fronleichnamstag veröffentlichen APA-Gespräch. "Jeder Priester hat bei der Weihe in die Hände seines Bischofs auch diesen Gehorsam versprochen", der freilich "keine Willkür" bedeute, so Zsifkovics in dem Interview anlässlich seines silbernen Priesterjubiläums.

Die Forderungen der Pfarrerinitiative widersprächen der derzeit gültigen kirchlichen Lehre. "Die muss ja einmal von der anderen Seite angenommen, zumindest gehört werden und sollte auch einmal akzeptiert werden", forderte der Bischof. Alles andere wäre "keine Kultur der theologischen Diskussion", so Zsifkovics. Zugleich könne es "über verschiedene Punkte Gespräche und auch Weiterentwicklungen geben. Keiner von uns kann jetzt auf 50 Jahre voraussagen, wie sich manche Dinge entwickeln werden." Bemühungen der Kirche um pastoral gute Wege gebe es etwa in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen.

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Er wolle die verschiedenen Reform-Initiativen der letzten Zeit nicht leichtfertig zur Seite schieben, meinte Zsifkovics. Vorbehalte habe er jedoch wegen der "Ideologie", die Kirche in ihrer Form wie eine Firma oder einen Betrieb präsentieren zu wollen. Das stehe dem entgegen, "was Kirche ist und was Kirche sein soll und was uns auch das Zweite Vatikanische Konzil an Kirchenbild mitgegeben hat", so der Bischof.

Zsifkovics wies auf ein problematisches Kirchenverständnis gerade im deutschsprachigen Raum hin, in anderen Teilen der Weltkirche gebe es diese Auseinandersetzungen nicht.

Lage bei Kirchenaustritten hat sich beruhigt

Bei den Kirchenaustrittszahlen habe sich die Lage "sehr beruhigt": Man sei fast wieder auf dem Niveau vor der Missbrauchskrise, so der Eisenstädter Diözesanbischof. Im Vorjahr traten im Burgenland 1.483 Personen (0,73 Prozent) aus der katholischen Kirche aus, 2010 hatten 1.971 Menschen die Kirche verlassen. 75 Personen sind im Vorjahr im Burgenland wieder in die Kirche eingetreten. Man bemühe sich, Ausgetretenen nachzugehen. Sie erhalten einen Brief des Bischofs mit der Einladung, ihren Schritt zu überdenken, so Zsifkovics.

In der Diözese Eisenstadt ist mittlerweile jener Brief der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" eingelangt, in dem die Bischöfe darauf hingewiesen werden, dass sich noch immer wegen Missbrauchs verdächtige oder bereits verurteilte Priester im Dienst befänden. Für die Diözese Eisenstadt wird ein Fall genannt, in dem ein Geistlicher 2002 wegen versuchtem sexuellen Missbrauch, sittlicher Gefährdung von Personen unter 16 Jahren und Verstoß gegen das Suchtmittelgesetz zu 18 Monaten bedingter Haft verurteilt wurde. Er werde sich mit der Sache auseinandersetzen, so Zsifkovics: "Grundsätzlich halten wir uns an die Vorgaben, die die Bischofskonferenz da gemacht hat. Es gibt da auch ein klares Procedere und dem werden wir auch nicht ausweichen."

In der Diözese Eisenstadt leben zur Zeit 178 Priester, davon seien knapp 120 aktiv. Die 172 Pfarreien seien in Pfarrverbände und Seelsorgeräume eingeteilt, so dass man zur Zeit die Seelsorge arantieren könne, erläuterte der Bischof. "Riesige Einbrüche" befürchte er nicht, auch wenn die Zahl der aktiven Priester weiter zurückgehen werde. Es sei auch immer wieder schwierig, Priesterseminaristen zu finden. Derzeit befinden sich zehn im Seminar, vier weitere könnten im kommenden Jahr folgen. "Es ist kein Grund zu einer Torschusspanik", meinte der Bischof. Die Diözesanleitung sei bemüht, vorhandene Charismen, Fähigkeiten und Dienste gerecht über die Diözese zu verteilen.

Zsifkovics wurde vor 25 Jahren zum Priester geweiht und "kann sagen, dass ich nach heutigem Wissensstand und nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, wieder diesen Weg gehen würde". Er habe nie ein einschneidendes "Damaskuserlebnis" gehabt, in seiner Berufung aber "Erfüllung gefunden", meinte der Bischof. Drei Faktoren - sein Elternhaus, das Pfarrleben im südburgenländischen Stinatz und seinen verstorbenen Heimatpfarrer - hält er dafür für mit ausschlaggebend.

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