07 Juni 2012, 08:30
Die heilige Juliana von Lüttich und der Ursprung des Fronleichnamfests
 
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Benedikt XVI. zur Anbetung der Heiligen Hostie: Gerade wenn wir die geweihte Hostie anbetend betrachten, zieht uns der Herr zu sich, in sein Geheimnis hinein, um uns zu verwandeln, wie er Brot und Wein verwandelt. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Am 17. November 2010 stellte Papst Benedikt XVI. im Rahmen seines Katechesenzyklus über heilige Frauen des Mittelalters die heilige Juliana von Lüttich (1191/92-1158) vor. Auf die Visionen der Augustinernonne geht das Fest „Fronleichnam – Corpus Domini“ zurück. Die Mystikerin hatte beim Beten den Mond betrachtet und auf ihm einen kleinen schwarzen Flecken entdeckt. Christus bedeutete ihr im Traum, dass der Mond für die Kirche stehe, der Flecken aber für das Fehlen eines liturgischen Festes zur Verehrung der heiligen Hostie: „ein Fest, bei dem die Gläubigen die Eucharistie anbeten konnten, um den Glauben zu mehren, die Übung der Tugenden zu fördern und die Schmähungen des Allerheiligsten Sakraments zu sühnen“.


Zum Fronleichnamfest veröffentlicht kath.net die Katechese Papst Benedikts XVI. vom 17. November 2010:

Liebe Brüder und Schwestern!

Auch am heutigen Vormittag möchte ich euch eine Frauengestalt vorstellen, die kaum bekannt ist, der aber die Kirche zu großem Dank verpflichtet ist, nicht nur aufgrund der Heiligkeit ihres Lebens, sondern auch, weil sie durch ihren großen Seeleneifer zur Einführung eines der wichtigsten liturgischen Hochfeste des Jahres beigetragen hat: des Fronleichnamsfestes. Es handelt sich um die hl. Juliana von Cornillon, die auch als die hl. Juliana von Lüttich bekannt ist. Wir besitzen einige Angaben über ihr Leben vor allem durch eine Biographie, die wahrscheinlich von einem zeitgenössischen Kleriker geschrieben wurde und in der verschiedene Zeugnisse von Personen, die die Heilige unmittelbar kannten, zusammengetragen werden.

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Juliana wurde zwischen 1191 und 1192 in der Nähe von Lüttich, in Belgien, geboren. Es ist wichtig, diesen Ort hervorzuheben, denn in jener Zeit war die Diözese Lüttich sozusagen ein wahrer »eucharistischer Abendmahlssaal«. Vor Juliana hatten namhafte Theologen dort den herausragenden Wert des Sakraments der Eucharistie erläutert, und in Lüttich gab es auch Gruppen von Frauen, die sich großherzig der Verehrung der Eucharistie und dem eifrigen Kommunionempfang widmeten. Unter der Führung von vorbildlichen Priestern lebten sie in Gemeinschaft und widmeten sich dem Gebet und den Werken der Nächstenliebe.

Als Juliana im Alter von fünf Jahren verwaiste, wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Agnes der Obhut der Augustinerinnen des Klosters und Leprosenhospitals Mont-Cornillon anvertraut. Sie wurde vor allem von einer Schwester namens Sapientia erzogen, die ihr geistliches Heranreifen förderte, bis Juliana selbst das Ordensgewand empfing und Augustinerin wurde. Sie erwarb eine beachtliche Bildung und las sogar die Werke der Kirchenväter in lateinischer Sprache, insbesondere den hl. Augustinus und den hl. Bernhard. Außer einer wachen Intelligenz zeigte Juliana von Anfang an einen besonderen Hang zur Kontemplation; sie hatte einen tiefen Sinn für die Gegenwart Christi, die sie erfuhr, indem sie das Sakrament der Eucharistie in besonderer Tiefe lebte und oft über die Worte Jesu nachdachte: »Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20).

Mit 16 Jahren hatte sie zum ersten Mal eine Vision, die sich ihr später in der eucharistischen Anbetung mehrmals wiederholte. In der Vision zeigte sich der Mond in seinem vollen Glanz, von einem dunklen Streifen durchquert. Der Herr gab ihr die Bedeutung dieser Erscheinung zu verstehen. Der Mond symbolisierte das Leben der Kirche auf der Erde, die trübe Linie dagegen das Fehlen eines liturgischen Festes, für dessen Einführung Juliana sich tatkräftig einsetzen sollte: ein Fest, bei dem die Gläubigen die Eucharistie anbeten konnten, um den Glauben zu mehren, die Übung der Tugenden zu fördern und die Schmähungen des Allerheiligsten Sakraments zu sühnen.

Etwa 20 Jahre lang hielt Juliana, die in der Zwischenzeit Priorin des Klosters geworden war, diese Offenbarung, die ihr Herz mit Freude erfüllt hatte, geheim. Dann vertraute sie sich zwei weiteren leidenschaftlichen Anbeterinnen der Eucharistie an: der sel. Eva, die als Einsiedlerin lebte, und Isabella, die zu ihr ins Kloster Mont-Corillon gekommen war.

Die drei Frauen schlossen eine Art »geistlichen Bund«, mit dem Anliegen, das Allerheiligste Sakrament zu verherrlichen. Sie wollten auch einen sehr angesehenen Priester, Johannes von Lausanne, Kanoniker der Kirche »Saint-Martin « in Lüttich, mit einbeziehen und baten ihn, Theologen und Kleriker über das zu befragen, was ihnen am Herzen lag. Die Antworten waren positiv und ermutigend.

Was Juliana von Lüttich geschah, kommt im Leben der Heiligen häufig vor: Um die Bestätigung zu erhalten, daß eine Eingebung von Gott kommt, ist es immer nötig, sich ins Gebet zu versenken, geduldig warten zu können, die Freundschaft und die Gegenüberstellung mit anderen guten Seelen zu suchen und alles dem Urteil der Hirten der Kirche zu unterwerfen. Nach anfänglichem Zögern nahm der Bischof von Lüttich, Robert von Thorote, den Vorschlag Julianas und ihrer Gefährtinnen an und führte erstmalig das Fronleichnamsfest in seiner Diözese ein. Später folgten andere Bischöfe seinem Beispiel und setzten dieses Fest in den ihrer Hirtensorge anvertrauten Gebieten ein.

Von den Heiligen verlangt der Herr jedoch oft, Prüfungen zu überwinden, damit ihr Glaube zunimmt. So war es auch bei Juliana, die starken Widerstand von seiten einiger Angehöriger des Klerus sowie des Oberen, dem ihr Kloster unterstand, erdulden mußte. So verließ Juliana aus freiem Willen das Kloster Mont-Corillon mit einigen Gefährtinnen und war zehn Jahre lang, von 1248 bis 1258, in verschiedenen Zisterzienserinnen-Klöstern zu Gast. Sie erbaute alle durch ihre Demut, übte nie Kritik oder Tadel an ihren Gegnern, sondern verbreitete weiterhin eifrig die Verehrung der Eucharistie. Sie starb 1258 in Fossela-Ville in Belgien. In ihrer Zelle war das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt, und ihrem Biographen zufolge betrachtete Juliana im Sterben mit letzter liebender Hinwendung den eucharistischen Jesus, den sie stets geliebt, verehrt und angebetet hatte.

Auch Jacques Pantaléon aus Troyes wurde für das gute Anliegen des Fronleichnamsfestes gewonnen; er hatte die Heilige während seiner Amtszeit als Archidiakon in Lüttich kennengelernt. Als er dann mit dem Namen Urban IV. Papst geworden war, setzte er 1264 das Fronleichnamsfest als gebotenen Feiertag für die Universalkirche ein, am Donnerstag nach Pfingsten. In der Einsetzungsbulle mit dem Titel Transiturus de hoc mundo (11. August 1264) verwies Papst Urban sehr zurückhaltend auch auf Julianas mystische Erfahrungen und bestätigte damit ihre Echtheit. So schreibt er: »Wenngleich die Eucharistie jeden Tag gefeiert wird, so halten wir dafür, sie wenigstens einmal im Jahr ehrwürdiger und feierlicher zu begehen. Die anderen Dinge nämlich, derer wir gedenken, begreifen wir mit dem Geist und mit dem Verstand, erhalten aber deshalb nicht ihre Realpräsenz. In dieser sakramentalen Gedächtnisfeier Christi dagegen ist Jesus Christus, wenngleich unter anderer Gestalt, in seiner eigenen Substanz bei uns gegenwärtig. Denn bevor er in den Himmel aufgenommen wurde, sagte er: ›Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt‹ (Mt 28,20)«.

Der Papst selbst wollte mit gutem Beispiel vorangehen und feierte das Fronleichnamsfest in Orvieto, der Stadt, in der er damals residierte. Auf sein Geheiß hin wurde – und wird noch immer – im Dom der Stadt das berühmte Korporale mit den Spuren des eucharistischen Wunders verwahrt, das ein Jahr zuvor, 1263, in Bolsena geschehen war. Ein Priester wurde während der Wandlung von Brot und Wein von starken Zweifeln an der Realpräsenz von Leib und Blut Christi im Sakrament der Eucharistie befallen. Auf wunderbare Weise begannen einige Blutstropfen aus der geweihten Hostie hervorzuquellen. Auf diese Weise bestätigte sich das, was unser Glaube bekennt. Urban IV. bat einen der größten Theologen der Geschichte, den hl. Thomas von Aquin – er begleitete damals den Papst und befand sich in Orvieto –, die Texte für das liturgische Gebet dieses großen Festes zu verfassen. Sie werden heute noch in der Kirche verwendet: Meisterwerke, in denen Theologie und Poesie miteinander verschmelzen. Es sind Texte, die die Saiten des Herzens in Schwingung versetzen, um dem Allerheiligsten Sakrament Lob und Dank zum Ausdruck zu bringen, während der Verstand staunend in das Geheimnis vordringt und in der Eucharistie die lebendige und wahre Gegenwart Jesu erkennt, seines Liebesopfers, das uns mit dem Vater versöhnt und uns das Heil schenkt.

Zwar wurde nach dem Tod Urbans IV. die Feier des Fronleichnamsfestes auf einige Regionen Frankreichs, Deutschlands, Ungarns und Norditaliens beschränkt, aber ein anderer Papst, Johannes XXII., stellte es 1317 für die ganze Kirche wieder her. Seitdem hat das Fest eine wunderbare Entwicklung erfahren und ist beim christlichen Volk noch immer sehr beliebt. Ich möchte mit Freude darauf hinweisen, daß es heute in der Kirche einen »eucharistischen Frühling« gibt: Wie viele Menschen verweilen still vor dem Tabernakel, um mit Jesus ein liebevolles Gespräch zu führen! Es ist tröstlich zu wissen, daß nicht wenige Gruppen junger Menschen neu entdeckt haben, wie schön es ist, das Allerheiligste Sakrament anzubeten. Ich denke zum Beispiel an unsere eucharistische Anbetung im »Hyde Park« in London. Ich bete darum, daß dieser »eucharistische Frühling« in allen Pfarreien sich immer mehr verbreiten möge, insbesondere in Belgien, der Heimat der hl. Juliana.

Der ehrwürdige Diener Gottes Johannes Paul II. stellte in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia fest: »An vielen Orten findet die Anbetung des heiligsten Sakramentes täglich einen weiten Raum und wird so zu einer unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit. Die andächtige Teilnahme der Gläubigen an der eucharistischen Prozession am Hochfest des Leibes und Blutes Christi ist eine Gnade des Herrn, welche die teilnehmenden Gläubigen jedes Jahr mit Freude erfüllt. Man könnte noch andere positive Zeichen des Glaubens und der Liebe zur Eucharistie erwähnen« (Nr. 10).

Indem wir uns an die hl. Juliana von Lüttich erinnern, wollen auch wir den Glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie erneuern. Das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche lehrt uns: »Jesus Christus ist in der Eucharistie auf einzigartige und unvergleichliche Weise gegenwärtig: wirklich, tatsächlich und substantiell, mit seinem Leib und seinem Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit. In der Eucharistie ist also der ganze Christus, Gott und Mensch, auf sakramentale Weise gegenwärtig, das heißt unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein« (Nr. 282).

Liebe Freunde, die Treue zur Begegnung mit dem eucharistischen Christus in der Sonntagsmesse ist für den Glaubensweg wesentlich, aber wir sollten auch den im Tabernakel gegenwärtigen Herrn oft aufsuchen! Gerade wenn wir die geweihte Hostie anbetend betrachten, zieht uns der Herr zu sich, in sein Geheimnis hinein, um uns zu verwandeln, wie er Brot und Wein verwandelt. Die Heiligen haben in der eucharistischen Begegnung stets Kraft, Trost und Freude gefunden. Mit den Worten des eucharistischen Hymnus Adoro te devote sagen wir immer wieder zum Herrn, der im Allerheiligsten Sakrament anwesend ist: »O gib, daß immer mehr mein Glaub’ lebendig sei, mach meine Hoffnung fest, mach meine Liebe treu!« Danke.

Weiterführender kathTube-Tipp: Gott in den Straße von New York City









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