02 Juni 2012, 08:33
Kirchenreform: Schönborn warnt vor ‚antirömischem Affekt‘
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Schönborn'
Wiener Erzbischof wehrt sich bei Podiumsgespräch in "Langer Nacht der Kirchen" gegen Eindruck, Bischöfe würden Reformanliegen nicht in Rom besprechen.

Wien (www.kath.net/ KAP)
Vor einer Verhärtung der Fronten in den gegenwärtigen Kirchenreformdebatten hat der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, gewarnt. Es gebe eine Art "antirömischen Affekt", der sich darin zeige, dass man immer weniger das wirkliche Gespräch über Streitfragen suche, sagte Schönborn bei einer Podiumsdiskussion mit dem Publizisten Heinz Nußbaumer. Das Gespräch fand im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" in der Wiener Pfarre Hinterbrühl statt. "Vielleicht haben wir aus einem antirömischen Affekt heraus das Gespräch mit Rom zu selten und zu wenig gesucht", so der Wiener Erzbischof. Dagegen beharre er darauf, dass "durch's Reden die Leut z'samm' kommen".

Werbung
romwallf


Zugleich wehrte sich Schönborn damit gegen Vorwürfe, die österreichischen Bischöfe würden Reformanliegen verschleppen oder nicht in Rom kommunizieren. "Natürlich reden wir in Rom über die Anliegen und Sorgen der Menschen in unserem Land." Er behalte sich jedoch vor, einen Unterschied zwischen jenen Dingen zu machen, die er berichtet und jenen, für die er bewusst eintrete, so Schönborn in Richtung der "Pfarrerinitiative". Zwar gebe es "durchaus bedenkenswerte Probleme und Sorgen", die die Initiative artikuliere, die Lösungsansätze teile er jedoch nicht. Auch mahnte der Kardinal in diesem Zusammenhang dazu, die Stimme des österreichischen Katholizismus im Kontext weltkirchlicher Fragestellungen nicht zu überschätzen.

Eine konkrete Klärung der Differenzen mit der Pfarrerinitiative stehe weiterhin aus. "Das Wort vom Ungehorsam kann so nicht stehen bleiben - und es wurde ja zum Teil auch schon zurückgenommen." Dennoch vermisse er ein Maß an Ehrlichkeit in dem Gespräch mit der "Pfarrerinitiative". Es genüge nicht, das Wort einfach zu streichen, sondern es müssten konkrete Schritte im Gespräch über reale pastorale Probleme und Herausforderungen geführt werden.

EZA-Kürzungen: Schönborn trifft Fischer

Im Blick auf den am Freitag eröffneten Caritas-Kongress "Zukunft ohne Hunger" und die dort zustande gekommene überraschende "Koalition" zwischen ihm und Bundespräsident Heinz Fischer gegen eine weitere Senkung des EZA-Budgets ließ Schönborn mit einer konkreten Ansage aufhorchen: Am Montag werde er in dieser Sache zu einem Gespräch mit dem Bundespräsidenten zusammentreffen.

Schließlich streifte das Gespräch auch die "Causa Stützenhofen". Diese werde ihn, so Schönborn, vermutlich "noch lange begleiten" - so hätten ihn seit seiner Entscheidung, die Pfarrgemeinderatswahlen und damit die Wahl des bekennend homosexuellen Pfarrgemeinderats Florian Stangl nicht zu beeinspruchen, zahlreiche Stimmen erreicht, die vor einem "Dammbruch" warnten. Schönborn bekräftigte neuerlich, dass er weiterhin an der Lehre der Kirche in der Frage der Homosexualität festhalte - dass es aber auch die Pflicht gebe, genau hinzusehen, "wenn und warum Menschen diesen Masterplan Gottes nicht ganz erfüllen". Es müsse stets nach dem "Lebenszeugnis" eines Menschen geschaut werden - und jenes von Stangl habe ihn beeindruckt: "Auch wenn der Masterplan Gottes hier in gewissen Punkten nicht voll erfüllt ist: dieser Mensch und sein Zeugnis ist so, dass ich sagen muss: Hut ab, da kann man sich eine Scheibe abschneiden."

Gefragt, ob er seine Vorgänger auf dem Wiener Bischofsstuhl beneide, da sie es mit weniger Problemen oder gar ruhigeren Zeiten zu tun gehabt hätten, widersprach Schönborn vehement. Sei es ein Petrus Canisius oder ein Franz Kardinal König - stets habe es durch die Zeiten hindurch große Anfechtungen der Kirche und große Probleme - soziale wie innerkirchliche - gegeben. "Ich bemitleide mich nicht", so Kardinal Schönborn schmunzelnd.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten.






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Oberster römischer Exorzist: Papst hat einen Exorzismus vollzogen (51)

Der Exorzismus des Papstes (51)

Sexueller Missbrauch: Wie pädophilenfreundlich waren die Grünen? (42)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Streit über Meisners Kritik an deutscher Familienpolitik (29)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (29)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (28)

Qui tacet, consentire videtur? (27)

Kardinal Meisner: Der neue Papst ist kein Reformer (26)

Direktor der Vatikanischen Museen kritisiert modernen Kirchenbau (20)