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| ![]() Wir brauchen eine neue Arbeitskultur31. Mai 2012 in Interview, keine Lesermeinung Das christliche Menschenbild ist immer wieder neu zu vermitteln, um daraus Leitlinien für wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen zu entwickeln, sagt Bernd Wehner, Vorsitzender des KKV im KATH.NET-Interview. Von Johannes Graf Essen (kath.net/jg) kath.net: Herr Wehner, Sie sind Vorsitzender des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV). Könnten Sie uns den Verband zunächst kurz vorstellen? Wehner: Der KKV ist neben BKU (Bund Katholischer Unternehmer), KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) und Kolping einer der vier katholischen Sozialverbände. Er wurde 1877 als Katholisch Kaufmännischer Verein gegründet. Seit 1965 haben wir uns in Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung umbenannt, aber unser altes Kürzel als Markenzeichen beibehalten. Wir sind damit Sprachrohr, Forum und Netzwerk für engagierte Christen in Wirtschaft und Verwaltung. Als starker Verband mit rund 8.000 Mitgliedern treten wir für soziale Gerechtigkeit, für mehr bürgerschaftliches Engagement und eine Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft ein. Grundlage hierfür ist die Katholische Soziallehre. Kurzum: Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Handelns. kath.net: Wie versucht der KKV seine Anliegen umzusetzen? Dabei richten wir unser Tun stark an aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen, die die Menschen bewegen, aus. Mit anderen Worten: Im KKV treffe ich Gleichgesinnte, die mir das Gefühl geben, als Christ kein Exot zu sein. Hierzu gehört auch, dass ich in einer solchen Gemeinschaft offen über meinen Glauben einschließlich der damit verbundenen Probleme reden kann. Umstände, die in unserer Zeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Gäste und Interessenten, die dies auch so sehen, sind uns deshalb herzlich willkommen. Selbstverständlich nutzen wir für die Umsetzung unserer Anliegen auch die modernen Kommunikationsmittel etwa online-Plattformen und soziale Netzwerke. kath.net: Ein wichtiges Thema ist die Übersetzung der Katholischen Soziallehre in die Sprache von heute. Warum ist das Ihrer Meinung nach notwendig und wie soll diese Übersetzung konkret aussehen? Aus diesem Grund haben wir unter dem Motto Als Kirche wirken. Mitten im Leben. im Rahmen des Dialogprozesses ein Positionspapier erstellt, mit dem Ziel das christliche Menschenbild gemäß der katholischen Soziallehre immer wieder neu zu vermitteln, um daraus Leitlinien für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen zu entwickeln. Gleichzeitig haben wir in dem Papier, das wir auch Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der DBK zugesandt haben, vorgeschlagen, die Kernaussagen der katholischen Soziallehre in eine Sprache zu übersetzen, die den Menschen von heute besser anspricht und sich an den beruflichen Lebenswelten orientiert. So schwebt uns vor, das Kompendium der Soziallehre der Kirche ähnlich wie der Katechismus für Jugendliche YOUCAT als praktischer Leitfaden für Jedermann zu übersetzen und herauszugeben. Mit der Umsetzung des Projektes, das auch von Kardinal Reinhard Marx unterstützt wird, tragen wir dazu bei, dass die katholische Soziallehre nicht nur in Fachkreisen diskutiert und verbreitet wird, sondern dass sie sowohl Jugendliche als auch in der Wirtschaft Tätige anleitet, ihr Handeln stärker nach ethischen Kriterien auszurichten. kath.net: Der KKV hat angesichts der Veränderungen der Arbeitswelt eine neue Arbeitskultur gefordert. Wie sollte diese aussehen? Doch viel mehr als diese Strukturveränderungen ist das wirklich Neue etwas Soziales: Nämlich der Umgang mit Wissen ist immer Umgang mit anderen Menschen, die wir unterschiedlich gut kennen, unterschiedlich gerne mögen und mit denen wir unterschiedlich viele berechtigte Konflikte haben. Der KKV will daher in einer breiten Diskussion Regeln für eine gute Zusammenarbeit formulieren. Das Projekt Die neue Arbeitskultur bietet allen Interessierten die Möglichkeit zur Mitwirkung. Auf der Website www.neuearbeitskultur.de werden Ideen, Vorschläge und Anregungen gesammelt. Wehner: Mit dem Ehrenpreis des KKV erinnern wir an eine alte Kernkompetenz des Verbandes: Das Ideal des "ehrbaren Kaufmanns". Während der Begriff heute wieder eine gesellschaftspolitische Renaissance erlebt, hat der KKV als einstmals kaufmännischer Verband die Idee seit 1877 hoch gehalten und auch dann dazu gestanden, als es nicht unbedingt angesagt war, in Zeiten schneller Gewinne bodenständig, nachhaltig und sozial zu sein. Insofern ist unser Leitspruch "Ehrlich im Handel, christlich im Wandel" aktueller denn je. Und so haben wir anlässlich des Ökumenischen Kirchentages 2010 in München erstmals diesen Preis vergeben und eine mittelständische Unternehmerin, Martina Feierling-Rombach, aus Freiburg damit ausgezeichnet. Zweiter Preisträger ist der bayrische Unternehmer Prof. Dr. Claus Hipp (Hipp Babynahrung). Er wurde damit auf unserem Verbandstag 2011 in Hildesheim damit ausgezeichnet. Auf die Frage was aus seiner Sicht einen "ehrbaren Kaufmann" ausmache, antwortete Claus Hipp damals: "Ehrbar ist, wertebewusst handeln, unehrbar ist, wenn rücksichtslos Erfolg angestrebt wird." Im Übrigen trifft auf unsere Preisträger das zu, was schon Thomas Mann in seinen "Buddenbrooks" dem Gründer des Lübecker Handelshauses in den Mund gelegt habe: "Mein Sohn, sei mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können." Diese Grundregel fasse eindrucksvoll zusammen, was einen ehrbaren Kaufmann ausmacht. kath.net: Wir danken für das Inteview.
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