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Thierse, ein Aufenthalt in Rom und seine beruhigte ‚Angst’, oder...

4. Mai 2012 in Aktuelles, 11 Lesermeinungen
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Wie die Sache wirklich ist. Wer hat ein Interesse daran, Keile zwischen den Papst und seine engsten Mitarbeiter zu treiben? Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Eine Meldung vom Tag, die Erstaunen erweckt und Fragen aufwirft: laut Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse werde der Vatikan bei seinen Einigungsbemühungen mit der „traditionalistischen Piusbruderschaft“, so die übliche Diktion bestimmter Medien, nicht von zentralen Lehraussagen der Kirche abrücken. Nach Gesprächen im Vatikan sei er „beruhigt“, habe der SPD-Politiker und Katholik der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Rom gesagt.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, habe Thierse versichert, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. „die Autorität des Lehramtes und damit des Zweiten Vatikanischen Konzils“ anzuerkennen habe, so KNA. Auch bei dem „besonders sensiblen“ Verhältnis zum Judentum und dem Bekenntnis zur Religionsfreiheit gebe es „kein Zittern und Zaudern seitens des Vatikan“, zitiert Thierse Kardinal Koch. Dies seien „Essentials, bei denen der Vatikan nicht nachgeben werde“.


Aber: Was heißt das?

Allein die Art der Darstellung lässt die Frage aufkommen, inwiefern einer der engsten Mitarbeiter des Papstes den Eindruck erwecken sollte, dass es zwischen ihm und Benedikt XVI. eine Kluft bei der Betrachtung der genannten Problematik gebe, als sei es, dass ein Kardinal auch den Papst darauf hinweist: bis hierhin und nicht weiter. Dies entspricht nicht der Sachlage. Es entspricht vor allem weder der Intention noch dem Sinn der Worte Kardinal Kochs gegenüber seinem Gesprächspartner.

Bei seinem Treffen mit dem Bundestagsvizepräsidenten hatte der Kardinal klar gesagt, dass er das letzte Antwortschreiben der Priesterbruderschaft St. Pius X. noch nicht kenne und es ihm daher unmöglich sei, sich konkret dazu zu äußern. Gleichzeitig hatte Koch der Pflicht gegenüber seinem Amt und gegenüber dem Papst entsprechend selbst auf etwas Selbstverständliches hingewiesen: zum Katholischsein gehört auch, dass man das päpstliche Lehramt anerkennen muss.

In Anbetracht der Tatsache des Einsatzes und der lehrmäßigen Betonung der Religionsfreiheit durch Papst Benedikt XVI. (was bereits in seiner ersten Ansprache an die Römische Kurie vom 22. Dezember 2005 einen Schwerpunkt gebildet hatte und in verschiedenen Botschaften und Wortäußerungen immer wieder thematisch war) ist es daher für Kardinal Koch schwer nachvollziehbar, dass man diesen Bereich seines Lehramtes immer wieder zu relativieren versucht. Dieser Hinweis soll für alle Katholiken ohne Ausnahme und hinsichtlich aller Kernanliegen des Papstes gelten.

Cui bono? - So verwundert es, aus welchem Grund es anscheinend einigen angebracht erscheint, gerade zwischen Kardinal Koch, der für seine intensive Auseinandersetzung mit dem II. Vatikanischen Konzil bekannt ist und an vorderster Front im Einsatz steht, wenn es um gegen Benedikt XVI. haltlos erhobene Vorwürfe geht, er stelle das Konzil zur Disposition oder gehe hinter es zurück, und dem Papst einen Keil zu treiben.

Es kann nur erstaunen und mit dem Kopf schütteln lassen, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. und die bevorstehende Einigung zu derartigen Angstzuständen führen. Angst – wovor? Es besteht kein Grund zur „Ankst“. Der Papst weiß, was er will und was geboten ist, und kann auf die Zusammenarbeit seiner engsten Mitarbeiter zählen.



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