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Wie beeinflusst das Gehirn den Glauben?

4. Mai 2012 in Chronik, 6 Lesermeinungen
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Evangelische Zentralestelle für Weltanschauungsfragen zur „Neurotheologie“


Berlin (kath.net/idea) Mit der neuen Forschungsrichtung „Neurotheologie“ setzt sich die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin) in ihrem Materialdienst auseinander. Dabei untersuchen Hirnforscher den Zusammenhang zwischen Glaubenserfahrungen und Gehirnaktivitäten. Seit längerem ist bekannt, dass bestimmte Hirnregionen bei Gebeten oder Meditation besonders aktiv sind. Wie der wissenschaftliche Referent der EZW, Michael Utsch, schreibt, werde heute zunehmend diskutiert, ob es neurobiologische Voraussetzungen für die Glaubensfähigkeit eines Menschen gebe, ob sich Religion als Vorteil im Evolutionsprozess erwiesen habe oder ob Glaube eine Fehlfunktion des Gehirns darstelle. Einige Wissenschaftler nähmen an, dass Glaubenserfahrungen von Mose, Jesus und Paulus auf besondere Aktivitäten ihres Gehirns zurückzuführen seien. So heiße es von Jesus, dass er bei seiner Taufe eine Lichterscheinung gehabt habe, und vom Apostel Paulus, dass vielleicht ein epileptischer Anfall Ursache für sein Bekehrungserlebnisgewesen sei.


Keine Aussagen über die Existenz Gottes

Die Annahme, dass sich religiöse Erfahrungen allein durch Gehirnprozesse erklären ließen, weist Utsch zurück. Nach seinen Worten muss bei der Interpretation neuropsychologischer Befunde darauf geachtet werden, dass die Grenze zwischen naturwissenschaftlicher Analyse und einer auf weltanschaulichen Voraussetzungen beruhenden Deutung nicht verwischt werde. Es sei unmöglich, mit wissenschaftlichen Methoden die Existenz Gottes zu beweisen oder zu widerlegen. Der Befund, dass eine regelmäßige spirituelle Praxis die Emotionen und das Gehirn positiv beeinflusse, sollte nicht als Selbsterlösung verstanden werden, so Utsch. Auch müsse man berücksichtigen, „dass eine Alltagsgestaltung aus der Kraft des Glaubens mehr ist als ein meditativer Höhepunkt“.

Begriff „Neurotheologie“ führt in die Irre

Utsch zufolge führt der Begriff „Neurotheologie“ in die Irre, weil es keine neurologische Begründung der Theologie gebe. Dennoch habe sich die Bezeichnung eingebürgert und werde selbst von Neurowissenschaftlern verwendet: „Präziser sollte allerdings von der Neuropsychologie der Religiosität gesprochen werden.“ Diese Forschungsrichtung könne wertvolle Beiträge zu einem besseren Verständnis des religiösen Erlebens und Verhaltens liefern.


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