24 April 2012, 08:22
'Gott sehnt sich nach uns'
 
Hildegard13
 
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Junge Leute der „Emmanuel School of Mission“ leisten Missionseinsatz bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier

Trier (kath.net/pbt) Von der Bühne auf dem Trierer Hauptmarkt schallt der Charthit „Rolling in the Deep“ von Adele, davor stehen einige Passanten, die Regen und Wind trotzen. Auch einige junge Leute sind im Publikum, sie tragen die gleichen Pullover wie die Bandmitglieder, auf denen die Aufschrift „ESM“ prangt. „Das steht für die Emmanuel School of Mission, die wir besuchen“, erklärt Monika Ostafin aus Polen. Die 22-Jährige kommt ebenso wie Bradimir Madovic (Foto) gerade zurück von der Straßenmission in Trier, die zum Glaubensverständnis der geistlichen Gemeinschaft Emmanuel gehört, die Trägerin der ESM ist.

„Das Bistum hat unsere Gemeinschaft gefragt, ob wir ein paar Tage der Wallfahrt gestalten möchten und wir haben uns sehr über die Einladung gefreut“, sagt Teamleiterin Rosaline Meusberger aus Österreich. „Was wir hier machen – Straßenmission, Messen, die Musik unserer Band und natürlich das Musical „Gangs of Turin“ gehören zum praktischen Teil der Ausbildung unserer ESM-Studenten.“ Die ESM ist eine von weltweit vier Einrichtungen der Gemeinschaft, die sich an junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren richtet. Neun Monate lang dauert die Ausbildung, gelehrt wird neben Theologie auch Philosophie, Soziallehre und Rhetorik. Die Ausbildung und das Leben in der Gemeinschaft seien zwei Säulen, auf denen das Konzept der ESM basiere, sagt Meusburger. 25 junge Erwachsene aus 15 Ländern lernen dieses Jahr an der ESM und leben zusammen auf der Josefsburg in Altötting. Die beiden anderen Schwerpunkte seien das geistliche Leben und die Mission. „Ziel ist es, die Studenten zu formen auf ihrem Weg der Heiligkeit und in ihrer Beziehung zu Gott mit dem Schwerpunkt Mission“, sagt die Österreicherin.

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Gott zwischen Buchdeckeln finden

So ist auch Monika, die in Krakau klassische Philologie studiert, an diesem Tag in der Trierer Fußgängerzone unterwegs. Sie sei in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, erzählt die Studentin. „Früher dachte ich, die Bibel ist ziemlich trocken und Gott ist ein Geist, der irgendwo in der Ferne ist. Jetzt denke ich, der Glaube ist dynamisch, Gott ist nah bei mir.“ Die große Veränderung in ihrem Glauben sei durch ein spezielles Ereignis in ihrem Leben ausgelöst worden. Mit 16 Jahren habe sie an einem Schul-Wettbewerb über das Alte Testament teilgenommen und gewonnen. Der Preis: drei dicke Bücher über das Leben Jesu Christi in Romanform. „Zuerst hatte ich nicht so viel Lust, die dicken Wälzer zu lesen, habe es aber doch getan, weil es ein Geschenk war. Darin habe ich erfahren, dass Jesus den Menschen sehr nah war, in einer Beziehung mit ihnen stand. In diesen Büchern habe ich Gott getroffen.“

Die Gemeinschaft habe Monika dann bei dem großen Jahrestreffen in Altötting kennengelernt. „Die jungen Leute waren so voller Freude, die Kirche lebendig, das hat mich sehr beeindruckt.“ Nach der Begegnung habe sie regelmäßig die Gruppe der Gemeinschaft in Krakau besucht. „Vor allem Musik bedeutet für mich eine tolle Ausdrucksform, durch sie kann ich von meinen Glauben sprechen“, sagt sie. Inzwischen ist sie nicht nur Studentin an der ESM sondern auch Mitglied bei der Gemeinschaft Emmanuel. Zurück in Krakau möchte sie weiter studieren, vielleicht ihren Master machen.

Auch Bradimir, der kein Mitglied in der Gemeinschaft ist, möchte studieren. Aber der junge Mann mit kroatischen Wurzeln hat noch andere Pläne: „Ich möchte ins Priesterseminar in Tübingen eintreten.“ Auch er sei in einer katholischen Familie aufgewachsen, habe die Messe früher oft langweilig gefunden. Als Teenager habe er eine Veränderung gespürt: „Nach der heiligen Messe war ich immer ausgeglichener, besser gelaunt.“ Zunächst habe er noch in weltlichen Dingen wie Basketball spielen oder Musikhören das Glück gesucht. „Wirklich geholfen hat mir das nicht, ich war oft gereizt und häufig schlecht drauf. Irgendwann habe ich den Glauben ernster genommen und kapiert, dass Gott jemand ist, der auf uns wartet, sich nach uns sehnt.“ In seinem Glauben habe er sich dennoch oft allein gefühlt, bis das Musical der ESM in seiner Stadt gastierte. „Das hat mich fasziniert, wie frei die jungen Menschen auf der Bühne ihr Zeugnis von Gott gaben. Nach dem Abitur habe ich überlegt, was ich machen soll und bin jetzt Student an der ESM.“

Straßenmission heißt: Suchende finden

Anfangs sei es für ihn schwierig gewesen, bei der Straßenmission Leute anzusprechen. „Ich bin eher schüchtern. Jetzt habe ich die Strategie, Passanten ein Bonbon anzubieten mit einem Bibelspruch auf einem kleinen Zettel. Viele freuen sich darüber, manche sind eher skeptisch und zurückhaltend.“ Der Grund, warum immer zwei Studenten gemeinsam missionieren sei einfach. „Der eine betet für ein positives Gespräch, der andere spricht mit dem Passanten.“ An diesem Tag sei er einer jungen Mutter mit einem kranken Kind begegnet, erzählt der 21-Jährige. „Wir haben sie eingeladen, zu unserem Musical zu kommen, wo auch die Kinder aus dem Publikum involviert sein werden. Bisher haben wir auf unserer Tournee durch Deutschland und Österreich immer positive Rückmeldungen bekommen.“ Während der Mission auf der Straße oder in Gemeinden hätte er oft erlebt, dass die Menschen auf der Suche seien. „Wir wollen uns niemandem aufdrängen, deshalb schauen wir uns genau um: Wer sieht offen und aufmerksam aus? Wenn wir den Leuten dann die Bonbons mit den Bibelversen geben, sind viele oft sehr dankbar und berührt. Es ist schön, das zu sehen.“ Noch bis Sonntag werden Monika und Bradimir mit ihren Freunden unterwegs sein, singen, schauspielern – und missionieren.

Foto: Monika und Bradimir, (c) Bistum Trier






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