17 April 2012, 11:41
Ungehorsam: 'Leute sollen wissen, wo der Bischof steht'
 
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Bischof Kapellari bei Pressereise in Rom: Begriff "Ungehorsam" in manchen kirchlichen Kontexten "ungeheurer Tabubruch" - Gesellschaft würde viel verlieren, würde die Kirche weiter geschwächt

Rom-Wien (kath.net/KAP) Der Begriff "Ungehorsam", mit dem die Pfarrer-Initiative ihre Kirchenreform-Forderungen verknüpft hat, stellt in romanischen oder slawischen Kirchenkontexten einen "ungeheuren Tabubruch" dar. Darauf hat der Grazer Bischof Egon Kapellari im Rahmen einer Pressereise mit österreichischen Journalisten in Rom hingewiesen. Der in der Bischofskonferenz für Medienfragen zuständige Bischof verstand - wie er sagte - die kritischen Äußerungen des Papstes zum priesterlichen Ungehorsam zwar als "moderat" - Benedikt XVI. habe "keine Türen zugeschlagen" -, aber keinesfalls könne daraus eine Einladung an die Pfarrer abgeleitet werden, auf ihrem Weg fortzufahren. Somit gelte weiterhin, dass die sich österreichischen Bischöfe eine Distanzierung von dem "Kampfbegriff" erwarteten.

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Zu seiner kritischen Haltung gegenüber der Pfarrer-Initiative, die er zuletzt auch ein einem Fastenhirtenbrief verdeutlicht hatte, bemerkte der Bischof wörtlich: "Ich bin weder Schilfrohr noch Betonblock. Die Leute sollen wissen, wo der Bischof steht." Er sehe sich als "Mann der Mitte", die "ein unbequemer Ort der Antagonismen" sei, so Kapellari. Er verstehe Kritik an der Kirche, setze sich jedoch dafür ein, nicht nur Schwächen anzusprechen sondern auch Stärken nicht zu verschweigen. Kritiker sollten sich genau überlegen, "ob sie die Kirche schwächer machen wollen" und was in der Folge der Gesellschaft als ganzer verloren gehen könne.

Kapellari erinnerte an den deutschen Kanzler Bismarck, der einmal gemeint hatte, mit der Bergpredigt ließe sich kein Staat regieren. Das sei zwar richtig, aber ohne Fermente glaubhaft gelebter Bergpredigt werde aus der Gesellschaft eine "große Räuberbande", verwies er auf ein Wort des Kirchenlehrers Augustinus. Christen sollten als Teil der Welt "in" der Gesellschaft leben und zugleich auch in kritischer Abgrenzung von manchem "gegen" sie, und schließlich auch transzendenzoffen "darüber hinaus", nahm Kapellari Bezug auf eine seiner Publikationen, die den spätantiken Diognetbrief aufgreift.

Die Kirche verglich der Grazer Bischof mit einem "Gefüge aus konzentrischen Kreisen" mit zwar Getauften, aber Distanzierten ganz außen und einem "glühenden Kern" überzeugend Glaubender innen. Die kirchliche Breite werde in der gegenwärtigen säkularen Zeit zwar geringer, aber er sei kein Befürworter der gegen eine breite Volkskirche gerichtete These, man müsse "die Breite beschneiden, um die Tiefe halten zu können".

Im Blick auf seinen absehbaren Rückzug als Diözesanbischof - Kapellari verlängert seine Amtszeit auf päpstlichen Wunsch bis zum seinem 77. Lebensjahr - sagte er, er wünsche sich einen Nachfolger, der sich in der Synthese von Hirn, Herz und Hand in der Praxis gelebten Christentums bewährt habe.

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