11 April 2012, 08:22
Christen, seid wachsam: Piraten in Sicht!
 
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Zu den Parolen der Piraten-Partei gegen Kirche und Christentum. Von Andreas Püttmann

Bonn (kath.net/idea) Piraterie ist aus gutem Grund international geächtet – steht sie doch für Eigentumsdelikte, Gewalttätigkeit und Freiheitsberaubung zu eigennützigen Zwecken.

Dass sich eine politische Partei in einem Rechtsstaat „Die Piraten“ nennt, könnte man insofern als Dekadenzsymbol deuten. Wer einwendet, es handele sich nur um eine augenzwinkernde Selbstetikettierung, muss sich fragen lassen: Ist Politik als machtbewehrtes Ringen und sozialethisches Mühen um das Gemeinwohl nicht ein zu ernstes Metier für eine flapsige Betitelung?

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Das Kokettieren mit Illegalität hört beim Namen ja nicht auf, wenn man etwa an die Positionen der Piraten zum Drogenkonsum oder zum Eigentumsschutz im Internet denkt.

Sie werden aus Frust über die etablierten Parteien gewählt

Auffällig ist, dass die Partei, die mit Leichtigkeit erste Landtage „enterte“ und deutschlandweit zweistellig gemessen wird, neben Nichtwählern auch Wähler aus gegensätzlichen politischen Lagern anzieht – vor allem von den „Linken“, den Grünen und der FDP.

Dies ist möglich durch ihre programmatische Unschärfe, wohlfeile Gratis-Versprechen und die Rolle als Protestpartei: Man wählt die „Piraten“ nicht für ihre Inhalte oder ihr Personal, sondern aus Frust über die etablierten Parteien. Etwa drei Viertel ihrer Wähler gaben diese Motivation in Umfragen an.

Auch dies ein Krisensignal, das nicht nur gegen den herrschenden Politikstil, sondern auch gegen das Wahlvolk sprechen kann! Politikverachtung hat eine verhängnisvolle Tradition in Deutschland – „Politisch‘ Lied, ein garstig Lied“, schrieb schon der Dichter Hoffmann von Fallersleben (1798–1874).

Mit ihrem Ziel, die Form von Politik zu verändern, werden die Piraten in der parlamentarischen Alltagsarbeit Schiffbruch erleiden. Erste Wortführer warfen schon hin; die anderen werden sich in Stil und Inhalt der „Natur der Sache“ annähern müssen wie in den 1980er Jahren die Grünen – oder wieder verschwinden. Interviews und Talkrunden-Auftritte der Piraten zeugen bisher weder von einem über das „Netz“ hinausreichenden Bildungshorizont noch von Bodenhaftung.

Christen, werft Eure Netze aus!

Ihre vulgärliberalen Parolen für eine radikale Trennung von Kirche und Staat – bei Religionspolitik meint man weniger Sachkunde zu benötigen als in der Ökonomie – und ihre antichristlichen Tanz-Provokationen am Karfreitag sind jedoch ein Signal für träge Christen!

Bloß auf die Tradition pochende Begründungen für unser Staatskirchenrecht werden in Zukunft nicht mehr ausreichen. Auch die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit ist dafür kein stabiler Legitimationstitel.

Das Recht „arbeitet“ wie Holz: Es folgt dem Wertewandel. Der Mehrwert christlicher Wirkungschancen im Staat muss den nichtgläubigen Bürgern daher überzeugender verdeutlicht werden. Christen müssen ihre Netze (Lukas 5,5) eifriger auswerfen – gerade auch im „Netz“ – und in ihre nicht bloß virtuellen Netzwerke der Liebe einladen.

Der Autor, Dr. Andreas Püttmann (Bonn), ist Politikwissenschaftler und Publizist








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