07 April 2012, 11:00
Franz Beckenbauer erzählt über seine Begegnung mit Papst Benedikt
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Fussball'
„Die Ausstrahlung, die dieser Mann hat, diese innere Ruhe und Würde und seine Herzlichkeit – das hat mich stark beeindruckt.“ - Leseprobe 1 aus dem neuen Buch, das Georg Gänswein über „Benedikt XVI. – Prominente über den Papst“ herausgegeben hat.

Rom – Illertissen (kath.net)
Aus dem Beitrag von Franz Beckenbauer:

Es war das Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Als Präsident des Organisationskomitees bereiste ich mit einer kleinen Delegation alle einunddreißig Länder, deren Nationalmannschaften sich für die WM qualifiziert hatten. Wir nannten unser Unternehmen „Welcome-Tour“ – und das war durchaus wörtlich gemeint: Wir wollten den Menschen in dem jeweiligen Land zeigen, dass wir uns auf ihr Team freuen und auf jeden Fußballfan, der mit nach Deutschland kommt, um seine Mannschaft bei den Spielen zu unterstützen.

Ende Oktober 2005 kamen wir aus Lissabon nach Rom. Von dort sollte es nach Warschau weitergehen. Es muss ein Dienstag gewesen sein. Am Abend fand in der Villa Miani – von dort hat man einen herrlichen Blick über die Dächer der „Ewigen Stadt“ – ein Empfang statt. Dabei traf ich einige von den Spielern wieder, gegen die wir bei der WM 1970 in dem spektakulären Halbfinale, das als Jahrhundertspiel in die Fußballgeschichte einging, verloren hatten. Aber auch Claudio Gentile, Giancarlo Antognoni und Dino Zoff waren da, die Weltmeister von 1982. Wirklich ein gelungener Abend.

Werbung
irak


Aber der Höhepunkt unseres Rom-Aufenthaltes stand am nächsten Tag auf dem Programm. Wie jeden Mittwoch versammelten sich Zehntausende auf dem Petersplatz zur Generalaudienz des Papstes. Und unsere kleine Delegation gehörte diesmal dazu – Wolfgang Niersbach, Fedor Radmann, Rudi Völler, Marcus Höfl und ich. Das Wetter hätte nicht schöner sein können. Azurblauer Himmel, kaum Wolken, der Platz vor dem Petersdom lag in gleißendem Sonnenlicht.

….

Ich bin von klein auf katholisch erzogen worden. Vor allem meiner Mutter war das sehr wichtig. Sie war ein gläubiger Mensch, ging bis ins hohe Alter regelmäßig in die Kirche. Sie hat mir viel fürs Leben mitgegeben – Werte, auf die es ankommt, und bestimmte Charaktereigenschaften, aber eben auch den Glauben. Als Kind war ich natürlich Ministrant in unserer Pfarrgemeinde in München-Obergiesing. Und später machte ich auch bei der katholischen Jugend mit. Aber irgendwann stand dann der Fußball mehr im Vordergrund, sodass ich mit den Kirchgängen ein bisschen geschludert habe.

Wir standen an diesem Tag also auf dem Petersplatz in Rom, etwas abseits von den Massen, in einem abgetrennten Bereich. Das hatte auch seinen Grund. Als nämlich die Generalaudienz zu Ende war, Papst Benedikt XVI. die letzten Worte gesprochen hatte, kam er zu uns. Bei ihm Georg Gänswein, sein Privatsekretär, der dankenswerterweise diese kleine Privataudienz für uns organisiert hatte. Auf einmal standen die beiden direkt vor mir – und der Papst reichte mir die Hand.

Solch einen Moment kann man schwer beschreiben. Die Ausstrahlung, die dieser Mann hat, diese innere Ruhe und Würde und seine Herzlichkeit – das hat mich stark beeindruckt. Ich habe schon viele große Persönlichkeiten getroffen, aber diese Begegnung war etwas ganz Besonderes. Sicher einer der bewegendsten Momente in meinem Leben, den ich nie vergessen werde.

Natürlich hatte ich mir vorher überlegt, worüber man mit dem Heiligen Vater sprechen könnte. Ich habe nicht unbedingt erwartet, dass er sich für Fußball interessiert oder sich damit auskennt. Aber auch da überraschte er mich. Er fing selbst an, über Fußball zu sprechen. Zum Beispiel wollte er wissen, wie die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft laufen, ob die Bauarbeiten in den Stadien rechtzeitig fertig werden und wie es um unsere Nationalmannschaft bestellt sei. Er meinte, sie sei im Moment doch sehr gut. Das sah ich damals nicht ganz so. Deshalb entgegnete ich ihm, sie sei zumindest auf dem Weg, eine gute Mannschaft zu werden. Darauf lächelte er milde.

kath.net-Lesetipp:
Benedikt XVI. – Prominente über den Papst.
Georg Gänswein (Herausgeber)
Media Maria, gebunden, 192 Seiten
ISBN: 978-3981444469
Preis: 20,95 Euro

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und dem RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch nur Inlandportokosten.

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: buch@kath.net

Für Bestellungen aus der Schweiz: buch-schweiz@kath.net

Pressekonferenz mit Prälat Georg Gänswein in München vom 15. März 2012











Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

'Ich will keinen Polit-Papst' (117)

Dürfen Christen bei 'Pegida' mitmachen? (82)

Theologe fordert Schadensersatzklage gegen Tebartz-van Elst (49)

Sind PEGIDA-Teilnehmer Nazis? (46)

Papst bei Pfarrbesuch: Kinderweinen stört Gottesdienst nicht (35)

Katholische Kirche in Österreich ein 'Saustall'? (34)

Pro-Life Agentur kritisiert Kardinal Marx (31)

Schönborn: Kirche soll Überzeugungen vertreten, ohne zu richten (28)

Marx: Benedikt XVI. ist klar, dass es nur einen Papst gibt (22)

Gottesvergessenheit und Sexualität (22)