31 März 2012, 12:50
Ein Fall für Rom
 
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Glaubenslehre und Ordnung der Kirche gelten auch in der Pfarre Stützenhofen. Ein KATH.NET-Gast-Kommentar von Pfarrer Christian Sieberer zu der Aufregung rund um den homosexuellen Pfarrgemeinderat in der Erzdiözese Wien

Wien (www.kath.net)
In der aufgeregten Diskussion um den in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebenden Pfarrgemeinderats-Kandidaten Florian Stangl in der Pfarre Stützenhofen kann ein nüchterner Blick in die Pfarrgemeinderatsordnung für die Erzdiözese Wien (PGO) schnell für klare Verhältnisse sorgen.

Dort heißt es unter IV. MITGLIEDSCHAFT IM PGR:

1. Mitglieder des PGR können nur Katholiken sein,
o die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben, im Gebiet der Pfarre einen Wohnsitz haben oder, außerhalb wohnend, in der Pfarrgemeinde mitleben,
o sich zur Glaubenslehre und Ordnung der Kirche bekennen,
o das Sakrament der Firmung empfangen haben,
o ihrer Verpflichtung zur Zahlung des Kirchenbeitrags nachkommen und
o bereit sind, Aufgaben und Pflichten im PGR zu erfüllen.

Die Stellungnahme der Erzdiözese Wien vom 21.03.2012 lautete folgerichtig:

Im Zusammenhang mit der Wahl des Pfarrgemeinderats in der Weinviertler Gemeinde Stützenhofen im Bezirk Mistelbach, teilt die Erzdiözese Wien, laut dem Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, Michael Prüller, folgendes mit:

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"Derzeit prüft die Erzdiözese Wien den Wahlvorgang in Stützenhofen und versucht, auch im persönlichen Kontakt mit den Beteiligten eine Antwort zu finden, die sowohl der Integrität des Betroffenen wie auch den Regeln der Kirche gerecht wird. Dieses Gespräch wollen wir deshalb nicht über die Medien führen.

Prinzipiell gilt aber: Gleichgeschlechtlich empfindende Menschen gehören zur Kirche wie alle anderen Katholiken auch. Das gilt natürlich auch in diesem Fall – und es ist auch niemand wegen gleichgeschlechtlicher Empfindungen 'aus der Kirche geworfen worden', wie Medienberichte behaupten.

Wir können uns aber auch nicht darüber hinwegsetzen, dass die aus dem Evangelium abgeleiteten Lebensregeln der Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht gutheißen und sich das Lehramt der Kirche eindeutig auch gegen eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen hat. Zu berücksichtigen ist auch, dass das Amt des Pfarrgemeinderats ein spezifischer kirchlicher Dienst ist. Für diesen gelten auch spezifische Voraussetzungen. Dazu zählt auch das Einverständnis mit der Glaubenslehre und der Ordnung der Kirche."

Wer noch immer nicht akzeptieren will, dass sich das Lehramt der Kirche eindeutig gegen eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen hat, der lese bitte die ERWÄGUNGEN ZU DEN ENTWÜRFEN EINER RECHTLICHEN ANERKENNUNG DER LEBENSGEMEINSCHAFTEN ZWISCHEN HOMOSEXUELLEN PERSONEN der Kongregation für die Glaubenlehre.

Papst Johannes Paul II. hat die vorliegenden Erwägungen, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden waren, in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten am 28. März 2003 gewährten Audienz approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 3. Juni 2003, dem Gedenktag der heiligen Märtyrer Karl Lwanga und Gefährten.

Joseph Card. Ratzinger
Präfekt

Dort heißt es u.a.:
4. … Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn bei den homosexuellen Handlungen bleibt « die Weitergabe des Lebens [...] beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen ».

Homosexuelle Beziehungen werden « in der Heiligen Schrift als schwere Verirrungen verurteilt... (vgl. Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10). Dieses Urteil der Heiligen Schrift erlaubt zwar nicht den Schluss, dass alle, die an dieser Anomalie leiden, persönlich dafür verantwortlich sind, bezeugt aber, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind ». Dieses moralische Urteil, das man bei vielen kirchlichen Schriftstellern der ersten Jahrhunderte findet, wurde von der katholischen Tradition einmütig angenommen.

Nach der Lehre der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen « mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen ». Diese Personen sind wie die anderen Christen gerufen, ein keusches Leben zu führen. Aber die homosexuelle Neigung ist « objektiv ungeordnet », und homosexuelle Praktiken gehören « zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen ».

5. … Das Gewissen fordert in jedem Fall, Zeugnis abzulegen für die ganze sittliche Wahrheit, der sowohl die Billigung homosexueller Beziehungen wie auch die ungerechte Diskriminierung homosexueller Menschen widerspricht. Deshalb sind diskrete und kluge Stellungnahmen nützlich, die zum Beispiel folgenden Inhalt haben könnten: den instrumentalen oder ideologischen Gebrauch aufdecken, den man von einer solchen Toleranz machen kann; den unsittlichen Charakter dieser Art von Lebensgemeinschaften klar herausstellen; den Staat auf die Notwendigkeit hinweisen, das Phänomen in Grenzen zu halten, damit das Gewebe der öffentlichen Moral nicht in Gefahr gerät und vor allem die jungen Generationen nicht einer irrigen Auffassung über Sexualität und Ehe ausgesetzt werden, die sie des notwendigen Schutzes berauben und darüber hinaus zur Ausbreitung des Phänomens beitragen würde.

8. … Die homosexuellen Lebensgemeinschaften erfüllen auch nicht in einem weiteren analogen Sinn die Aufgaben, deretwegen Ehe und Familie eine eigene qualifizierte Anerkennung verdienen. Es gibt jedoch gute Gründe zur Annahme, dass diese Lebensgemeinschaften für die gesunde Entwicklung der menschlichen Gesellschaft schädlich sind, vor allem wenn ihr tatsächlicher Einfluss auf das soziale Gewebe zunehmen würde.

11. … Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen.

Zur friedlichen Beilegung dieses Konflikts vor dem Osterfest bitte ich daher Florian Stangl, seine Pflichten als Kandidat für die Pfarrgemeinderatswahl im Nachhinein zu erfüllen und ein klares Bekenntnis zur oben zitierten Glaubenslehre und Ordnung der Kirche abzulegen.

Sollte dies nicht möglich sein, ist eine Anfechtung der Wahl in Rom unvermeidlich.

Christian Sieberer ist Pfarrer in der Erzdiözese Wien

KATHPEDIA: Kontakt Kardinal Schönborn

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kathTube - Screenshot - Kurier - Homosexueller Pfarrgemeinderat





KATHPEDIA: Bibel und Katechismus über "Homosexualität"

Zitate aus dem Katechismus:

2357 „Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‚dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind’ (CDF, Erkl. ‚Persona humana’ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“

2358 „Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tief sitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfasstheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.“

2359 „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft –, durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.“









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