20 März 2012, 15:01
Am Ende entscheidet ein neun Jahre altes Kind über den Nachfolger
 
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Der Leichnam des koptisch-orthodoxen Kirchenoberhaupts Schenuda III. wurde im Anschluss an den Gottesdienst am Nachmittag mit einem Militärflugzeug nach Wadi El-Natrun geflogen. Die Beisetzung fand im dortigen Wüstenkloster Deir Anba Bishoi statt

Kairo (kath.net/KAP) Zehntausende Gläubige haben am Dienstag in der Kairoer Markus-Kathedrale das Requiem für den am Samstag verstorbenen Papst-Patriarchen Schenuda III. gefeiert. Der Leichnam des koptisch-orthodoxen Kirchenoberhaupts wurde im Anschluss an den Gottesdienst am Nachmittag mit einem Militärflugzeug nach Wadi El-Natrun geflogen. Die Beisetzung fand im dortigen Wüstenkloster Deir Anba Bishoi statt. Im öffentlichen Dienst angestellte christliche Ägypter erhielten den Dienstag arbeitsfrei.

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Die Wahl des Nachfolgers von Schenuda III. für das Amt des Papst-Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche dürfte mehrere Monate dauern. Das Auswahlverfahren ist sehr kompliziert.

Zuletzt wurden in der koptischen Kirche auch immer mehr Stimmen laut, die für eine Verschiebung der Wahl bis nach der für 1. Juli geplanten Amtseinführung eines neuen ägyptischen Präsidenten plädierten. In der aktuellen Situation wollten sich die Kopten auf die Präsidentschaftswahl konzentrieren und damit ihre Zugehörigkeit zur ägyptischen Gesellschaft hervorheben und erst dann einen neuen Papst wählen, sagte am Montag etwa Bischof Bishoi von Damiette.

Auch Schenuda III. war 1971 erst acht Monate nach dem Tod seines Vorgängers Patriarch Kyrill VI. gewählt worden. Bis zur Wahl eines neuen Papst-Patriarchen von Alexandrien steht der aktuelle Bischof von Beheira, Pachomios Antonios El Suriani, als "Locum tenens" vorübergehend an der Spitze der Kirche.

Die umfassenden Regeln der Papstwahl legen sowohl koptische Traditionen als auch ein Dekret des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser von 1957 fest. Im Zentrum steht dabei eine Wahlversammlung aus Mitgliedern des Heiligen Synods der koptisch-orthodoxen Kirche - ihm gehören rund 150 Bischöfe und Äbte an - und Laienvertretern. Sie geben in einem mehrstufigen Wahlprozess ihre Stimmen ab.

Wählbar sind dabei Erzbischöfe und Mönche, die älter als 40 Jahre sind. Die koptischen Traditionen sehen zudem vor, dass der Kandidat seit mindestens 15 Jahren im Kloster lebt.

Umstritten ist, ob Bischöfe, die derzeit für eine Diözese verantwortlich sind, von der Wahl ausgeschlossen sind. Insgesamt umfasst die Liste der denkbaren Kandidaten laut ägyptischen Medienberichten rund 100 Namen.

Ausschlaggebend für den 118. Nachfolger des Heiligen Markus ist am Ende allerdings nicht die Wahlversammlung, sondern laut koptischer Tradition "der Wille Gottes". Nach der Wahl werden nämlich die drei Kandidaten mit den meisten Stimmen auf drei Zettel geschrieben. Bei einer Zeremonie in der Markuskathedrale im Kairoer Stadtteil Abbassiya entscheidet dann ein maximal neun Jahre altes Kind, dem zuvor die Augen verbunden werden, im Losverfahren über den nächsten Papst der koptisch-orthodoxen Kirche.

kathTube: Erster CNN-Bericht vom Begräbnis





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