20 März 2012, 15:00
Salzburg sucht den 'Super-Erzbischof'
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Erzdiözese Salzburg'
Erzbischof Alois Kothgasser arbeitet intensiv daran, dass in den Salzburger Dreivorschlag zumindest ein Wunschkandidat reinkommt, ein "Mann der Mitte", der keine Schlagseiten hat und von den Gremien befürwortet wird.

Salzburg (kath.net/rn)
Salzburg sucht den "Super-Erzbischof". "Es wird schon heftig intrigiert": das behaupteten zumindest die "Salzburger Nachrichten" (SN) vor einigen Tagen, die sich (wieder einmal) dem Thema "Neuer Erzbischof für Salzburg" gewidmet haben. Klar ist, dass die SN durchaus Interesse haben, in Salzburg einen liberalen Erzbischof zu pushen. Der derzeitige Erzbischof Alois Kothgasser möchte ja einen "Mann der Mitte, der keine Schlagseiten hat". Was damit genau gemeint ist, ist unklar und vage. Kircheninsider aus der Erzdiözese Salzburg vermuten, dass Kothgasser damit jemanden meint, der möglichst nirgendwo aneckt und es möglichst allen recht macht.

Werbung
romwallf


Fraglich ist, ob diese Profilanforderung allerdings im Einklang mit den römischen Anforderung steht. Denn hier sind durchaus andere Kriterien gefragt. "Jene, die im Namen der Kirche den Dienst der Lehre und der Leitung ausüben, müssen fest im Glauben der Kirche verankert sein, um nicht dem Zeitgeist oder der Resignation zu verfallen": so schrieb Papst Johannes Paul II. in seinem „Brief an die deutschen Kardinäle“ im Jahr 2001. KATH.NET hat berichtet. Und Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, hatte im vergangenen Dezember in der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz "L'Avvenire" klargestellt, wie die Kriterien und das Anforderungsprofil für einen Bischof von heute lauten: „Heute, besonders im Kontext unserer säkularisierten Gesellschaften, brauchen wir Bischöfe, die die ersten Evangelisatoren sind, und nicht bloße Verwalter der Diözesen. Die fähig sind, das Evangelium zu verkünden. Die nicht nur theologisch dem Lehramt und dem Papst treu sind, sondern auch in der Lage sind, den Glauben öffentlich darzulegen und, wenn nötig, öffentlich zu verteidigen“.

Zurück zur Erzdiözese Salzburg. Dort gibt es laut den SN Bestrebungen, einen konservativen Kandidaten in den Dreivorschlag zu bringen. Die Rede ist von verschiedenen Priestern, darunter Kandidaten aus der Gemeinschaft "Das Werk". In der Vergangenheit wurden über die Medien gezielt Namen lanciert, dies aus einem präzisen Grund: um die Kandidaten zu verhindern. Laut der Zeitung könnten auch Bischof Manfred Scheuer (Innsbruck), der als liberal gilt, sowie der Wiener Weihbischof Franz Scharl nach Salzburg wechseln.

Aus dem Dreivorschlag muss das Domkapitel einen Kandidaten wählen. Das Vorschlagsrecht dazu hat Rom. Kothgasser selber dürfte derzeit im Hintergrund sehr bemüht sein, seinen Kandidaten in den Dreivorschlag Eingang finden zu lassen. So hat er verschiedenste Gremien, die oft von liberalen Kräften dominiert werden, nach Namen gefragt. Darüber hinaus möchte der jetzige Erzbischof auch in Rom selbst "Bischofs-Politik" betreiben und seine Kandidaten stützen. Immerhin ist Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone – wie Kothgasser – ein Salesianer Don Boscos. Bertone selbst gilt allerdings als durchaus konservativer als Kothgasser.






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Freiburg: Romkritische Priestergruppe will Reformen vorantreiben (46)

Schönborn: Papstwahl war 'eine enorme Erfahrung des Heiligen Geistes' (41)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Der Exorzismus des Papstes (37)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (30)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (28)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (25)

Missbrauchsvorwürfe gegenüber Gründer der Johannesgemeinschaft (20)

‚Auch der Tango gefällt mir‘ (18)

Klerikalismus: Die Versuchung des Geldes und der Eitelkeit (18)