18 März 2012, 08:04
Zur Sonntagsmesse in den Bombenbunker
 
Hildegard13
 
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Israel: Die erneute Welle der Gewalt beunruhigt auch die kleine hebräischsprachige katholische Gemeinde von Beerscheba. Von Andrea Krogmann (KNA)

Beerscheba (kath.net/KNA) Mehr als 200 Raketen sind seit vergangenem Freitag vom Gazastreifen aus auf Israel gefeuert worden. Die meisten von ihnen wurden von der «Eisernen Kuppel» abgefangen; das neue israelische Raketenabwehrsystem erweist sich als effizient.

Allmählich kehrt Normalität in den Städten Aschdod, Aschkelon und Beerscheba ein. Doch die seit der Nacht zu Dienstag geltende Feuerpause ist fragil. Die erneute Welle der Gewalt beunruhigt auch die christliche Gemeinde von Beerscheba.

«Wenn die Sirene losgeht, haben wir 60 Sekunden Zeit, um den nächsten Schutzraum aufzusuchen», sagt Gioele Salvaterra. Der Bozener Priester ist seit 2009 im Heiligen Land und für die kleine hebräischsprachige katholische Gemeinde in Beerscheba verantwortlich.

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Am Sonntag entschied der Südtiroler, die Messe in den Schutzkeller unter dem Gemeindehaus zu verlegen, nachdem eine Rakete nur 150 Meter neben dem Gebäude einschlug. «Sonntag war der
schlimmste Tag», erklärt Salvaterra.

Die meisten Gemeindemitglieder kommen nach seinen Angaben jedoch trotz der Gefahr zu den Gottesdiensten: «Vor allem die Kinder haben das Bedürfnis, über ihre Angst zu reden.»

Es ist die größte Eskalation seit der israelischen Militäroperation «Gegossenes Blei» zum Jahreswechsel 2008/2009: Mehr als 200 Raketen auf Israel, 37 Angriffe der israelischen Luftwaffe auf Ziele im Gazastreifen mit 25 getöteten Palästinensern, so die vorläufige Bilanz des jüngsten Schlagabtauschs.

Ausgelöst wurde er durch die gezielte Tötung des Anführers einer radikalen Palästinenserorganisation durch die israelische Luftwaffe vor einer Woche.

In der Nacht zu Dienstag verkündeten beide Seiten einen Waffenstillstand. Doch auch wenn es seitdem ruhiger geworden ist, vermeldet Israel täglich weitere Einschläge. Der anhaltende Beschuss hat auf israelischer Seite das Alltagsleben teilweise lahmgelegt. 200.000 Schüler blieben drei Tage lang zuhause.

«Wir freuen uns natürlich, wenn keine Schule ist», beschreibt die junge Christin Salma die Lage. «Aber die Situation ist nicht normal: Nach dreieinhalb Jahren sind die Bewohner die ständigen Sirenen nicht mehr gewöhnt.»

Der Raketenbeschuss ist in erster Linie eine psychologische Waffe, erklärt die Sprecherin des medizinischen Zentrums «Barzilai» in Aschkelon, Lea Malul. Für sie geht es nicht nur darum, wie viele durch eine Rakete konkret verletzt oder getötet werden: «Die posttraumatische Belastung kann keiner verstehen.»

Betroffen sind vor allem die Kinder, betont Aschkelons Bürgermeister Benny Vaknin. Einen erneuten Gazakrieg will Vaknin, der sich vor der Machtübernahme der Hamas für Projektpartnerschaften von Gaza-Stadt und Aschkelon engagierte und den damaligen Bürgermeister von Gaza zu seinen Freunden zählt, unbedingt vermeiden. «Wir müssen die Menschen auf den Frieden vorbereiten. Wenn wir einander kennen lernen, können wir psychologische Mauern niederreißen.» Damit scheint Vaknin vielen Bewohnern aus dem Herzen zu sprechen.

«Das schlimmste ist, dass du die andere Seite kennst und weißt, dass du in Frieden leben könntest», formuliert es Carol. «Früher sind wir jedes Wochenende nach Gaza gefahren, an die wunderschönen Strände, oder palästinensische Freunde besuchen, die hier arbeiteten.» Die Krankenschwester und mehrfache Großmutter lebt im Kibbutz Nir Oz, etwa drei Kilometer Luftlinie zum Gazastreifen.

In der «ruhigen Zeit» zwischen September und Ende Februar sind nach Angaben der Regionalratssprecherin 56 Raketen im Gebiet um das Kibbutz eingeschlagen. «Eine richtige Waffenruhe hatten wir nie. Früher war das ein ganz anderes Leben», so Carol. Den Kontakt zu Freunden im Gazastreifen hat das Kibbutz gehalten: «Drei von uns haben Mobiltelefone nach Gaza gegeben, über die wir miteinander sprechen können.»

Direkte Kontakte nach Gaza, etwa zur dortigen katholischen Pfarrei, hat Gioele Salvaterra nicht. Für seine kleine Gemeinde hofft er einfach, dass die nächste Sonntagsmesse nicht mehr im Bunker gefeiert werden muss. «Wir wollen keinen Krieg, wir beten für den Frieden!»

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.








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