08 März 2012, 15:00
Gottesdienste, 'Geschwätzigkeit' und 'Freistilliturgie'
 
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Theologe Pesch bei Diskussion mit Salzburger Erzbischof über das 2. Vatikanum: Liturgiekonstitution führte in ihrer Folge zu zum Teil chaotischen Zuständen, etwa wenn Gottesdienste in "Geschwätzigkeit" oder eine "Freistilliturgie" abglitten

Salzburg (kath.netKAP) An die bleibende Herausforderung, die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) immer wieder neu für die Kirche zu erschließen, hat der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser erinnert. Es brauche ein "Vertiefung des Konzils, aber keine Reform der Reform", unterstrich Kothgasser bei einem Podiumsgespräch aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums des Konzils mit dem deutschen Theologen Otto Hermann Pesch am Mittwochabend in Salzburg. Ansatzmöglichkeiten dazu böte u. a. das kommende "Jahr des Glaubens".

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Besonders würdigte der Erzbischof die Dokumente zur Ökumene sowie die Konstitution über die Kirche, "Lumen Gentium". Dies sei "wirklich ein Fortschritt" gewesen. Wer dies leugne, nehme das Konzil nicht ernst, so Kothgasser, der die letzten Tage des Konzils 1965 als Student im Petersdom "live" erlebt hatte. Insgesamt habe das Konzil eine starke dialogische Öffnung der Kirche bewirkt, derzeit gebe es allerdings Tendenzen, die diese Öffnung wieder zurücknehmen wollten.

Als "vollkommen undenkbar" bezeichnete auch Otto Hermann Pesch jeden Versuch, einen "Weg zurück", d. h. vor das Konzil einzuschlagen, wie es etwa die Rückkehr zur "Alten Liturgie" oder die Verhandlungen mit den Piusbrüder suggerierten. "Wenn die Liturgie nach rückwärts reformiert wird, werden noch weniger Leute in die Kirche kommen", warnte Pesch. Außerdem müssten die Piusbrüder erst einmal beweisen, was tatsächlich beim Konzil "unkorrekt gelaufen" sei. Er selbst habe jedenfalls großen Respekt davor, was die rund 2.700 Konzilsväter in den drei Konzilsjahren alles erarbeitet haben, so Pesch, der selbst als Theologiestudent das Konzil erlebte.

Zugleich verwies Pesch aber auch auf enttäuschte Hoffnungen im Blick auf das Konzil. So führte etwa die Liturgiekonstitution von 1963 in ihrer Folge zu zum Teil chaotischen Zuständen, etwa wenn Gottesdienste in "Geschwätzigkeit" oder eine "Freistilliturgie" abglitten, so Pesch. Problematische Übersetzungen von liturgischen Büchern hätten ebenfalls zu Konflikten geführt. Prinzipiell habe es in der Nachkonzilszeit zahlreiche Versuche gegeben, die Konzilsergebnisse abzuwerten - etwa mit Blick auf den gegenwärtig wieder erlahmenden ökumenischen Dialog oder die Mitarbeit der Laien in der Kirche. Im gegenwärtigen Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici, 1983) orientiere sich die rechtliche Gestaltung des kirchlichen Lebens "sogar vorwiegend an vorkonziliaren Dokumenten", so Pesch.

Liturgiemissbrauch in der Diözese Linz





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Foto: (c) Archiv und Diözese Linz







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