
Berlin (kaht.net/KNA) Die Kritik an dem umstrittenen Theaterstück «Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn» hat der Regisseur Romeo Castellucci nachdrücklich zurückgewiesen. «Ich verstehe und akzeptiere Kritik von Zuschauern», sagte Castellucci am Montagabend nach der Erstaufführung im Berliner Theater «Hebbel am Ufer». Wenn der Protest jedoch von jemand komme, der das Stück nicht gesehen habe, alarmiere ihn das «als Bürger». «Das ist dann Zensur», so der italienische Regisseur.
Castelluccis Stück zeigt vor dem Hintergrund eines überdimensionalen Jesusporträts die Pflege eines dementen und inkontinenten Vaters durch seinen Sohn. Anschließend betreten Kinder die Bühne und werfen «Handgranaten» auf das Jesusbild. Daraufhin verbrennt es symbolisch und an Blut erinnernde Flüssigkeiten fließen darüber. Durch unterschiedliche Beleuchtung erscheint abwechselnd die Aussage «Du bist mein Hirte» und «Du bist nicht mein Hirte».
Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte das Stück vor der Aufführung im Theater «Hebbel am Ufer» scharf kritisiert. «Ich verurteile es, dass das, was Menschen aus ihrem Glauben heraus wichtig und heilig ist, in dieser Weise durch den Dreck gezogen wird», zitierte die «Bild»-Zeitung (Montag) den Berliner Erzbischof. «Das ist unanständig. Es gibt keinen Grund, sich etwas anzusehen, was nur der Provokation dient», betonte Woelki.
Castellucci erklärte dagegen, sein Theaterstück sei keine Kritik an der Kirche. Ihn interessierten deren Probleme nicht. «Der Wahnsinn ist eigentlich, dass einige Vertreter der Kirche denken, sie seien Inhaber des Bildes von Jesus. Der Anblick gehört aber allen, auch denjenigen, die nicht glauben», so der Regisseur.
Bei Aufführungen dieses Theaterstücks gab es in den vergangenen Monaten bereits in Italien und Frankreich Proteste. Die französischen Bischöfe reagierten unterschiedlich darauf. Während einige die Kundgebungen unterstützten, äußerten sich andere zurückhaltender.
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