16 Februar 2012, 11:54
Wahre Liturgie: sich von der Wirklichkeit Gottes durchdringen lassen
 
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Benedikt XVI. an die Seminaristen des ‚Seminario Romano Maggiore’: Gleicht euch nicht der Macht der Finanz und der Medien an! Über den christlichen Nonkonformismus. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Der Christ ist dazu berufen, sich nicht anzupassen, um frei zu sein. Er darf sich nicht an die Macht der Finanz und der Medien anpassen, die – obwohl sie notwendig sind – Gefahr laufen, den Menschen zu unterdrücken. Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. am gestrigen späten Nachmittag im Rahmen einer in freier Rede gehaltenen „lectio divina“ an die Seminaristen des Päpstlichen Römischen Seminars. Wie es Tradition ist, besuchte der Bischof von Rom „seine“ Seminaristen, wie er sich ausdrückte, anlässlich des Festes der Gottesmutter vom Vertrauen.

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Die „lectio divina“ ging von zwei Versen aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer aus: „Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist“ (12,1-2). Benedikt XVI. betonte entsprechend dieser Einladung des Völkerapostels den „Nonkonformismus des Christen gegenüber der Welt".

Sich nicht an die Welt anzugleichen bedeute jedoch nicht, vor der Welt zu fliehen. Vielmehr handle es sich um einen Weg, um wahrhaft frei zu sein. Es bestehe die Gefahr, dass die Macht der Finanz kein Instrument mehr sei, das den Menschen begünstige, sondern das ihn unterdrücke.

Die Finanzwelt werde zu einer Macht, die dazu führe, gleichsam Mammon anzubeten, „die eigentliche falsche Gottheit, die die Welt beherrscht“. Hinsichtlich des Konformismus der Unterwerfung gegenüber dieser Macht sei es notwendig, dass der Christ ein Nonkonformist sei: „nicht das Haben zählt, sondern das Sein zählt!“, so der Papst: „Wir wollen uns nicht Mammon unterwerfen, sondern ihn als Mittel benutzen, doch mit der Freiheit der Kinder Gottes“.

Das zweite aktuelle Problem bestehe in der Macht der öffentlichen Meinung. Oft sei es so, dass die Information nicht wirklich Klarheit schaffe. Was gesagt und geschrieben werde, „wird oft wichtiger als die Wirklichkeit selbst“. Die virtuelle Welt laufe so Gefahr, wichtiger als die wirkliche zu werden. Doch der Christ wolle sich nicht anpassen, sondern frei sein. So werde er erlöst und der Wahrheit erstattet: „und wir wollen zum Herrn beten, dass er uns helfe, in diesem Nonkonformismus freie Menschen zu sein, was keine Gegnerschaft zur Welt, sondern die wahre Liebe zur Welt bedeutet“.

Benedikt XVI. stellte fest, dass die Kirche von Rom auch heute sehr beredet und über vieles von ihr gesprochen werde: „Hoffen wir, dass auch von unserem Glauben gesprochen wird, vom beispielhaften Glauben der Kirche Roms, und wir wollen den Herrn bitten, dass wir es ermöglichen können, dass nicht nur von vielen Dingen gesprochen wird, sondern vom Glauben der Kirche Roms“.

Der Papst mahnte, dass Christentum nicht nur Spiritualisierung oder Moralisierung bedeute, sondern Fleischwerdung. Die Einladung des Apostels Paulus, seinen eigenen Leib darzubringen, sei so eine Einladung, sich von Gott durchdringen zu lassen. Das absolute Geschenk des Priesters sei Liturgie, die wahre Liturgie „ist jene unseres Seins im Leib Christi“: „Wir müssen uns wahrhaft von der Wirklichkeit Gottes durchdringen lassen, so dass unser ganzes Leben – und nicht nur einige Gedanken – Liturgie und Anbetung ist“.








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