16 Februar 2012, 11:28
Jesuit Samir: Furcht syrischer Christen vor Wende gerechtfertigt
 
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Islamexperte am Päpstlichen Orientalischen Institut: Gewaltspirale durch Regierung und Opposition

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die Christen unterstützen Syriens Präsidenten Bashar al-Assad nicht, "sie fürchten bloß ein neues System, und von den beiden Übeln bevorzugen sie das, was sie kennen": Das betonte der Islamexperte am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom, der aus Ägypten stammende Jesuit P. Samir Khalil Samir (Foto), in einem "Radio Vatikan"-Interview am Mittwoch.

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Samir würdigte den jüngsten Friedensappell des Papstes, denn es sei wichtig, "dass alle - Christen, Muslime und auch die Regierung und die Opposition - sehen, dass der Kirche sehr an Frieden und Gewaltlosigkeit gelegen ist". Es gehe nicht um den Schutz der Kirche, sondern darum, dass "es Gewalt und Leid gibt". Der Papst reagiere "immer so, wenn es Probleme irgendwo in der Welt gibt: Er verteidigt damit alle Menschen", betonte der Theologe und Islam-Experte.

Wenn auch manche die Bischöfe für zu regimetreu hielten oder ihnen mangelnde Deutlichkeit in ihren Stellungnahmen vorhielten, gelte doch, dass es ihnen um ein Abgehen von der Gewalt gehe. "Das Problem ist, dass es jetzt Gewalt von beiden Seiten gibt, auch wenn die Gewalt der Regierung natürlich stärker ist. Aber auch die Opposition wird gewalttätig, weil sie sich verteidigen muss und auch, weil sie Waffen bekommt - wie sie sagen aus Katar und den Golfstaaten. Wir haben nun eine blockierte Lage: Jeder will stärker sein, was mehr Waffen und mehr Tote bedeutet. Das müssen wir stoppen", sagte Samir.

Sorge vor "Modell Ägypten"

Nach einem Regimewechsel kämen mit Sicherheit neue große Probleme auf die Christen zu, sagte der Jesuit: "Die Regierung in Syrien war säkularer als die Opposition es jetzt ist. Sie wollten Gleichheit zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, auch, weil die regierende Schicht selbst einer Minderheit angehört, den Alewiten, die selbst nicht größer ist als die der Christen. Für die Christen bedeutete das Ruhe, solange sie sich nicht in die Politik einmischten: Genau so haben sie sich bislang verhalten, obwohl diese Politik undemokratisch und gewalttätig war. Wir werden wahrscheinlich ein islamisches Regime bekommen, das für Christen eine Gefahr darstellt."

Das neue Regime werde wahrscheinlich weniger neutral sein; "was in Ägypten passiert, wird sich in andern Ländern wiederholen". Denn außer den Muslimbrüdern gebe es kein anderes politisches Projekt. "Es könnte die weniger schlimme Variante sein. Aber in jedem Fall wird es für eine ganze Zeit schlimm werden - mit Assad oder mit einem neuen Regime. Wir werden jahrelang Schwierigkeiten haben", zeigte sich Samir wenig optimistisch.

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