08 Februar 2012, 13:51
Bischof Küng gegen geplanten buddhistischen Tempel in Gföhl
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Diözese St. Pölten'
St. Pöltner Bischof: Frage, warum in einer an Buddhisten nicht gerade reichen Waldviertler Gegend der größte Stupa Europas gebaut werden soll

St. Pölten (kath.net/KAP) Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng hat seine Vorbehalte gegen den Bau eines buddhistischen Stupa in der Walviertler Gemeinde Gföhl erneuert. "Was mich bei der ganzen Sache vor allem stört, ist, dass eines der Hauptargumente die Hoffnung auf Tourismusbelebung ist", sagte Küng in der jüngsten Ausgabe der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt".

Das sei "ein sehr stark materieller Schwerpunkt", dessen Erfolgsaussichten zweifelhaft erscheinen, so der Bischof. Die Frage, warum in einer an Buddhisten nicht gerade reichen Gegend der größte Stupa Europas gebaut werden soll, bewege die meisten Diskussionsteilnehmer und auch ihn.

Werbung
christenverfolgung


Schon in einem "Kurier"-Interview in der Adventzeit im Vorjahr hatte Küng "Verwunderung" darüber geäußert. Kritik übte er daran, dass in der Öffentlichkeit von dem Stupa als einem Welt-Friedens-Denkmal geredet werde, während seinen Informationen zufolge aber ein religiöses Zentrum von koreanischen Mönchen entstehen solle.

Mittlerweile "dürfte es allen Befürwortern wie Gegnern klar sein, dass es sich nicht um ein reines Friedensdenkmal, sondern um einen Tempel mit angebautem Kloster handelt", so Bischof Küng.

Das Zweite Vatikanische Konzil habe zwar gelehrt, "in allen Religionen das zu respektieren, was in ihnen an Wahrem enthalten ist". Dennoch finde er es "etwas traurig", dass viele Christen "die Meditationsschätze unseres eigenen Glaubens nicht kennen und nützen", während der Buddhismus gerade für seine Meditationsformen geschätzt werde.

Wäre er gefragt worden, hätte er den Bau eines Stupa in Gföhl "sicher nicht befürwortet", so der Bischof. Er sei kein Gegner des Buddhismus und "respektiere jeden Andersdenkenden, auch wenn ich nicht seiner Meinung bin". Der Bau aber scheine ihm "nicht gut begründet".

Falls der Stupa errichtet wird, würden "wir Christen uns bemühen, unseren christlichen Glauben entsprechend zu leben und gerade deshalb ein gutes Miteinander zu pflegen", versicherte Küng.

Er sehe die Causa vor allem als "ernste Anfrage" an Christen, wie es um ihren eigenen Glauben steht.

"Haben wir vergessen, dass jede unserer Kirchen ein Friedensdenkmal ist, weil Christus 'Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut'?", zitierte Küng den Apostel Paulus.

Volksbefragung in Gföhl am 12. Februar

Der Bischof äußerte sich im Vorfeld einer geplanten Volksbefragung zum Projekt am 12. Februar. Die Gföhler Bevölkerung soll dabei entscheiden, ob das betreffende Grundstück für die Errichtung des Sakralbaus umgewidmet werden soll.

An dieser Vorgangsweise hatten sich auch politische Konflikte entzündet, die zu einem Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition im niederösterreichischen Landtag führten. Es könne nicht sein, dass die Volksbefragung nur ab einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent für den Gemeinderat bindend werde, so der Standpunkt der Freiheitlichen.

Aber auch in der Kirche gibt es unterschiedliche Stimmen zum Bauprojekt: Eine Ablehnung des Stupa dürfe nicht "mit einer unsachlichen Diffamierung des Buddhismus verbunden" werden, hieß es in einer öffentlichen Erklärung Mitte Dezember des Vorjahres. Unterzeichner waren u. a. der Altenburger Abt Christian Haidinger, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Martin Jäggle, und "Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.

Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Die Kirche ist weiblich – Braut und Mutter (65)

Kardinal Sarah warnt vor „Priestertum gemäß menschlicher Kriterien“ (42)

Reichtum verführt und macht zum Sklaven (41)

Pfarrer an Pfingstsonntag mit Kopftuch am Altar (39)

Hartl „etwas zweigeteilt“ über Hochzeitspredigt von Bischof Curry (38)

Schweden: Kleinstadt erlaubt Muezzinruf, verbietet Kirchenglocken (33)

Bischof Fürst distanziert sich von Kopftuch-Pfarrer (29)

Verbessern oder verändern? – Oder Die Treue zur Liturgie (17)

Einfach nur anschauen, sich berühren lassen ... (16)

„Nein, diese Sätze meine ich jetzt nicht satirisch... leider!“ (15)

Papst besorgt über Priestermangel in Italien (14)

Papst will sich erneut mit Missbrauchsopfern aus Chile treffen (13)

Papst Franziskus gegen homosexuelle Priesteramtsanwärter (11)

Die Evangelische Kirche möchte im Internet den "Teufel austreiben" (10)

'Yes, Jesus loves me' (9)