01 Februar 2012, 18:17
'Es war Teil meines Jobs als Oberhirte'
 
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'Manchmal muss man handeln.' US-Bischof Fabian Bruskewitz, der im Jahr 1996 die Mitglieder einer 'Wir sind Kirche'-Gruppe und anderer Vereine seiner Diözese exkommunizierte, erzählt im Interview zu seiner Emeritierung, warum er es damals tat.

Lincoln (kath.net) Der US-Bischof, der 1996 durch die Exkommunikation einer „Wir sind Kirche“-Gruppe in seiner Diözese Schlagzeilen machte, berichtet in einem Interview zu seinem altersbedingten Rücktritt über das blühende Leben seiner kleinen Diözese, die Wirren der 60er-Jahre und seinen Ruf als „konservativer“ Bischof. Das meldet der “National Catholic Register”.

Bischof Fabian Bruskewitz (76) war 20 Jahre Oberhirte der Diözese Lincoln im US-Bundesstaat Nebraska und wurde dafür bekannt, dass er im Jahr 2006 die Bestätigung des Vatikans erhielt, in seiner Diözese die Gruppe „Call to Action“, die dem „Kirchenvolksbegehren“ nahe steht, zu exkommunizieren. Bereits im März 1996 hatte Bischof Bruskewitz verkündet, dass alle Mitglieder von „Call to Action“ und einiger anderer Dissidentengruppen, die er als „total inkompatibel mit dem Katholischen Glauben“ beschreibt, durch die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe automatisch exkommuniziert sind.

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Diese Entscheidung wurde von „Call to Action“ beim Vatikan angefochten. In einem Schreiben vom 24. November 2006 wurde von Kardinal Re festgestellt, dass die Disziplinarmaßnahmen in Ordnung sind. Wörtlich schreibt Re: „Eine Mitgliedschaft in dieser Vereinigung ist mit einem glaubwürdigen Leben im katholischen Glauben unvereinbar."

Von der Exkommunikation in der Diözese waren neben Mitgliedern von „Call to Action“ auch Mitglieder der Pro-Abtreibungs-Organisationen „Catholics for a Free Choice“ und „Planned Parenthood", Freimaurer-Organisationen und die Piusbruderschaft betroffen. Der Bischof hatte erklärt, dass eine Zugehörigkeit zu diesen Gruppen eine automatische Exkommunikation bewirke. Er gab den katholischen Mitgliedern dieser Gruppen eine gewisse Zeit, um auszutreten, bevor dann die Exkommunikation wirksam würde.

Bruskewitz wuchs in einer sehr gläubigen Familie auf, wo die tägliche Messe, der Familien-Rosenkranz, regelmäßige Gebete und Besuche von Priestern in seiner Familie an der Tagesordnung standen. Seine einzige Schwester wurde Nonne. Von 1976 bis 1980 arbeitete er in der Kongregation für das katholische Bildungswesen. Bischof von Lincoln wurde er 1992.

Der kleinen ländlich geprägten Diözese Lincoln gehören nur 100.000 Katholiken an. Von seiner Diözese spricht er in höchsten Tönen: Gott sei Dank habe es keine Missbrauchs-Anklagen gegeben, das religiöse Leben blühe, es habe in den 20 Jahren überdurchschnittlich viele Berufungen gegeben.

Der Bischof hat auch die Petrusbruderschaft in seine Diözese eingeladen. Das Priesterseminar der Bruderschaft von Unserer Lieben Frau von Guadalupe habe mehr Priesteramtsanwärter, als es fassen könne.

Er holte auch Karmelitinnen in die Diözese, für deren beschauliches Gebet er dankbar ist, ebenso für das der Schwestern der Anbetung vom Heiligen Geist. „Die Gebete der Schwestern haben uns viele geistliche Segnungen gebracht.“ Es gebe viele gut ausgebildete und engagierte Laien, fünf neue Pfarren und vier neue katholische Schulen habe er gegründet.

Nach den 60er-Jahren gefragt, bedauerte er, dass sich nach dem Zweiten Vatikanum ein “Para-Konzil” gebildet habe, das eine falsche Interpretation der Lehren verbreitet habe. Auch ein innerkatholisches Abweichen von der katholischen Lehre zur Sexualität und zum Lebensschutz kam auf. Viele verließen das Priesteramt oder das geweihte Leben. Die allgemeine kulturelle Krise habe zu einer innerkatholischen Krise geführt.

Zu seinem Ruf als “konservativer” Bischof meint er: “Mir gefällt, was Chesterton sagte: Konservativ sein heißt, dass man einfach überlegt, warum der Zaun gebaut wurde, bevor man ihn nieder reißt.”

Die Exkommunikationsdekrete 1996 habe er verfasst, um “klarzustellen, dass jemand nicht loyaler Katholik und Mitglied gewisser Organisationen sein kann“. Er habe damals über 50.000 unterstützende Briefe erhalten und etwa 300 negative. Als er nach Hause kam, kam er fast nicht in sein Haus, weil es mit Blumenbouquets oder Obstkörben umstellt war. Die Diözese habe eine halbe Million Dollar an Spenden erhalten. Viele Bischöfe hätten ihm privat gratuliert, sagten aber, dass das in ihren Diözesen so nicht funktionieren würde. „Ich wollte nie ein Vorbild sein. Es war Teil meines Jobs als oberster Hirte von Lincoln.“

“Die Sünde liegt nicht im Erkennen, sondern im Wollen. Menschen können wissen, was gut ist, aber schlecht handeln. In Bezug auf die Exkommunikationen glaubte ich also, ich musste etwas tun. Manchmal muss man handeln.“

Politisch mache ihm Sorgen, dass allgemeine Krankenkassen Abtreibung und künstliche Verhütung beinhalten sollen, während katholische karitative Organisationen bei Auslandseinsätzen keine finanzielle Unterstützung bekommen, da sie Abtreibung und künstliche Verhütung nicht beinhalten. „Das ist alarmierend und beängstigend und widerspricht dem, was Gott von uns will.“

Papst Johannes Paul II. bezeichnet er als “besonders guten Freund”. Die wichtigste geistliche Praxis sei eine tiefe Teilnahme an der Messe. Er empfehle auch das Lesen der Bibel „mit einem guten katholischen Kommentar“ und das Rosenkranzgebet, da marianische Frömmigkeit uns näher zu Christus führt. Johannes Paul II. „war ein brillianter Mann mit zweifachem Doktorat, einem außerordentlichen IQ, der 27 Sprachen sprechen konnte. Und doch war sein Lieblingsgebet der Rosenkranz.“

Auch geistliche Lektüre wie Chesterton, Belloc oder die “Nachfolge Christi” bewahre vor dem “Materialismus und Hedonismus unserer Kultur”. In seiner Pension wolle er weiterhin aktiv sein und etwas beitragen.



Foto: (c) www.dioceseoflincoln.org






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