01 Februar 2012, 11:07
Wien: Kritik aus Reihen der Kirche an Straches 'Juden-Vergleich'
 
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Theologie-Dekan Jäggle sieht Armutszeichen für politische Kultur in Österreich - Jugendseelsorger Jansen hält Ordensverleihung an FPÖ-Obmann angesichts dessen 'Grenzverletzung' für 'unangemessen'

Wien (kath.net/KAP) Kritik aus den Reihen der katholischen Kirche hat der "Juden-Vergleich" von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache ausgelöst. Der Dekan der Wiener katholisch-theologischen Fakultät, Martin Jäggle (siehe Foto), bezeichnete die Äußerungen Straches am Ball des Wiener Korporationsringes als Armutszeichen für politische Kultur in Österreich, Jugendseelsorger Gregor Jansen stellte angesichts der "Grenzverletzung" des FPÖ-Politikers dessen Ehrung mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern" infrage.

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Strache hatte auf dem Burschenschafter-Ball am vergangenen Freitag in Gegenwart eines von ihm nicht erkannten "Standard"-Journalisten gesagt, Angriffe auf Burschenschafter-Buden vor dem Ball seien "wie die Reichskristallnacht gewesen". Weiter zitierte der "Standard" Strache dann: "Wir sind die neuen Juden."

Für Jäggle, der auch Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist, sind diese Aussagen in zweifacher Hinsicht erschreckend, wie er am Dienstag gegenüber "Kathpress" sagte: So wie Strache würden auch etliche andere in Österreich denken, und hierzulande seien die kulturell-politischen Standards offenbar derart niedrig, dass derlei Vergleiche fallen, ohne dass Konsequenzen gezogen werden müssen. Dass sich ein Spitzenpolitiker öffentlich derart "schamlos" äußere, sei "nur in Österreich denkbar" und widerspreche ethischen Standards, die in vergleichbaren westeuropäischen Demokratien gelten.

Laut Jäggle reiche es aber nicht, den Juden-Vergleich zu kritisieren. Es gehe vielmehr um die Frage, "was wir tun können, um den Standard zu heben und den schlampigen Umgang mit Geschichte in Österreich zu ändern". Dringend notwendig sind nach den Worten des Wiener Religionspädagogen politische Bildung, Geschichtsbildung, Erinnerungslernen und Mitleidensfähigkeit mit den tatsächlichen Opfern. Gelinge dies nicht, würde sich in Österreich eine Politik etablieren, die mit Exklusion operiert, und ein "Klima, das gegen Menschen gerichtet ist".

"Stilisierung als verfolgte Minderheit"

Gregor Jansen, für die Jugendkirche Wien zuständiger Seelsorger, kritisierte "die Stilisierung der vereinten Rechten als verfolgte Minderheit" und die "Unglaublichkeit, am Holocaust-Gedenktag zu behaupten, die 'neuen Juden' zu sein". Dass Strache dies offenbar abseits medialer Öffentlichkeit zu sagen meinte, mache die Sache nicht besser, so Jansen. Jedenfalls habe der FPÖ-Politiker mit Sicherheit gewusst, dass er seine Vergleiche am Gedenktag des millionenfachen Mordes an Juden zog, so der Priester gegenüber "Kathpress".

Jansen nannte die Strache-Äußerungen Grund genug, dessen geplante Auszeichnung für Verdienste um die Republik Österreich "als unangemessen zu betrachten". Selbst wenn es eine "Usance" sei, solche Dekorationen automatisch zu verleihen - "bisher war es auch ein allgemeiner Konsens, gewisse Grenzverletzungen nicht zu begehen", so Jansen.

Strache wandte sich am Dienstag auf seiner Facebook-Seite gegen "bewusste Verdrehungen", "gezielte Verleumdungen und Manipulationen" durch seine Gegner. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hatte tags zuvor die "künstliche und lächerliche Empörung" über die Strache-Aussagen zurückgewiesen und die "Stasi-Spitzel-Manier" des unerkannten Journalisten kritisiert.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (c) ktf.univie.ac.at


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