21 Januar 2012, 13:40
Das Schreibverbot ist ein Rückfall in dunkle Zeiten
 
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Es gibt kaum ein Wochenblatt, das Religion und Kirche soviel Raum widmet wie die „Junge Freiheit“. Der Maulkorb, von einem Bischof verpasst, ist ein kirchlicher Treppenwitz - Gastkommentar von Gernot Facius zum Maulkorberlass für Pfarrer Oblinger

Augsburg (kath.net)
Wer wie ich seit mehr als 40 Jahren Vorgänge in der katholischen Kirche journalistisch begleitet, ist mit diversen Merkwürdigkeiten konfrontiert worden. Die Herren Bischöfe haben sich schwer getan, ein vernünftiges Verhältnis zu den Medien aufzubauen, erst in jüngster Zeit konnten Ansätze einer Entkrampfung registriert werden. Der Grund: Ihr einstiges Presseimperium ist kläglich zusammengebrochen - gescheitert an Unprofessionalität oder (siehe „Rheinischer Merkur“) Anpassung an zeitgeistige Strömungen.

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Das Schreibverbot für den Ichenhauser Pfarrer Georg Oblinger, ausgesprochen von seinem Bischof Konrad Zdarsa (Augsburg), ist ein Rückfall in dunkle Zeiten, in denen kirchliche Würdenträger den Katholiken vorschrieben, wie sie Presseerzeugnisse einzuschätzen haben.

Als „altliberaler Journalist“, wie mich Traditionalisten titulieren, habe ich Vorbehalte gegen bestimmte theologische Positionen von Pfarrer Georg Oblinger in der „Jungen Freiheit“ (JF). Sein Kirchenbild ist nicht unbedingt auch meines. Aber ich schätze seinen unaufgeregten Stil, damit unterscheidet sich Oblinger von manchem anderen auf den Besitz der Wahrheit pochenden Schreiber aus dem „schwarzen Block“.

In der säkularen Presse ist es heute kaum noch möglich, kirchliche bzw. theologische Sachverhalte differenziert darzustellen, unter dem Auflagen- bzw. Quotendruck werden Skandale und Skandälchen breit getreten. In der „JF“, die ein intellektuelles Publikum anspricht, hatte Oblinger eine Chance, dem Meinungseinheitsbrei etwas entgegenzusetzen. Es gibt kaum ein Wochenblatt, das Religion und Kirche soviel Raum widmet wie die „JF“. Dass nun ausgerechnet ihm von seinem Bischof ein Maulkorb verpasst wird, ist ein kirchlicher Treppenwitz.

Zensurmentalität sollte dem in der DDR sozialisierten Augsburger Oberhirten eigentlich ein Gräuel ein. Aber so kann man sich eben täuschen. Zumindest hätte der spektakuläre Vorgang einer konkreten Begründung bedurft. Sie ist ausgeblieben. So muss man annehmen, der Bischof habe sich von Leuten instrumentalisieren lassen, die seit Jahr und Tag mit Verdächtigungen gegen die „Junge Freiheit“ hausieren gehen.

Bistum Augsburg

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Gernot Facius (Foto) ist Autor der Tageszeitung "Die Welt"







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