15 Dezember 2011, 08:58
Bassam Tibi: 'Islamismus und Demokratie vertragen sich nicht'
 
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Deutscher Politikwissenschaftler syrischer Herkunft sieht auf Arabischen Frühling frostigen Winter folgen - "Auch in Österreich Islamisten stärker als liberale Muslime"

Wien-Graz (kath.net/KAP) Sehr skeptisch zur politischen Entwicklung im Nahen Osten hat sich der deutsche Politikwissenschaftler syrischer Herkunft, Bassam Tibi, geäußert. Zugleich warnte er bei einem Vortrag am Dienstagabend in Wien die westlichen Staaten davor, die Scharia in ihre jeweilige Politik einfließen zu lassen. Das wäre das Ende Europas, so Tibi.

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Die Muslimbrüder und die Organisation "Milli Görüs" hätten im Westen bereits gut ausgebildete Netzwerke und seien mit den gesetzlichen Gegebenheiten bestens vertraut, so Tibi, der wörtlich betonte: "Mit Islamisten gibt es keinen Dialog. Islamismus und Demokratie vertragen sich nicht."

Die Aufstände in der arabischen Welt seien anfangs nicht islamistisch geprägt gewesen. Es seien auch Kräfte am Werk gewesen, "die wirklich Demokratie und Freiheit wollten". Doch, sehe es jetzt so aus, dass der Arabische Frühling "keine Demokratie", und der folgende Scharia-Staat "nichts Positives hervorbringen" werde. Der auf den Arabischen Frühling folgende Winter werde "sehr frostig" werden.

Es fehlten im Nahen Osten schlicht die geschichtlich gewachsenen Voraussetzungen für eine demokratische Gesellschaft, so der Politikwissenschaftler. Demokratisches Bewusstsein bedeute u.a., dass man bereit sein müsse, mit anderen die eigene Macht zu teilen und zugleich auch Minderheiten entsprechend zu schützen. Tibi: "Demokratie heißt nicht: Herrschaft der Mehrheit."

Dass die Islamisten in den Revolutionsländern die Macht übernehmen, könne nicht verhindert werden. Sie würden im Gegensatz zu den liberalen Parteien bessere Struktur besitzen, die sie seit Jahren aufbauen konnten und die nun zu greifen beginnen.

Einen kleine Hoffnungsschimmer sieht der Politologe ausgerechnet in Ägypten, handle es sich dabei doch um ein Land mit staatlichen Traditionen seit der Pharaonenzeit. Libyen sei hingegen in viele Stämme und bewaffnete Gangs aufgespalten, an Demokratie sei dort nicht zu denken, so Tibi.

Falls es in Syrien einen Wechsel geben wird, dann sei dies nur mit viel Blut umzusetzen, meinte der gebürtige Syrer weiter. Dass die Muslimbruderschaft die Regierung unter Bashar al-Assad ersetzen wird, davon ging Tibi aus.

Der Politikwissenschaftler hatte erst vor wenigen Monaten eine ernüchternde Bilanz seines Bemühens gezogen, einen modernen europäischen Islam zu schaffen. Er habe für sein Anliegen Anhänger gefunden, und sie hätten voriges Jahr in Deutschland eine Bewegung gegründet: den Verband europäisch-demokratischer Muslime, sagte Tibi in einem Interview der "Kleinen Zeitung": "Aber ich muss offen sagen, dass Islamisten in Europa, auch hier bei Ihnen in Österreich, stärker sind als wir."

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