14 Dezember 2011, 17:23
Ägypten: Christen lassen sich keine Kopfsteuer aufzwingen
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Ägypten'
Koptisch-katholischer Kurienbischof weist in populärer TV-Sendung Vorstöße von Salafisten zurück, die im 19. Jahrhundert abgeschaffte 'Jizya' wieder einzuführen

Kairo (kath.net/KAP) Die Christen in Ägypten werden nicht bereit sein, eine Sondersteuer zu bezahlen: Das betonte Youhanna Golta, koptisch-katholischer Kurienbischof in Alexandria, in der populären TV-Sendung "Masr al-Jadida" (Das neue Ägypten), wie die Stiftung "Pro Oriente" am Mittwoch berichtete.

Werbung
Messstipendien

In den letzten Wochen hatten salafistische Politiker ernsthaft erklärt, die Christen müssten entweder die von der alten islamischen Ordnung vorgeschriebene Sondersteuer - die "Jizya" - zahlen oder das Land verlassen. Bischof Golta meinte dann wörtlich: "Das werden wir bis zum Martyrium ablehnen."

Falls die zu erwartende islamistische Mehrheit im ägyptischen Parlament solche Dinge einführen wolle, würden sich die Christen zunächst an die Experten der Al-Azhar-Universität und an die gemäßigten Muslime wenden.

"Keinesfalls wenden wir uns an die UNO oder an irgendeine ausländische Macht, weil das nichts bringt", meinte Golta. "Und wenn alles nichts nützt, zahlen wir unser Blut dafür, dass man uns nicht in die Zeit zurückversetzt, in der wir versklavt waren. Wir schreiben bald 2012 und die 'Jizya' wurde Mitte des 19. Jahrhundert abgeschafft", zitiert "Pro Oriente" den Bischof. "Wir sind der Ursprung dieses Landes und keine Gastarbeiter oder Immigranten."

Energisch wandte er sich gegen Vorwürfe der Islamisten, in den katholischen Schulen werde Proselytismus betrieben: "80 Prozent der Schüler, der Lehrer und des Verwaltungspersonals unserer 170 Schulen sind Muslime. Sie alle leben mit und unter uns sehr friedlich. Niemand hat einen solchen Verdacht auch nur ansatzweise erwähnt."

Er wisse, so der Bischof, dass dieses Gerücht in vielen Zeitungen verbreitet worden sei, aber "ich beruhige alle Muslime, und Gott ist mein Zeuge, dass wir in unseren Schulen keinen Proselytismus betreiben. Wir verbreiten lediglich den Glauben an Gott und verankern die humanitären Werte wie Liebe, Sauberkeit, Ordnung und Zivilisation."

Den Wahlerfolg der islamistischen Gruppierungen führte der Bischof auch auf wirtschaftliche Erwägungen zurück. Es flössen Zahlungen von Hilfsgeldern an sie, die die Strenggläubigen wiederum verteilten. Das Problem sei, dass Religion nicht von der Politik getrennt sei, betonte Golta: "Macht verdirbt den Frieden".

Copyright 2011 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

286-PS-Autos für die Limburger Bischöfe (112)

Kardinal Pell bleibt weiter in Haft (72)

Das Sexleben sollte in der Ehe Priorität haben (33)

Causa Pell bleibt weiterhin rätselhaft (31)

„Das also ist die Toleranz von Vertreterinnen von ‚Maria 2.0‘!“ (31)

Klimawandel auch in der Kirche? (29)

„Was wir von Forst lernen können“ (26)

Eucharistischer Segen für ungeborene Kinder? (26)

Konflikt um Institut Johannes Paul II. eskaliert weiter (21)

Erzbischof Paglia und die Zerstörung des Instituts Johannes Pauls II. (17)

Mädchen wollte in Knabenchor: Klage abgelehnt (16)

Pell-Nachfolger in Melbourne: schwierige Wahrheitssuche (14)

Raus mit denen, aber hurtig? (13)

New York Post: „Katholikenfresser verurteilten unschuldigen Kardinal“ (13)

Kirchenaustritte: Was jetzt zu tun ist (12)