
Augsburg (kath.net)
Der Skandal rund um Sex- und Esoterik-Angebote des Weltbild-Verlages ist auch vier Wochen nach der Erklärung von Pater Langendörfer und Klaus Donaubauer, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates von Weltbild, nicht bereinigt. Donaubauer und Langendörfer erklärten heute vor genau vier Wochen folgendes: "Die Verlagsgruppe Weltbild ist das größte Buchhandelsunternehmen Deutschlands und steht deshalb in einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung. Ihr Sortiment erfährt eine ständige Prüfung hinsichtlich der Wertbindungen der kirchlichen Gesellschafter. In diesem Sinn befasst sich der Aufsichtsrat auch regelmäßig mit dem Angebot der elektronischen Vertriebswege. Die Geschäftsführung wurde angehalten, ihrer Verantwortung in diesem Bereich konsequent zu entsprechen“. Geschwiegen zum Weltbild-Skandal hat übrigens trotz mehrfacher Anfragen von KATH.NET bis zum heutigen Tag der Freiburger Erzbischof Robert Zollitisch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
Wer geglaubt hat, dass nach den zahlreichen Medienberichten der letzten Zeit jetzt innerhalb vier Wochen Weltbild oder auch Droemer Knaur inhaltlich bereinigt werden, der dürfte sich gründlich getäuscht haben. Vier Tage vor der Weltbild-Krisensitzung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz am kommenden Montag gibt es bei Weltbild aktuell mit dem Stichtag 17. November 2011 mehr als 1.500 Erotik und 3.500 Esoterik-Artikel bei weltbild.de zu finden. Daneben gibt es auch über 1.100 Buddhismus-Artikel. Im Vergleich dazu werden bei Thema “Katholizismus” nur 330 Artikel und beim Thema “Katholische Kirche” nur etwas über 400 Artikel angeboten. Beim Thema “Glaube” gibt es immerhin 2.500 Angebote (im Vergleich zu 3.500 Esoterik-Angeboten).
Noch weit verhängnisvoller ist nach wie vor das unveränderte Angebot der Weltbild-Tochter Droemer Knaur. Wie schon mehrfach gesagt, vertreibt diese 50-%-Tochter nicht nur Erotik- und Esoterikprodukte, sondern produziert seit Jahren entsprechende einschlägige Literatur. So werden vier Wochen nach der Erklärung von Donaubauer und Langendörfer beispielsweise auf der Homepage von Droemer Knaur weiterhin problemlos die Bücher “Wilde Obsession” und “Sex Diaries” angeboten. Letztere gewähren laut Eigenbeschreibung “intime Einblicke in ein Verführungstagebuch” und geben Informationen darüber, wie man garantiert jede Frau ins Bett bekommt. Aber auch dutzende Werke buddhistischer Literatur werden auf der Homepage des Droemer-Knaur-Verlags angeboten.
Unverändert ist weiterhin auch das Droemer Knaur Angebot bei Amazon. So werden dort nach wie vor knapp 250 Erotik- und 500 Esoteriktitel, die von Droemer Knaur produziert wurden, angeboten. KATH.NET hat in den letzten Wochen seit der Ankündigung von Donaubauer und Langendörfer mehrfach bei Droemer Knaur nachgefragt, ob jetzt diese Produkte eingestellt werden. Eine Antwort auf diese Frage gab es nie.
Brisant für den Weltbild-Konzern und die katholische Kirche Deutschlands bleibt auch weiterhin das Portal: „Jokers.de“. Jokers steht im 100%igen Eigentum von Weltbild und kauft seit Jahren aktiv alte Sortimente von Büchern auf, die dann sehr billig angeboten werden. Vier Wochen nach der Erklärung von Langendörfer und Donaubauer werden auf Jokers.de beispielsweise mehr als 1.000 Erotik- und etwa 2.800 Esoterik-Artikel angeboten. Zu beachten ist, dass diese eben nicht in einem externen Onlineangebot stehen, sondern dass diese zuvor aktiv von Weltbild-Jokers aufgekauft (!) wurden. Bereinigt wurde hier bis jetzt de facto fast nichts.
Weltbild steht derzeit (noch) im Eigentum von verschiedenen deutschen Bistümern und dem VDD (Verband der Diözesen Deutschlands). Verantwortlich für die Geschäftsführung ist der 8-köpfige Weltbild-Aufsichtsrat mit Klaus Donaubauer, Finanzdirektor der Diözese Augsburg, Adolf Bauer, Finanzdirektor i.R. der Diözese Würzburg, Prälat Sebastian Anneser, Finanzdirektor i. R. für die Erzdiözese München, Paul-Bernhard Kallen, Vorstandsvorsitzender der Hubert Burda Media Holding, Pater Hans Langendörfer SJ, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Meyer, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Albert Post, Justitiar der Diözese Fulda und Stefan Schmittmann, Vorstandsmitglied der Commerzbank AG. Klar ist, dass es hier um viel Geld auf allen Ebenen geht. Wie KATH.NET erfahren hat, werden die Aufsichtsratsposten dementsprechend gut vergütet, es soll hier um sechsstellige Jahresgehälter gehen. Eine Weltbildsprecherin wollte gegenüber KATH.NET keine Summen nennen, sprach aber von einer “angemessenen Höhe”.
Weltbild-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Donaubauer
VDD (Besitzt die größten Weltbildanteile)
Weltbild-Aufsichtsrat Dr. Albert Post
Ein kleiner Überblick über die Angebote der Weltbild-Tochter Droemer Knaur (Screenshot vom 17. November 2011)
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Weitere Droemer Knaur-Eigenproduktionen, die u.a. via Amazon verkauft werden:
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